Kandidatenkür schon im Dezember gefordert
Kanzlerkandidatendebatte hat Hochkonjunktur

Unter CDU-Abgeordneten der Unionsfraktion im Bundestag wurde am Dienstag Uneinigkeit darüber deutlich, ob der bisherige Zeitplan umgestoßen werden und die Kandidatenkür schon zum CDU-Bundesparteitag im Dezember stattfinden solle.

Reuters BERLIN. Der Abgeordnete Wolfgang Freiherr von Stetten unterstützte einen entsprechenden Vorstoß des Vorsitzenden der Landesgruppe Nordrhein-Westfalen in der Fraktion, Norbert Lammert. In seiner eigenen Landesgruppe und der Fraktionsführung stieß Lammert hingegen auf Widerspruch.

Nach der offiziellen Planung, an der die CDU-Vorsitzende Angela Merkel und der zweite mögliche Anwärter auf die Kandidatur, CSU-Chef Edmund Stoiber, bisher gemeinsam festhalten, soll die Entscheidung erst im Frühjahr 2002 fallen. Stetten widersprach dem: "Diese Frage darf nicht bis zum März hinausgeschoben werden", sagte er. Man solle sie vielmehr bald entscheiden. Zurzeit gilt Stoiber als der aussichtsreichere Anwärter.

Lammert hält Merkel für geeigneter

Lammert sagte der "Westdeutschen Allgemeinen", beim Bundesparteitag in Dresden Anfang Dezember sollten Merkel und Stoiber einen gemeinsamen Vorschlag vorlegen. Um einen möglichst großen Anteil der Wechselwähler für die Union zu gewinnen, halte er Merkel als Kandidatin für geeigneter. Aber auch eine Kandidatur Stoibers sei durchaus vorstellbar.

Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Wolfgang Bosbach, Mitglied von Lammerts Landesgruppe, betonte, er habe Lammert nicht so verstanden, als ob dieser für die gesamte Landesgruppe habe sprechen wollen. Er selbst halte ein Festhalten am jetzigen Fahrplan für richtig, sagte Bosbach, räumte jedoch ein: "Es gibt einige Kollegen, die den Fahrplan gern geändert sehen würden."

Merkel nimmt an Klausurtagung teil

Die nordrhein-westfälische Landesgruppe geht am Mittwoch und Donnerstag in eine Klausurtagung, zu der auch Merkel erwartet wird. Die Parteivorsitzende hatte erst am Montag, einen Tag nach der schweren Niederlage der CDU bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl, den Zeitplan für die Kandidatenkür bekräftigt und in dieser Frage Disziplin eingefordert. Auf einer Regionalkonferenz im niedersächsischen Walsrode warnte sie am Montagabend alle, "die nicht am gemeinsamen Strang mitziehen", vor Konsequenzen. Sie müssten wissen, dass sie "sozusagen im Hinterkopf gespeichert sind bei der Frau Parteivorsitzenden und keinen Anteil daran haben werden, wenn wir wieder Politik gestalten".

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