Kampfpreise der Billiganbieter machen der Airline zu schaffen
Kommentar: Lufthansa sitzt auf einem Berg von Problemen

"Die Passagiere kommen wieder", gibt sich Lufthansa-Chef Jürgen Weber erleichtert - und die jüngsten Zahlen geben ihm Recht: Im Februar 2002 lag das Passagieraufkommen der Kranich-Airline nur noch um 9,2 Prozent unter Vorjahr und damit weit besser als in den Monaten davor. In der gesamten Luftfahrtbranche wächst die Zuversicht, die Rückkehr zur Normalität nach den Flugzeug-Attacken des 11. September könne kurz bevorstehen.

Lufthansa wird die Mehrzahl ihrer 43 stillgelegten Jets in den kommenden Monaten wieder in die Luft bringen; den Ende 2001 verhängten Einstellungsstopp beim Kabinenpersonal hat sie nunmehr offiziell aufgehoben. In der Rückschau hat Lufthansa die schlimmsten Krisenmonate der Luftfahrt damit überaus ordentlich gemanagt: Abgesehen vom sündhaft teuren Fehlkauf der Cateringfirma LSG Sky Chefs, der die Konzernbilanz auf Jahre hinaus belasten wird, sind dem Management keine großen Fehler unterlaufen. Schnelle Kapazitätsanpassungen und ein hohes Maß an Kostendisziplin haben den Konzern operativ in der Gewinnzone gehalten. Damit bleibt Lufthansa im Branchenvergleich weiter bei den Besten. So weit, so gut.

Die erwartete Wiederbelebung im Passagier- und Frachtgeschäft darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Kranich-Konzern noch immer auf einem Berg von Problemen sitzt. Die europäische Luftfahrt ist ein halbes Jahr nach den Terroranschlägen noch nicht viel gesünder geworden - vor allem weil sich die überfällige Konsolidierung der Branche mit zu vielen Staats-Airlines weiter verschiebt.

Zu Recht beschwert sich Vorstandschef Weber laut darüber, dass der Nationalstolz im Luftfahrt-Geschäft immer wieder über die Prinzipien der Marktwirtschaft obsiegt: Hoch über den Wolken wird der faire Wettbewerb mit Füßen getreten, weil viele Regierungen ihre heimischen Fluggesellschaften mit Staatsmillionen aufpäppeln. Kaum ist des Steuerzahlers Geld überwiesen, gehen die eben noch vom Konkurs bedrohten Airlines - gegen jede ökonomische Vernunft - mit Kampfpreisen auf Kundenfang. Lufthansa kann diesem Treiben nur zuschauen und darauf warten, bis die nächsten Milliarden aus amerikanischen, belgischen oder Schweizer Staatssäckeln verbrannt sind.

Allein: Das Warten auf bessere und fairere Zeiten wird diesmal nicht reichen. Denn vor allem auf den kurzen Strecken gerät der Konzern immer stärker in Zugzwang, künftig günstiger und damit schlanker fliegen zu müssen. Die Billig-Airlines drohen sich in Deutschland breit zu machen, und mit deren Kostenstrukturen kann die üppig ausgestattete Full-Service-Airline nicht mithalten. Der Konzern wird sich darauf einstellen müssen, dass er im innerdeutschen, vielleicht auch im Europa-Verkehr künftig Marktanteile verliert. Darüber hinaus werden die Preise angesichts der wachsenden Billig-Konkurrenz purzeln. An diesem Freitag wird die Deutsche BA eine radikale Änderung ihrer Strategie bekannt geben. Voraussichtlich wird das ein Billigkonzept sein, das die Kranich-Airline stärker als bisher treffen soll.

Angreifen oder schrumpfen - das sind die Alternativen, die der Lufthansa bleiben. Spätestens unter Weber-Thronfolger Wolfgang Mayrhuber wird sich der Kranich-Konzern daher neu ausrichten müssen.

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