Kanada für Drei-Wochen-Frist
Weltgemeinschaft fast ausnahmslos gegen Irak-Krieg

Die internationale Gemeinschaft hat sich bei einer Debatte im Weltsicherheitsrat fast ausnahmslos gegen einen Irak-Krieg ausgesprochen. Von 28 Ländern stellten sich nur zwei, Kuwait und Australien, ausdrücklich hinter den harten Kurs der USA und Großbritanniens. Alle anderen plädierten wie Indonesien und Indien dafür, "dem Frieden eine Chance zu geben".

HB/dpa NEW YORK. Kanada erklärte sich zuversichtlich, dass Bagdad entwaffnet werden könne, "ohne dass ein Schuss fällt". Die offene Diskussion, die dritte dieser Art seit November, war von Südafrika im Namen der 110 blockfreien Staaten beantragt worden. Weitere 14 Länder wollten ihre Position im Irak-Konflikt am Mittwoch darlegen.

Der Irak bekräftigte seine Bereitschaft zur vollständigen Abrüstung und verwies darauf, dass UN-Chefinspekteur Hans Blix ihm in seinem letzten Bericht vom 7. März "aktive Kooperation" bescheinigt hatte. Bagdad habe die Abrüstungsauflagen des Weltsicherheitsrates bereits bis 1994 zu 95 % erfüllt und besitze im Gegensatz zu Washingtons Behauptungen keine Massenvernichtungswaffen mehr, sagte der irakische UN-Botschafter Mohammed Aldouri.

Er bezichtigte die US-Regierung einer neuen, direkten Form von Kolonialismus. "Dem Irak ist klar, dass die USA unser Öl in die Hände bekommen und die Region kontrollieren wollen". Amerika wolle die Grenzen neu ziehen und dafür sorgen, dass seine Interessen auf lange Sicht gewahrt seien, sagte Aldouri. Er appellierte an den Sicherheitsrat und UN-Generalsekretär Kofi Annan, "eine Katastrophe zu verhindern".

Den Verdacht der USA, dass der Irak mit seiner Drohne die maximal zulässige Entfernung von 150 Kilometern überschreiten könnte, wies der irakische Botschafter entschieden zurück. Der unbemannte, ferngesteuerte Flugkörper sei nur in Sichtweite seines Flugplatzes eingesetzt worden und nie weiter geflogen als acht Kilometer.

Kuwait warf seinem Nachbarn Irak vor, die Weltgemeinschaft vorsätzlich zu spalten und auf diese Weise der Durchsetzung der UN-Resolutionen zu entgehen.

Australien erklärte, der Sicherheitsrat sollte sich nicht mit den kleinen, erzwungenen Abrüstungsschritten des Irak zufrieden geben. Bagdad habe mit Resolution 1441 im November seine letzte Chance bekommen - und sie nicht genutzt, sagte Australiens UN-Botschafter John Dauth. "Es gehört Entschlossenheit dazu, eine sicherere Welt zu schaffen....".

Die Türkei bestand bei der Debatte im Sicherheitsrat darauf, dass die territoriale Integrität, nationale Unabhängigkeit und politische Einheit des Irak erhalten bleibt. "Die Zukunft des Irak muss vom ganzen irakischen Volk entschieden werden und nicht nur von einem Teil", sagte der türkische UN-Botschafter Altay Cengizer. Außerdem gehörten die Naturvorkommen des Irak dem Irak und der irakischen Bevölkerung - und nicht nur einem Teil von ihr.

Malaysia verurteilte einen Krieg gegen den Irak im Rahmen der Debatte als "destabilisierenden Faktor". Südafrika verurteilte jede Art von Ultimatum und betonte, "wir sehen keine Notwendigkeit dafür". Ägypten forderte "noch mehrere Monate für die Waffeninspektionen". Libyen warnte davor, dass internationale politische System aus den Angeln zu heben.

Kanada schlug dem Weltsicherheitsrat vor, Bagdad eine Drei-Wochen-Frist zu setzen, um seine Bereitschaft zur "echten Abrüstung" zu testen. Sollte der Irak dann substanziell kooperieren, könnte der Rat ihm eine weitere Frist gewähren - und die nächste, sagte der kanadische UN-Botschafter Paul Heinbecker.

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