Kampf um Werbekunden
Fernsehen und Internet wachsen zusammen

Auf der Telemesse stellen die TV-Sender ihre Strategien vor. Alle setzen künftig auf doppelte Programmangebote - im Netz und auf der Mattscheibe.

dpa DÜSSELDORF. Fernsehen und Internet wachsen unaufhörlich zusammen. Bereits im nächsten Jahr werden diverse TV-Programme nicht nur auf der herkömmlichen "Mattscheibe" zu sehen, sondern auch für Internet-Benutzer zu verfolgen sein. Die großen öffentlich- rechtlichen TV-Veranstalter und die Privatsender stellten ihre Produkte, die für Fernsehen und Internet gleichermaßen entwickelt wurden, ihren Werbekunden auf der Telemesse 2000 vom Mittwoch bis Donnerstag in Düsseldorf vor.

Der private Marktführer RTL will auch im Online-Bereich die Vorreiterrolle übernehmen und hat für die Formate "Big Brother" und die Doku-Soap "Der Frisör", bei der täglich zehn Stunden im Internet Menschen beim Haareschneiden beobachtet werden können, ein Online- Angebot entwickelt. Das ZDF startet im November die Internet-Soap "Etage Zwo", die vom Leben von fünf jungen Leuten in einer WG handelt. Die ARD plant für den Herbst 2001 die Abenteuerserie "Off Road TV" - der Internet-Auftritt ist bereits für diesen Herbst geplant.

Mit dem Doppelangebot im weltweiten Netz und im TV wollen zumindest die privaten TV-Anbieter, die im analogen TV bereits an ihre Werbeauslastungsgrenze gestoßen sind, zusätzlich Anreize für die Kundschaft aus der Industrie bieten. Die Media-Agenturen, so war schon im Vorfeld der Messe zu hören, stöhnen über die erneute Anhebung der Werbepreise bei den Privatsendern. Den Spitzenpreis für einen 30- Sekunden-Spot lässt sich RTL bei der Übertragung von Formel 1-Rennen mit fast 250 000 DM bezahlen.

Dennoch meldeten die Sender während der Telemesse hohes Interesse der werbetreibenden Industrie, die am Medium Fernsehen eben nicht vorbei kommt. Mehr als neun Mrd. DM Werbeerlöse werden für das kommende Jahr erwartet. Diese Gewinnerwartungen veranlassten die Sender auch dazu, für die aufwendige Präsentation ihrer Programme in Düsseldorf mit Luxus-Catering fast 50 Mill. DM auszugeben.

Trotz der drohenden Konkurrenz des Internets - so stellte RTL- Geschäftsführer Gerhard Zeiler fest - blühe das Fernsehen weiter. Von Innovationsstillstand könne keine Rede sein. Sein Sender geht für den Herbst und das nächste Jahr mit "Big Brother", "Promi Big Brother", Fantasy-Miniserien, dem "Power-Wochenende" mit Quiz und Real Live Shows ins Rennen. Auch SAT.1 setzt auf Quiz und wirkliches Leben, wie zum Beispiel "Big Diet" - bei dieser Show müssen zehn schwergewichtige Männer und Frauen 100 Tage lang abnehmen. Das ZDF entwickelt neue Krimiserien ("Jenny Berlin", "SOKO Leipzig") und neue Magazine. Die ARD kündigte mehrere neue Vorabendserien und Börsenfernsehen vor 20.00 Uhr an. Das schwerste Geschütz von ProSieben heißt Stefan Raab, der demnächst vier Mal die Woche mit "TV Total" kommt.

Nur TM3, seit wenigen Monaten zu 100 % im Besitz des anglo- amerikanischen Medienmoguls Rupert Murdoch, konnte noch keine Programmware anpreisen. Der ursprünglich für November angekündigte Neustart des Senders - geplant ist eine enge Verknüpfung zwischen Fernsehen und Internet - wurde auf Januar 2001 verschoben. Es ist auch kein Geheimnis, dass der Münchner Kirch-Konzern einen Einstieg bei TM3 erwägt.

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