Kampfansage an Montoya
Das Schweigen der Rivalen

Die Formel-1-Stars Michael Schumacher und Montoya gehen sich aus dem Weg - oder geraten auf der Strecke aneinander. Auf der Rennstrecke krachte es zwischen den Konkurrenten bereits sechs Mal.

NÜRBURGRING. Am liebsten wäre Michael Schumacher sofort in seinen Geburtsort nach Kerpen-Sindorf gefahren, nicht erst in die Eifel zum Nürburgring. Er wusste, welche Fragen ihn dort bei der Pressekonferenz vor dem Großen Preis von Europa am Sonntag erwarteten. Ihn und danach auch Juan Pablo Montoya, mit dem Schumacher beim Grand Prix in Monaco vor fünf Tagen wieder einmal aneinander geraten war. Montoya war dort im BMW auf den Ferrari aufgefahren, weil der Deutsche plötzlich gebremst hatte.

Bevor also Schumacher mit dem gesamten Ferrari-Team in seinem heimischen Kartcenter den "Heidenspaß mit meiner zweiten Familie" genießen konnte, musste er sich dem unangenehmen Thema stellen. Auf Versöhnung war er nicht aus. "Ich wüsste nicht, was ich mit Montoya zu besprechen habe", sagte Schumacher. Der Frust vom ersten Ausfall in dieser Saison saß beim WM-Führenden immer noch tief.

Auf der Rennstrecke hat es zwischen den Konkurrenten bereits sechs Mal gekracht - auch auf dem Nürburgring, erst vor einem Jahr. Doch in Abwesenheit seines Rivalen wehrte Schumacher sämtliche Fragen nach dem bevorstehenden Duell ab: "Der Vorfall in Monaco ist für mich Geschichte." Heute treffen sich beide beim Training wieder.

Als Schumacher gegangen war und Montoya zur Befragung erschien, gab es ebenfalls einen schnellen Themenwechsel, weg vom Dauerstreit mit Schumacher. Schließlich hielt sich in den letzten Tagen nicht nur das Gerücht, dass der finnische Ex-Weltmeister Mika Häkkinen ein Comeback bei BMW anstreben würde, sondern auch jenes, dass Montoyas Wechsel nach der Saison zu McLaren-Mercedes wieder in Frage stehe. BMW wollte das nicht kommentieren, Mercedes auch nicht, nur Montoyas Manager Julien Jakobi reagierte auf das Gerücht in der kolumbianischen Zeitung "El Tiempo": "Da ist nichts dran."

Dass der Krach zwischen Schumacher und Montoya, die Comeback- und Wechselgerüchte vor dem siebten Grand Prix der Saison mehr Aufmerksamkeit erregen als etwa der erste Sieg von Jarno Trulli in Monaco, wirft ein schlechtes Licht auf den derzeitigen Zustand der Formel 1. Michael Schumachers fünf Siege in den ersten Rennen der Saison haben dazu geführt, dass Langeweile aufgekommen ist und nach Unterhaltung aller Art Ausschau gehalten wird.

Weder BMW-Williams noch McLaren-Mercedes, Ferraris vermeintliche Hauptkonkurrenten, sind derzeit in der Lage, die Roten aus Maranello allein mit Leistung bedrängen zu können. "Wir werden am Nürburgring wieder um den Sieg fahren", kündigte Michael Schumacher an. Es war vor allem eine Kampfansage an Montoya. Beide sehen sich heute wieder - auf der Rennstrecke.

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