Kanadas Torjäger erlebte echten „plötzlichen Tod"
Tore als Medizin für die Seele

Die Österreicher jammerten nach seinem späten Ausgleichstreffer, die Deutschen nach der frühen Entscheidung, die Finnen nach dem Aus im "Sudden Death": Dany Heatley hält Titelverteidiger Kanada bei der Eishockey-Weltmeisterschaft in Tschechien im Rennen, doch eine Tragödie lastet noch immer wie ein schwerer Schatten auf den Leistungen des Top-Torjägers der WM, für den Eishockey derzeit mehr als nur ein Sport ist.

HB PRAG. Der Kapitän sprach aus, was alle dachten. "Es freut mich besonders, dass er das Tor geschossen hat. Ich gönne es ihm mehr als jedem anderen - nach allem, was er durchgemacht hat", sagte Ryan Smyth nach dem 5:4-Sieg im Viertelfinale gegen Finnland, und alle nickten. Denn Heatley hat außerhalb der Eisfläche den echten plötzlichen Tod kennen gelernt. Im vorigen September verursachte er einen schweren Autounfall, bei dem sein Mannschaftskollege Dan Snyder von den Atlanta Thrashers ums Leben kam: Er starb sechs Tage später an seinen schweren Kopfverletzungen. Heatley überlebte mit gebrochenem Kiefer und schweren Knieverletzungen und kehrte Ende Januar für die letzten 31 NHL-Saisonspiele auf das Eis zurück.

"Ich will unbedingt Weltmeister werden", hatte der Jungstar der Atlanta Thrashers vor dem WM-Start erklärt, "weil ich beim Eishockeyspielen vergessen kann." Vergessen, was in jenem Herbst geschah: Mit seinem Ferrari war der 23-Jährige mit 130 Stundenkilometern gegen eine Wand gerast, das Auto wurde regelrecht zerrissen.

Nach dem 6:1 gegen Deutschland und dem 5:4 gegen Finnland, das die Halbfinal-Teilnahme am Samstag gegen die Slowakei sicherte, kam der ansonsten abgeschirmte Heatley auch kurz zu den Journalisten. Niemand wagte bisher, das unausgesprochene Gentleman's Agreement zu brechen und den 23-Jährigen zu fragen, wie er den Unfall verarbeitet hat.

Die Aussagen drehten sich um die Spiele und waren dementsprechend. "Es macht mir Spaß. Das war ein ganz wichtiges Tor, jetzt haben wir eine Chance auf den Titel", ließ Heatley nach dem Viertelfinale wissen. Er hat seinen linken Schneidezahn verloren und lispelt, während unter seiner Baseballkappe der Lockenschopf hervorlugt.

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