Kanzler rechnet fest mit weltweitem Wirtschaftsaufschwung
Schröder zieht positives G-8-Fazit

Bundeskanzler Gerhard Schröder hat kurz vor dem Ende des Weltwirtschaftsgipfels im kanadischen Kananaskis ein insgesamt positives Fazit des Treffens gezogen. Als wichtige Botschaften des Gipfels bezeichnete Schröder am Donnerstag in einem Fernsehinterview, dass die acht Gipfel-Staaten (G8) Russland zum Vollmitglied ihrer Gruppe machen würden, dass sie Afrika verstärkt, auch bei der Entschuldung, helfen wollten, und dass sie ohne große Kontroversen wichtige Regionalthemen, wie den Nahost-Konflikts, diskutiert hätten.

Reuters CALGARY. Positiv wertete der Kanzler auch, dass es anders als beim letzten Treffen der G8-Staats- und Regierungschefs keine größeren Auseinandersetzungen mit Globalisierungsgegnern gegeben habe. Die weltwirtschaftliche Entwicklung werde von allen Gipfelländern optimistisch gesehen.

Vor dem Abschluss des Gipfels der sieben führenden Industrieländer und Russlands wollten die Teilnehmerländer einen Aktionsplan für Afrika beschließen, mit dem afrikanische Länder bei Eigeninitiative zur Besserung ihrer Lage stärker gefördert werden sollen. Zudem sollen mindestens 50 % zugesagter zusätzlicher G8-Mittel für entwicklungspolitische Zusammenarbeit - es geht um Zusatzmittel von im Jahre 2006 insgesamt zwölf Mrd. Dollar jährlich - in Länder Afrikas fließen sollen, die solche Eigeninitiativen ergreifen und eine "gute Regierungsführung" vorweisen können.

Den Beschluss der G-8, Russland 2006 zum Vollmitglied ihrer Achtergruppe zu machen, nannte Schröder ein sehr wichtiges Thema für Russland, wie für Deutschland und das restliche Europa. Russland soll dem Beschluss zufolge erstmals im Jahr 2006, in dem ursprünglich Deutschland Gastgeber werden sollte, einen Weltwirtschaftsgipfel ausrichten. Mit der Vollmitgliedschaft wird Russland künftig in G-8-Untergremien vertreten sein, wie der bisherigen G-7-Finanzministerkonferenz.

Bundeskanzler Schröder wie die anderen Gipfelteilnehmer rechnen fest mit einem Wirtschaftsaufschwung in der Welt. "Alle Fundamentaldaten zum Beispiel in Deutschland aber auch in Europa weisen in Richtung Aufschwung", sagte Schröder. "Mein Eindruck ist, dass wir auf einem sehr guten Weg sind in Europa, in Deutschland zu Mal", ergänzte er. Ganz besonders aus den USA, aber auch aus Japan, kämen günstige Signale. Die weltweite Besserung sei gerade für die exportabhängige deutsche Wirtschaft außerordentlich wichtig. Wie aus US-Kreisen verlautete, beschloss der Gipfel zudem, 20 Mrd. Dollar (rund 20,3 Mrd. ?) aufzuwenden, um in Russland und anderen Staaten auf dem Gebiet der einstigen Sowjetunion gefährliches Nuklearmaterial, aber auch andere Risikostoffe, zu beseitigen oder sicher zu lagern. Die Hälfte des Geldes werde von den USA bereitgestellt, hieß es weiter.

Schröder würdigte, dass afrikanische Länder im Rahmen eines Aktionsplans, sofern sie sich durch "gute Regierungsführung" auszeichnen und eigene Initiativen zur Besserung ihrer Lage ergreifen, stärker von den G8-Ländern gefördert werden sollen. Bereits beschlossen worden sei, für die Entschuldungsinitiative zu Gunsten der ärmsten Länder (HIPC) zusätzlich eine Milliarde Dollar aufzuwenden. Zur Verhinderung von Attentaten auf den internationalen Verkehr vereinbarten die G8 zudem eine Reihe von Sicherheitsmaßnahmen für den Flug- und Schiffsverkehr.

Die G-8-Teilnehmer diskutierten auch über die Situation im Nahen Osten und in Afghanistan. Schröder sprach davon, dass "kaum" Kritik an der jüngsten Nahost-Rede von US-Präsident Bush geäußert worden sei. Palästinenser-Präsident Jassir Arafat bleibe Ansprechpartner der Europäer, so lange er Präsident sei. Wichtiger als Personen sei aber die Demokratisierung der palästinensischen Strukturen. Ergänzend hieß es aus Kreisen anderer G8-Länder, kritisch bewertet worden sei Bushs Forderung nach Abwahl von Arafat. Bedauert hätten einzelne Teilnehmer, dass Bush nicht von einer internationalen Konferenz zur Lösung des Nahost-Konflikts gesprochen habe, was eine solche Konferenz auf absehbarer Zeit unwahrscheinlich mache.

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