Kampfabstimmung im Aufsichtsrat
Bahn: Finanzplanung bis März

Die Bahn wird ihren Sanierungskurs bis März 2001 mit einer mittelfristigen Finanzplanung absichern. Dies teilte Aufsichtsratschef Dieter Vogel am Mittwoch in Berlin mit.

dpa BERLIN. Das Aufsichtsgremium habe die bisherige Planung zur Kenntnis genommen und die Finanzmittel für das erste Quartal 2001 frei gegeben. Das Jahresbudget werde im März behandelt. Ein von der Gewerkschaft TRANSNET geforderter Stopp beim Personalabbau bis Frühjahr wurde in der ersten Kampfabstimmung des Konzernaufsichtsrats seit Gründung der Deutschen Bahn AG (Berlin) mit der Zweitstimme Vogels abgelehnt.

Vogel sagte, man erwarte vom Bahn-Vorstand bis 14. März eine "Verfestigung der Planung" und ihrer einzelnen Schritte. Die Finanzvereinbarungen mit der Bundesregierung könne bis dahin zu Ende gebracht werden. Dazu gehört vor allem die vertragliche Zusicherung der vom Bund versprochenen jährlichen zwei Mrd. DM aus den Zinseinsparungen durch die Versteigerung der UMTS-Lizenzen. Die Bahn erwartet bis 2004 Verluste von vier bis fünf Mrd. DM. Kumuliert könnten die Prognosen für das Betriebsergebnis bis 2005 um 20 Mrd. DM (10,2 Mrd. Euro) verfehlt werden.

Die Verlängerung des Ende 2001 auslaufenden Vertrages von Finanzvorstand Diethelm Sack sei auf dessen Wunsch von der Tagesordnung abgesetzt worden, sagte Vogel. Diesem sei daran gelegen, dass sich zuvor alle Mutmaßungen über die Qualität seine bisherigen Arbeit erledigt hätten. Sack war nach der vor vier Wochen bekannt gewordenen neuen Finanzkrise in die Kritik geraten. Vogel sagte, der 52-Jährige habe das einstimmige Vertrauen des Aufsichrats und auch des Bundes.

Neuer Technik-Vorstand

Neuer Technik-Vorstand werde Karl-Friedrich Rausch (49). Er ist derzeit Vorsitzender des Bereichsvorstandes "Produkt und Service" der Lufthansa Passage und soll spätestens zum 1. Januar 2001 antreten. Rausch folgt Roland Heinisch (58), der als Vorstandschef zur DB Netz wechselte.

TRANSNET-Chef Norbert Hansen sagte, trotz der Ablehnung eines vorübergehenden Stopps beim Stellenabbau sei aber festgestellt worden, dass Personalabbau kein Unternehmensziel sei. Dies betreffe insbesondere die von der Unternehmensberatung McKinsey empfohlene Streichung von 120 000 Arbeitsplätzen bis 2015. Die Gewerkschaft wollte einen Stopp bis zur Vorlage der mittelfristigen Planung durch Bahn-Chef Hartmut Mehdorn. Im Bahn-Konzern waren Ende September 228 000 Mitarbeiter beschäftigt. Betriebsbedingte Kündigungen sind ausgeschlossen.

Nach Ansicht des Fahrgastverbandes Pro Bahn kann nur eine Vorwärtsstrategie und keine Selbstdemontage des Unternehmens die Verkehrsprobleme lösen. Verbandssprecher Hartmut Buyken verlangte einen Verzicht auf massive Streichungen im Interregio-Verkehr und die Zurückstellung von prestigeträchtigen Großprojekten wie der Neubaustrecke Stuttgart-München. Stattdessen müsse das vorhandene Netz modernisiert werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%