Kandidatur
Berliner Grüne schicken Fraktionschefin Klotz in Wahlkampf

Die 39-Jährige wird Spitzenkandidatin ihrer Partei. Am Mittag will sie ihre Kandidatur offiziell bekannt geben.

dpa BERLIN. Die Berliner Fraktionsvorsitzende der Grünen, Sibyll Klotz, tritt als Spitzenkandidatin ihrer Partei bei der Neuwahl des Senats im Herbst an. Dies sagte eine Parteisprecherin am frühen Mittwochmorgen. Klotz wird ihre Kandidatur offiziell am Mittwochvormittag auf einer Pressekonferenz im Abgeordnetenhaus bekannt geben, hieß es. An dem Termin werden auch die Mitglieder des Landesvorstands Regina Michalik und Till Heyer-Stuffer teilnehmen.

Am Wochenende hatten SPD, Grüne und PDS den Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) gestürzt. Sein Amt übernahm SPD - Fraktionschef Klaus Wowereit, der auch als Spitzenkandidat seiner Partei bei den Wahlen antritt. Die CDU schickt ihren Fraktionschef Frank Steffel ins Rennen. Für die PDS kandidiert Gregor Gysi.

Unterdessen geht die Suche nach einem Termin für die Neuwahlen weiter. Während SPD, Grüne und PDS nach wie vor den 23. September favorisieren, war bei der Berliner CDU keine klare Linie für ein Datum erkennbar.

Die 39 Jahre alte Ost-Berlinerin Klotz hatte zuweilen schon an zwei Fronten zu kämpfen. Die Berliner CDU unter Klaus Landowsky wollte ihr immer wieder das Etikett der "Altkommunistin" anhängen. Und innerhalb ihrer eigenen Partei galt die Grünen-Politikerin bei ihrem Aufstieg Mitte der 90er Jahre noch als doppelte Quotenfrau - weiblich und aus dem Osten. In diesem Jahr war dagegen schon Wochen vor der Nominierung so gut wie klar, dass Sibyll Klotz die Grünen in den Wahlkampf führen würde. Die arbeitsmarkt- und frauenpolitische Sprecherin der Grünen setzte sich durch.

Tatsächlich war die promovierte Philosophin von 1983 bis 1989 SED- Mitglied. Verheimlicht hat sie es nie; es ist auch im Handbuch des Abgeordnetenhauses verzeichnet. Ihr Bruch kam in der Wendezeit, heute distanziert sich Klotz von den Nostalgie-Strömungen in der PDS.

Vor zehn Jahren zog sie für den Unabhängigen Frauenverband ins Berliner Abgeordnetenhaus ein. Gänzlich unerwartet wählten die Grünen sie 1995 zur Spitzenkandidatin. Nach 1996 und 1998 rückte Klotz Mitte vorigen Jahres erneut auf den Posten der Berliner Fraktionsvorsitzenden, als sich Renate Künast verabschiedete. Schon kurz darauf forderte Klotz eine Koalition aus SPD, PDS und Grünen. Nun muss sie vielleicht beweisen, ob so eine Regierung in Berlin möglich ist.

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