Kanadischer Konzern nicht an Fairchild Dornier interessiert
Bombardier fürchtet sich nicht vor Boeing

Der kanadische Flugzeug- und Schienenfahrzeughersteller Bombardier sieht seine Position durch den sich abzeichnenden Einstieg des US-Luftfahrtriesen Boeing beim finanziell angeschlagenen Flugzeughersteller Fairchild Dornier nicht gefährdet. "Wir fürchten uns nicht vor Boeing", sagte Bombardier-Chef Robert Brown am Rande eines Wirtschaftstreffens in Frankfurt. Bombardier beansprucht für sich die weltweite Führungsposition auf dem Markt für Regionalflugzeuge.

FRANKFURT/M. Fairchild Dornier, der letzte Hersteller von größeren Passagierjets in Deutschland, ist finanziell in schwere Bedrängnis geraten und sucht dringend nach einem Investor, der frisches Kapital einschießt. Bombardier stellte klar, dass der Konzern nicht mit Boeing um einen Einstieg bei dem deutsch-amerikanischen Flugzeughersteller konkurriere. "Wir haben kein Interesse an einem Einstieg bei Fairchild Dornier", sagte Brown. Es habe zwar Kontakte zwischen den beiden Unternehmen gegeben. Formelle Gespräche seien jedoch nicht geführt worden, stellte Brown anders lautende Berichte klar.

Bombardier, das auf politischen Druck hin die geplante Schließung seines Werks im sächsischen Ammendorf jüngst revidierte, will seine Präsenz in Deutschland weiter ausbauen. Der Konzern werde zwar in Ammendorf wahrscheinlich noch Stellen abbauen, seine Mitarbeiterzahl von insgesamt rund 9 300 Beschäftigten in Deutschland aber weiter aufstocken, sagte Brown. Mitte November 2001 hatte die in Berlin ansässige Bombardier Transportation GmbH noch angekündigt, rund 1 000 Mitarbeiter entlassen zu wollen. Vom Werk Vetschau in Brandenburg wird sich Bombardier allerdings wie geplant trennen. Derzeit seien drei Kaufinteressenten im Rennen. Namen nannte der Bombardier-Chef nicht.

Bombardier erhielt am Montag von der britischen Holding Govia einen Bahn-Auftrag im Wert von über 1,07 Mrd. Euro. Der Bau von weiteren 460 Wagen für Electrostar-Triebzüge sei vereinbart worden, die auf den Strecken von South Central eingesetzt werden sollten.

Im Streit mit Daimler-Chrysler um die Bewertung von deren früheren Bahn-Tochter Adtranz hält Brown an seinem harten Kurs fest. Der Konzern werde seine geplante Klage bei der Internationalen Handelskammer bis zum bitteren Ende durchziehen, falls Daimler nicht einlenke, drohte Brown. Der Schlichtungsprozess kann sich nach Ansicht von Brown vier Jahre hinziehen. Er gibt der Klage jedoch gute Erfolgschancen. Neben einer Entscheidung vor Gericht schließt Bombardier aber auch eine außergerichtliche Einigung nicht aus. Es habe aber noch keine entsprechenden Signale aus Stuttgart gegeben.

Bombardier wirft Daimler vor, das Nettovermögen von Adtranz habe zum Stichtag der Übernahme im April 2001 erheblich von dem zugesicherten Volumen abgewichen, und fordert daher vom Stuttgarter Konzern 1 Mrd. Euro Schadensersatz. Bombardier hatte Adtranz für 725 Mill. Dollar übernommen. Daimler-Chrysler hatte bei Ankündigung der Klage Mitte Februar die Schadensersatzforderung als "abwegig und in jeder Hinsicht unbegründet" zurückgewiesen.

Bombardier setzte im Geschäftsjahr 2000 (31. Januar) 11,2 Mrd. Euro um und erzielte einen Reingewinn von gut 680 Mill. Euro.

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