Kampfansage an die Reisebüros
Deutsche BA fordert Lufthansa heraus

Die Deutsche BA stellt sich neu auf und greift die Lufthansa mit Billigtarifen an. Gleichzeitig will die Airline die Kosten senken und binnen 18 Monaten erstmals seit ihrem Bestehen schwarze Zahlen schreiben.

mwb MÜNCHEN. "Wir wollen zurück zu den Wurzeln", gibt der Chef der angeschlagenen Deutschen BA Adrian Hunt die Richtung bei der geplanten Neuaufstellung der Fluglinie vor. Als Preisbrecher will die Tochter der British Airways der Deutschen Lufthansa wieder wie früher stärker Konkurrenz machen und erstmals in ihrer zehnjährigen Geschichte aus den roten Zahlen fliegen. Den ganzen Winter bastelte die Deutsche BA an ihrem neuen Konzept. Zuletzt gab es immer wieder Spekulationen, die Airline werde von der Muttergesellschaft dicht gemacht oder verkauft. "British Airways steht hinter uns", sagte Hunt.

Die Airline wird künftig nur noch zwischen deutschen Großstädten fliegen und keine Zubringerdienste mehr für die Mutter nach Großbritannien leisten. Tickets sollen ab dem 1. April pro Strecke in der billigsten Kategorie je nach Flugstrecke zwischen 39 Euro und 57 Euro kosten. Vorausbuchungsfristen, Mindestaufenthalte und Umbuchungsgebühren entfallen.

Der Preis richte sich nur nach der Nachfrage, erklärte Hunt. Die Preisspanne geht von 39 Euro bis 237 Euro zu den Hauptverkehrszeiten. Auf jeder Strecke soll es aber täglich zumindest einmal den Billigtarif geben. Der nach den Terroranschlägen vom vergangenen September eingeführte Sicherheitszuschlag von elf Euro pro Ticket wird gestrichen. Die Kapazität soll zum Beginn des Sommerflugplans um 8 % aufgestockt werden. Insgesamt werden täglich 130 Flüge mit den 16 Boeing 737-300 angeboten. Die Zahl der Sitzplätze wird 149 auf 136 reduziert. Ziel ist es die Passagierzahl von 2,8 Mill. im Geschäftsjahr 2001/02 (31.3.) auf 3,2 Mill. Passagiere zu erhöhen und dadurch den Marktanteil auf den beflogenen Strecken von derzeit 34 auf 39 % zu erhöhen. Das Management erwartet 2002/03 einen Jahresumsatz von 355 Mill. Euro nach 336 Mill. Euro in diesem Jahr. Ertragszahlen nennt die BA-Tochter nicht. "Wir hatten wieder Verluste, aber nicht so hoch wie im bislang schlechtesten Geschäftsjahr 2000/01", sagte Hunt. Die Deutsche BA habe vor allem unter dem schwachen Euro gegenüber Dollar und Pfund gelitten. Er sei optimistisch, mit der Neuausrichtung bis in 18 Monaten die Gewinnschwelle zu erreichen.

Damit der Spagat zwischen Billigpreisen und Profitabilität gelingt, muss die Airline kräftig abspecken. Bis September 2003 sollen die Kosten um 48 Mill. Euro gesenkt werden. Auch mit Zulieferern und Partnern soll neu verhandelt werden. Das Vielfliegerprogramm "bonusplus" wird eingestellt. Speisen an Bord müssen künftig bezahlt werden.

Am günstigsten wird die Buchung im Internet oder per Telefon im Call-Center. Tickets aus dem Reisebüro kosten bis zu 15 Euro mehr. Seit Jahren fühlt sich die Deutsche BA von den Reisebüros gegenüber dem Konkurrenten Lufthansa benachteiligt. "Wir erklären den Reisebüros nicht den Krieg", beschwichtigt Hunt. Zuletzt seien die Reisebüros der Deutschen BA aber nicht entgegengekommen. Als Konsequenz wird der Direktvertrieb über das Internet jetzt massiv forciert. "Wir sind gezwungen, unser Schicksal in die eigene Hand zu nehmen", sagte Hunt. Künftig bekommt die Airline eine neuen Marktauftritt unter dem neuen Label DBA und auch eine neue orange Firmenfarbe. Die Website (www.flydba.com) wird auf die Flugzeuge auflackiert.

Die Welt des Luftverkehrs habe sich zuletzt rascher verändert als je zuvor, sagte Hunt. Billiglinien wie der irische Ryanair oder Germania hätten den Preiswettbewerb angeheizt. Gleichzeitig seien die regulären Flugpreise seit den Terroranschlägen um über 30 % gestiegen, was für leere Flugzeuge bei den Carriern sorgte. "Wir mussten uns etwas einfallen lassen", sagte Hunt.

In Luftfahrtkreisen wird jedoch gerätselt, wie die Rechnung aufgehen soll. Die Kosten auf Großflughäfen seien auch für DBA hoch, und die Verringerung der Sitzzahl erhöhe noch die Kosten. Mit der Bezahlung des Essens könne man das nicht wett machen, hieß es. Die Lufthansa kommentierte den Schritt des Konkurrenten nicht.

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