Kanadier bietet Bares für US-Mediensparte – Verwaltungsrat entscheidet morgen über Exklusivgespräche
Bronfman und NBC kämpfen um Vivendi

Das Ringen um das US-Mediengeschäft von Vivendi Universal spitzt sich zu. Der kanadische Milliardär Edgar Bronfman Jr. bietet für Vivendi Universal Entertainment (VUE) 8 Mrd. $ in bar.

PARIS. Da Vivendi-Chef Jean-René Fourtou dringend Schulden abbauen will, gilt Bronfmans Angebot damit als ähnlich attraktiv wie das der General- Electric-Tochter NBC. Sie bewertet das Unternehmen zwar höher, bietet aber Fourtou bisher nur eine Fusion. "Nachdem NBC seit Wochen als Favorit für den Zuschlag galt, ist das Rennen nun wieder offen", sagte ein Analyst eines Brokerhauses in Paris. Die Vivendi-Aktie legte in stabilem Marktumfeld um mehr als 5 % zu.

Morgen will der Verwaltungsrat des zweitgrößten Medienkonzerns der Welt entscheiden, mit welchem Bieter Fourtou in exklusive Verhandlungen eintreten soll. Auch die US-Medienkonzerne Liberty Media und Viacom haben Gebote abgegeben, gelten aber als chancenlos. Ihre Offerten liegen nach Angaben aus informierten Kreisen unter den 14 Mrd. $, die Fourtou sich erhofft hatte. Viacom-Chef Mel Karmazin interessiert sich zudem nur für das Fernsehgeschäft von VUE.

Mit seinem Gebot will Bronfman NBC die Favoritenrolle streitig machen. Er hat Vivendi Universal ein Angebot mit drei Elementen vorgelegt: Bronfman bietet 8 Mrd. $ in bar, zudem will er 2,5 Mrd. $ Schulden des Konzerns übernehmen. Das US-Mediengeschäft soll mit dem New Yorker Kabelsender Cablevision fusioniert werden - an dieser Firma soll Vivendi Universal eine Minderheitsbeteiligung erhalten. Bronfmans Partner sind die Kapitalgesellschaften Thomas H. Lee und Blackstone sowie mehrere US-Banken, darunter Merrill Lynch.

Der US-Mischkonzern General Electric (GE) bietet bislang nur eine Fusion von VUE mit dem TV-Sender NBC. Das würde die US-Mediensparte mit den 14 Mrd. Euro bewerten, die Vivendi fordert. Weil Vivendi nur eine Minderheit an dem neuen Medienriesen halten würde, könnte Fourtou 4 Mrd. $ Schulden aus der Bilanz streichen.

Doch das könnte dem Franzosen zu wenig sein. Er hat versprochen, noch in diesem Jahr 7 Mrd. Euro durch Beteiligungsverkäufe zu erlösen, um die Schulden von 13,5 Mrd. Euro weiter zu senken.

"Für Fourtou könnte das entscheidend sein, denn Vivendi braucht dringend wieder eine bessere Bewertung der Ratingagenturen", sagt ein Analyst. Allerdings hat Fourtou seit seinem Amtsantritt vor 13 Monaten die Schulden durch Verkäufe bereits um fast 20 Mrd. Euro reduziert. Durch Umschuldung der restlichen Verbindlichkeiten muss Fourtou die US-Mediensparte nicht unbedingt komplett gegen Bargeld verkaufen, denn Vivendi kann seine Schulden in diesem und im nächsten Jahr auch so bedienen. Zudem gilt als möglich, dass NBC Fourtou die Möglichkeit einräumt, schon kurz nach der Fusion Anteile an der neuen Mediengruppe zu verkaufen.

Für eine umfassende Trennung vom US-Mediengeschäft gibt es für Vivendi Universal aber noch einen zweiten Grund. Fourtou hat angekündigt, den neuen Vivendi-Konzern auf den Sparten Telefonie (SFR, Cegetel, Maroc Télécom), Musik (Universal) und Kabelfernsehen (Canal Plus) aufzubauen. "Hält Fourtou nun doch am US-Mediengeschäft fest, würden viele Investoren seine Strategie nicht mehr verstehen", warnt der Analyst einer Großbank in Paris.

Immerhin hat sich Fourtou eine Hintertür offen gelassen. Sagt ihm keines der Gebote zu, könne er Vivendis US-Mediengeschäft auch teilweise an die Börse bringen. "Aber der Preisabschlag in einem solchen Fall dürfte so hoch sein, dass er nur als letzte Möglichkeit in Betracht kommt", erwartet der Analyst eines Pariser Brokerhauses.

Für Bronfman wäre ein Zuschlag eine Rückkehr in sein altes Geschäft. Erst im Juni 2000 fusionierte der Kanadier seinen Spiritousen- und Medienkonzern Seagram mit Vivendi unter dessen damaligem Chef Jean-Marie Messier. Bis Frühjahr 2003 war Bronfman stellvertretender Verwaltungsratschef von Vivendi. Nun hat er das nötige Kapital für die Rückkehr in Vivendis Mediengeschäft zusammen.

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