Kampfansage nach Zittersieg
Schäfer fordert Deutschland heraus

Erst zitterten sie sich zum Sieg, dann sagte ihr "Oberlöwe" dem deutschen Team den Kampf an: Nach dem 1:0 von Kamerun gegen Saudi-Arabien kommt es für Winfried Schäfer am Dienstag gegen Deutschland zum Finale um den Achtelfinal-Einzug.

dpa SAITAMA. "Jetzt ist das ein entscheidendes Spiel. Das wollte ich nie", sagte der einstige Bundesliga-Coach, betonte aber schon unmittelbar nach dem Schlusspfiff im Saitama Stadium: "Aber ich bin jetzt ein Löwe, und deshalb werde ich für Kamerun versuchen, weiterzukommen. Wir müssen gewinnen."

Der Sieg über die vom 0:8-Desaster gegen die Deutschen erholten Saudis fiel dem Afrika-Meister schwerer als erwartet. Vor 53 374 Zuschauern, unter ihnen Bundestrainer Michael Skibbe, mühten sich die Kameruner vergebens, ehe Samuel Eto'o mit dem Tor des Abends das erste WM-Erfolgserlebnis für Kamerun seit 1990 besiegelte. "Es war ein verdienter Arbeitssieg für Kamerun gegen eine tapfer kämpfende Mannschaft aus Saudi-Arabien", urteilte DFB-Teamchef Rudi Völler, dessen Team am Dienstag in Shizuoka ein Remis zum Weiterkommen genügt, nach dem TV-Studium im deutschen Teamquartier.

"Deutschland ist Favorit auf Grund seiner Erfahrung", sagte der sichtlich erleichterte Schäfer, der von seinem Kölner Kapitän Rigobert Song vor Freude schier erdrückt wurde. Auch der für Real Mallorca spielende Eto'o lief nach seinem entscheidenden Treffer über den halben Platz, schüttelte seine Mitspieler ab, um Schäfer um den Hals zu fallen.

Saudi-Arabiens Trainer Nasser Al-Johar quittierte die zum WM-K.o. führende Niederlage seiner Wüstensöhne mit Haltung. "Heute gab es das wahre Bild vom Spielvermögen Saudi-Arabiens", sagte der Coach und fügte an: "Ich verspreche, dass wir im letzten Spiel gegen die Iren nochmal alles geben, um der ganzen Welt und allen Moslems zu zeigen, dass wir Fußball zu spielen verstehen." Verlieren die Iren gegen die Saudis, dann kann sich Deutschland sogar eine Niederlage gegen Kamerun leisten.

Die nach dem 1:1 gegen Irland offensiver eingestellten Afrikaner hatten zwar ein optisches Übergewicht. Doch der auf fünf Positionen umgestellte Gegner machte über die 90 Minuten deutlich, dass er sich nicht noch einmal wie beim 0:8-Desaster gegen Deutschland wehrlos abschießen lassen wollte. "Hätten sie nur auch gegen Deutschland so gekämpft." Doch auch spielerisch hielten die technisch beschlagenen und kombinationssicheren Saudis mit und hatten durch gefährliche Konter mehrfach Gelegenheit zum Ausgleich.

Kamerun stellte die athletischere Elf, fand aber lange Zeit kein Mittel, um die geschickt gestaffelte Fünfer-Abwehrkette auszuspielen. Da sich das Sturm-Duo Eto'o und Patrick Mboma nur selten durchsetzen konnte, sorgten zwei Abseitstore (Mboma und Geremi) für Aufregung. Die besseren Einschussmöglichkeiten hatten vor allem vor der Pause die konterstarken Saudis durch den starken Nawaf Al-Temyat, der mit zwei Fernschüssen (42./45) Kameruns Tor nur ganz knapp verfehlte.

Nach dem Wechsel verstärkte Schäfer die Offensive mit Hereinnahme von Salomon Olembe. Von dessen Traumpass hätte Eto'o (53.) beinahe profitiert, doch der immer mehr in den Blickpunkt rückende Keeper Mohammed Al-Deayea rettete wie zuvor gegen den künftigen Bochumer Raymond Kalla (48.). Erst Njitap Geremi knackte mit tollen Steilpass, den Eto'o nur noch ins Tor zu verlängern brauchte, Saudi-Arabiens Abwehrriegel. Schäfers Lob für den Torschützen, der in die Fußstapfen des legenderen Roger Milla von 1990 treten könnte: "Das hat er sensationell gemacht."

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