Kanzler Schröder verbreitet Optimismus
Das langsame Comeback des Euros

Politik und Volkswirte sind sich sicher: Kleinere Wachstumsunterschiede und größere Zinsunterschiede zwischen den USA und Euro-Land werden den Wechselkurs des Euros im neuen Jahr stärken.

HB/pw DÜSSELDORF. Zwei Jahre nach seinem Start und nach einer rasanten Talfahrt an den Weltdevisenmärkten steht der Euro im Jahr 2001 vor dem Comeback. Politik, Unternehmen und Wirtschaftsforscher rechnen mit einer Erholung des Wechselkurses zum Dollar. Bankvolkswirte erwarten gegen Jahresende im Schnitt einen Wechselkurs des Euros von 1,01 $. Die Spannbreite der Prognosen ist aber groß: Sie reicht von 0,85 US-Cent bis 1,22 $.

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) schreibt in einem Beitrag für das heutige Handelsblatt, die Perspektiven für den Euro seien "nach Überwindung der Turbulenzen des abgelaufenen Jahres günstig". Schröder verweist zur Begründung auf das abnehmende Wachstumsgefälle zwischen den USA und Europa. Das werde mehr Kapital in den Euro-Raum locken und so den Wechselkurs stärken.

Forschungsinstitute erwarten, dass sich das Wachstum der US-Wirtschaft im neuen Jahr spürbar abschwächen wird. Die OECD prognostiziert den USA ein Wachstum von 3,6 %, nach gut 5 % im alten Jahr. Für Euro-Land erwartet die Organisation nur eine geringere Abschwächung von 3,5 % auf 3,1 %. Damit würde die Euro-Wirtschaft im Vergleich zu den USA aufholen. Andere Institute rechnen gar mit einem Gleichstand der Wachstumsraten im neuen Jahr.

Aktuell weisen Wirtschaftsindikatoren auf eine deutliche Abkühlung in den USA hin. Der vom Unternehmerverband Conference Board berechnete Index für das Verbrauchervertrauen fiel im Dezember auf 128,3 Punkte. Seit September ist der Indikator damit um 14 Punkte zurückgegangen. Lynn Franco vom Conference Board wertete den anhaltenden Verfall des Verbrauchervertrauens als beunruhigend.

US-Finanzminister Larry Summers bemühte sich derweil, aufkommenden Konjunkturpessimismus einzudämmen. Summers sagte in einem Interview, die US-Wirtschaft werde 2001 wachsen, "wenn auch etwas langsamer". Er verwies darauf, dass die moderateren Wachstumsraten "noch vor fünf Jahren als gute Ziffern bezeichnet worden wären".

Bundeswirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) wertete die konjunkturelle Abschwächung in den USA im Handelsblatt-Interview als eine positive Entwicklung. Die gesamtwirtschaftlichen Ungleichgewichte in den USA würden sich 2001 langsam abbauen, sagte Müller. Damit sänken auch die Risiken einer harten Landung der Weltwirtschaft. Für Euro-Land rechnet der Wirtschaftsminister mit einem Wachstum von gut 3 % im kommenden Jahr. Deutschland würde nach der Prognose - wie schon in den vergangenen Jahren - mit 2,7 % unter dem Euro-Schnitt bleiben.

Optimistische Führungskräfte in der Wirtschaft

Die politische Zuversicht spiegelt sich in der Stimmung der Unternehmen wider: Überwiegend optimistisch blicken die Führungskräfte der deutschen Wirtschaft dem Jahr 2001 entgegen, ergab eine Handelsblatt-Umfrage. Knapp ein Viertel der Top-Manager meint, das neue Jahr werde erfolgreicher als das alte. Gut die Hälfte der Befragten erwartet, 2001 werde mindestens genauso erfolgreich wie 2000 werden.

Sorgen, dass eine Aufwertung des Euros den hiesigen Wirtschaftsaufschwung stark dämpfen könnte, sind nach Ansicht des scheidenden Präsidenten des Bundesverbandes der deutschen Industrie, Hans-Olaf Henkel, unbegründet. Henkel sagte dem Handelsblatt, er erwarte keine "gravierenden Einbrüche" im Export. Nach der "Dauertalfahrt" des Euros hätten die Firmen "noch etwas Luft in der Kalkulation".

Die unterschiedlichen Wachstumsraten in den USA und in Euro-Land schlagen sich nach Meinung von Volkswirten im kommenden Jahr auch in der Geldpolitik nieder - ein weiterer Pluspunkt für den Euro. Carsten-Patrick Meier vom Kieler Institut für Weltwirtschaft rechnet damit, dass die US-Notenbank schon im ersten Quartal die Leitzinsen um einen Viertelprozentpunkt senken wird. Für Euro-Land hält Meier hingegen sogar noch eine Anhebung um einen Viertelpunkt für möglich. Die Europäische Zentralbank (EZB) könne damit auf anstehene Lohnrunden in Spanien und Italien reagieren, sagte Meier.

Beitritt Griechenlands könnte Euro stärken

EZB-Präsident Wim Duisenberg dämpfte solche Erwartungen ein wenig: "Die Risiken für die Preisstabilität sind derzeit nicht sehr konkret", sagte Duisenberg der "Börsenzeitung". Die Bedrohungen für die Preisstabilität durch Ölpreis und Euro-Schwäche nähmen ab. Andererseits entwickelten sich in Teilen der Euro-Zone "Anspannungen am Arbeitsmarkt".

Auf die kurze Sicht könnte auch der Beitritt Griechenlands zur Währungsunion den Euro-Wechselkurs stärken. Die Volkswirte der DGZ-Deka-Bank haben berechnet, dass das Wachstum der Geldmenge M3 im Euro-Raum mit Griechenland um rund 0,3 Prozentpunkte höher als zuvor ausfallen dürfte. Der Grund ist die überdurchschnittlich hohe Kredit- und Geldnachfrage in Griechenland. Damit wird es unwahrscheinlicher, dass die EZB ihre Leitzinsen rasch senkt, meinen die Bankökonomen.

Für Griechenland selbst aber könnte der Beitritt in den Euro-Raum zum Problem werden: In Vorbereitung auf das einheitliche Zinsniveau musste die griechische Zentralbank die Leitzinsen binnen Jahresfrist von 10,75 % auf 4,75 % senken. Griechenland wird sich ab Januar damit in die Gruppe der zur konjunkturellen Überhitzung neigenden Euro-Staaten einreihen.

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