Kandidat für Präsidentenamt in Frankreich
Le Pen: Der nationale Außenseiter

Hauptsache im Gespräch sein - diese Maxime aus dem Showgeschäft könnte eigens für den französischen Rechtsradikalen Jean-Marie Le Pen geprägt worden sein, der sich genüsslich in der Rolle des nationalen Außenseiters sonnt.

Reuters PARIS. Landesweit und quer durch alle gesellschaftlichen Schichten wird der 73-jährigen als Inkarnation des Faschismus betrachtet. Le Pen gilt als existenzielle Bedrohung der Demokratie der Republik und ihrer Werte. "Kurz gesagt: nationale Einheit dank Le Pen", so kommentiert er selbst das Phänomen der breiten Allianz, die sich vor der Stichwahl am Sonntag gegen ihn vereinte.

Seine Klientel bediente Le Pen im Wahlkampf mit den populistischen Parolen jener, die sich an den Rand der Gesellschaft gedrängt und vergessen fühlen: Hass auf alles Fremde, Hass auf Dunkelhäutige, Angst vor dem neuen Europa, Angst vor Veränderungen. Mit seiner Botschaft Frankreich den Franzosen gibt er vor, die Interessen des "kleinen Mannes" zu vertreten.

Nationalismus in die Wiege

Als Le Pens Vater, ein bretonischer Fischer, 1942 bei der Explosion einer Seemine starb, wurde Jean-Marie zur "Kriegswaise" erklärt und fiel damit der staatlichen Obhut anheim. Das Leben selbst habe ihm den Nationalismus sozusagen in die Wiege gelegt, sagt er einmal. "Ich war mehr Franzose als andere, denn ich war Franzose durch Geburt und Adoption."

Bereits als Jugendlicher und noch vor dem Studium in Paris will Le Pen aktiv an der Resistance, dem französischen Widerstand, mitgewirkt haben. In Paris schloss sich der Antikommunist dann royalistisch gesinnten Gruppen an und reüssierte weniger als Student als mit politischen Reden auf der Straße. 1954 zog er für Frankreich in Indochina als Fallschirmjäger zu Felde. Zwei Jahre später war Le Pen jüngster Abgeordneter in Paris. Sechs Jahre später schien seine politische Laufbahn bereits zu Ende, als er den Sitz in der Nationalversammlung verlor - unter Charles de Gaulle hatten Rechtsradikale wie Le Pen nur geringe Chancen.

Formierung zur Front Nationale

1972 formieren sich Le Pen und seine rechtsradikalen Gefolgsleute zur Front Nationale (FN), die als Partei bei den Wahlen 1974 rund 200 000 Stimmen und damit 0,74 % bekommt. Im Frühjahr 1983 holt sie jedoch im traditionell linken 20. Pariser Bezirk elf Prozent der Stimmen und im März 1986 zieht die FN mit 35 Abgeordneten in die Nationalversammlung ein. Vor allem in den Randschichten und bei der Jugend gewinnt Le Pen Sympathien. Die Partei macht sich für einen Schutz der französischen Wirtschaft und Maßnahmen gegen Zuwanderung stark.

Für Entrüstung über die Landesgrenzen hinaus sorgt Le Pen im September 1987, als er die Ermordung der Juden unter den Nationalsozialisten als "Detailpunkt in der Geschichte des Zweiten Weltkriegs" bezeichnet. Auf einer Pressekonferenz in München zehn Jahre später wiederholt er die Beschreibung der Gaskammern als ein historisches "Detail". Während seiner Zeit im Europaparlament wird Le Pens Immunität zweimal - im Dezember 1989 und März 1990 - aufgehoben, um ihn wegen antisemitischer Äußerungen vor Gericht belangen zu können.

Aufsehen erregende Erfolge

Mitte der 90er Jahre erzielt die FN bei Kommunalwahlen Aufsehen erregende Erfolge und stellt in den Städten Toulon, Marignane und Orange die Bürgermeister. Beim ersten Durchgang der Präsidentenwahl 1995 erhält Le Pen 15,1 % der Stimmen und liegt im Elsass mit etwa 25 % sogar vor seinen Gegnern Lionel Jospin und Jacques Chirac. Allerdings verlor die FN Ende der 90er Jahre an Sympathien, weil sie sich nach einem internen Streit zwischen Le Pen und Bruno Megret spaltete. Le Pen gewinnt den Machtkampf und wird am 29. April 2000 für drei Jahre als Vorsitzender bestätigt. Einen Gegenkandidaten gab es nicht.

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