"Kann Jan Ullrich verstehen"
Jörg Roßkopf pausiert acht Monate

Eine ebenso komplizierte wie schmerzhafte Verletzung im linken Schlagarm hat den früheren Welt- und Europameister seit November 2001 außer Gefecht gesetzt.

HB DÜSSELDORF. Sein 18. Rang in der Weltrangliste ist mit einem Sternchen versehen. Jörg Roßkopf hat seit acht Monaten keinen ernsthaften Wettkampf bestritten. Beim zweiten Sternchen wird sein Name gestrichen. Doch so weit will es Deutschlands "Mr. Tischtennis" nicht kommen lassen. "Ich bin sehr optimistisch, dass ich im August wieder in der Bundesliga spielen kann. Mein Fernziel ist und bleibt Olympia 2004", sagt der 33-jährige Rekordnationalspieler, der täglich im Kraftraum des Reha-Zentrums Düsseldorf für sein Comeback arbeitet. "Es handelt sich um eine Nerveneinquetschung, die die Ärzte lange Zeit nicht feststellen konnten. Der Nerv musste freigelegt werden", berichtete Roßkopf. Im Frühjahr, als sein Clubkollege Timo Boll aus Gönnern Europameister wurde, kam er unters Messer. Im Juni tourte er bereits durch Deutschland. Auf kleineren Turnieren konnte "Rossi" ohne hohe Belastung spielen.

Doch ein Abstecher nach Japan zum hoch dotierten Privatturnier eines millionenschweren Kimono-Herstellers endete vorzeitig. Nach drei Tagen erlitt Roßkopf einen Rückfall, die Schmerzen kamen zurück. "Die vergangenen Monate waren brutal hart. Dagegen sind alle anderen Verletzungen, die ich hatte, gar nichts. Ich kann Jan Ullrich verstehen. In so einer Situation braucht man als ehrgeiziger Sportler gute Freunde, sonst kann man schnell auf die schiefe Bahn kommen", beschreibt der Olympia-Dritte von 1996 die psychologischen Probleme einer langen Wettkampf-Pause. Roßkopf bekämpfte den Frust nicht mit übermäßigem Alkoholkonsum. Er zog sich zurück. "Ich wollte viel allein sein", so der Weltklasse-Akteur. Sein Verhalten irritierte das Umfeld. "Es war nicht einfach für meine Frau, mit mir auszukommen", gesteht der Vater von zwei Kindern. Zudem lernte er "angebliche Freunde" und "wirkliche Freunde" in der Tischtennis-Szene besser kennen. "Ich bin enttäuscht, wie sich einige Leute verhalten haben", sagt der Hesse. Lobend erwähnt er seinen Ex-Verein Borussia Düsseldorf: "Jetzt merkt man, was man 14 Jahre an denen hatte."

Der Weltranglisten-Vierte und Doppel-Europameister Timo Boll ist inzwischen erfolgreicher und steht mehr im Rampenlicht als der 16fache Medaillengewinner bei WM, EM und Olympia. "Damit habe ich keine Probleme. Timo hat das verdient. Er wäre ohnehin an mir vorbei gekommen, so war es nur einfacher für ihn", meint Roßkopf. Sein Ehrgeiz ist ungebrochen, er will wieder dazu gehören: "Ich vermisse das Spiel sehr. Immer nur Krafttraining ist nicht meine Sache." Einen Wunsch, den er noch hat, kann er sich nur mit Boll erfüllen: "Einmal will ich Gold mit der deutschen Mannschaft holen."

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