Kanzler-Homepage freigeschaltet
Schröder gibt sich auch im Netz geschmeidig

Der Kanzler ist jetzt mit einer persönlichen Homepage im Netz - und gibt dort Einblick in sein Leben und seinen Alltag. Nett gemacht, aber ohne umwerfende Neuigkeiten.

HB BERLIN. Wer alt genug ist, erinnert sich sicher an den "Turnschuh-Minister" - Joschka Fischer trat 1984 in Wiesbaden sein erstes Regierungsamt demonstrativ im zerknautschten Schuhwerk der Jugend an. Doch wer weiß noch, welcher Bundestagsabgeordnete sich als erster die Frechheit herausnahm, ohne Krawatte im hohen Haus aufzutreten? Diesen Mut brachte der heutige Bundeskanzler Schröder schon 1980 auf.

Nachzulesen ist die revolutionäre Tat unter www.gerhard-schroeder.de, der persönlichen Homepage des Kanzlers. Gestern nachmittag schaltete Schröder die Seite für das gemeine Wahlvolk frei. Nach kampa02.de, der Wahlkampfseite der Partei, und nicht-regierungsfaehig.de zur Konkurrenzbeobachtung setze die SPD damit einen "weiteren Meilenstein im online-campaining", schwärmt die zuständige Agentur A&Bface2net.

Nach dem ersten Klick präsentiert sich der Kanzler den Internet-Surfern als Liebhaber des Halbschattens - im Zwielicht sitzt er im Flugzeug, ernst über die Akten gebeugt. "Heute habe ich mit Peter Hartz gesprochen", berichtet er oben links. "Die Arbeit dieser Expertengruppe geht gut voran." Schön wärs - als der Kanzler nach dem Gespräch mit Hartz vor die Presse trat, konnte er nichts präsentieren und blickte entsprechend säuerlich.

Fröhlicher wird es unter "Vita": Zum Geburtsjahr 1944 lächelt ein eindeutig erwachsener, mäßig langhaariger Gerhard seine Mutter an - ein Babybild wollte man dem geneigten Publikum offenbar nicht zumuten. Konkurrent Edmund Stoiber ist da klassischer: Er grüßt unter www.stoiber.de zumindest aus dem Laufstall.

Durch Kindheit und Jugend des SPD-Chefs zieht sich die Botschaft vom steinigen Weg, den der Sohn einer Kriegerwitwe zurücklegen musste. Von der mittleren Reife, die er als 17-jähriger Verkäufer auf der Abendschule erwirbt, bis zur "Arbeit am Bau", die das Jurastudium finanziert.

Anders als beim bayrischen Herausforderer, auf dessen Homepage man umständlich hin und her klicken muss, läuft Schröders Leben selbsttätig vor dem Wähler ab. Wie im richtigen Leben gibt sich Schröder auch im Netz geschmeidiger als der umständliche Stoiber.

Fehlen darf auch nicht die Gattin: Während Karin Stoiber unter der Rubrik "Große Liebe" auftaucht, warnt Doris Schröder-Köpf in einer Kolumne Eltern vor dem schädlichen Einfluss von Computern auf die Kinder. Fortsetzung der Erziehungstipps folgen.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin
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