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Kanzler Schröder erstmals am Grab seines Vaters

Zum Auftakt seines Rumänien-Besuches hat Bundeskanzler Gerhard Schröder am Donnerstag erstmals das Grab seines Vaters in Siebenbürgen besucht. Er traf am Vormittag in der Ortschaft Ceanu Mare im Kreis Klausenburg ein.

dpa CEANU MARE/BUKAREST. Zum Auftakt seines Rumänien-Besuches hat Bundeskanzler Gerhard Schröder am Donnerstag erstmals das Grab seines Vaters in Siebenbürgen besucht. Er traf am Vormittag in der Ortschaft Ceanu Mare im Kreis Klausenburg ein.

Abgeschirmt von der Öffentlichkeit ging er zum Friedhof, wo sein vor 60 Jahren im Zweiten Weltkrieg gefallener Vater in einem Soldatengrab bestattet ist. Schröder legte dort ein Blumengebinde nieder und verweilte mehrere Minuten an der Begräbnisstätte. Er zeigte sich später sehr bewegt und sagte, er werde sofort seiner in Ost-Westfalen lebende Mutter über den Besuch berichten.

Bei einem Abstecher im Rathaus übergab Schröder mitgebrachte Geschenke, darunter ein Netz mit Fußbällen, zwei Tischtennisplatten und Computer. Bei seinem knapp einstündigen Aufenthalt in der Ortschaft wurde Schröder überall freundlich begrüßt. Ein Mann übergab dem Kanzler einen Brief mit einem Bittgesuch, den dieser freundlich entgegennahm.

Schröder hatte darum gebeten, in Stille und ungestört am Grab seines Vater verweilen zu können. Die rumänischen Behörden hatten den Friedhof und die Kirche deshalb weiträumig abgesperrt.

Der Wehrmachtsgefreite Fritz Schröder war am 4. Oktober 1944 im Alter von 32 Jahren bei einem Gefecht mit der sowjetischen Armee in den Sieberbürger Bergen gefallen. Erst seit drei Jahren weiß Schröder (60), der seinen Vater nie kennen gelernt hat, wo das Grab liegt.

Von Ceanu Mare flog Schröder nach Bukarest zurück, wo am Nachmittag die offiziellen Gespräche begannen. Rumänien wird nach Überzeugung des Kanzlers vom Jahr 2007 an als Vollmitglied zur EU gehören. Er rechne fest damit, dass das südosteuropäische Land noch in diesem Jahr alle dafür notwendigen Bedingungen erfüllt, sagte er bei seinen Gesprächen in Bukarest.

Der Europäische Rat könne dann im November den Abschluss der Beitrittsverhandlungen feststellen. Voraussetzung für den gültigen EU-Beitritt sei allerdings, dass das Land mit seinen 21 Mill. Einwohnern seine eindrucksvolle Reformdynamik beibehalte. Für Schröder ist Rumänien schon jetzt eine "funktionierende Marktwirtschaft".

Die EU hatte Bukarest diese Anerkennung bislang verweigert. Anders als Bulgarien hat das Nachbarland Rumänien auch noch nicht alle EU- Aufnahmebedingungen erfüllt. Zu den noch fehlenden sieben der insgesamt 31 Kapiteln gehört auch der Justizbereich wegen der verbreiteten Korruption.

Nach einem Treffen mit Ministerpräsident Adrian Nastase nannte Schröder den mit maßgeblicher Hilfe einer deutschen Tiefbaufirma errichteten Bau eines Schifffahrtskanals auf der ukrainischen Seite des Donaudeltas "unverantwortlich". Das Projekt dürfe erst fortgesetzt werden, wenn eindeutig feststehe, dass der größte Naturpark Europas nicht gefährdet werde, sagte er warnend an die Adresse Kiews. Bukarest und Umweltschützer befürchten, dass die Grabungen im Grenzgebiet zu Rumänien für zahlreiche seltene Vogelarten das Todesurteil bedeuten. Die Führung in Bukarest fordert einen sofortigen Baustopp.

Schröder, der auch mit Staatspräsident Ion Iliescu zusammen kam, sprach auch über einen engeren Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen. Auf dem Programm stand die Unterzeichnung von Wirtschaftsabkommen mit deutschen Unternehmen im Gesamtwert von einer Milliarde Euro. Größter Auftrag ist die Errichtung eines elektronischen Grenzsicherungssystems für die künftige EU-Außengrenze in Rumänien im Wert von 650 Mill. ? durch den Luft- und Raumfahrtkonzern EADS.

An diesem Freitag fliegt der Kanzler in die bulgarische Hauptstadt Sofia.

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