Kanzler will kurzfristig entscheiden
Steiner-Nachfolger soll aus Auswärtigem Dienst kommen

Die Bundesregierung will nach dem Rücktritt Michael Steiners den Posten des außen- und sicherheitspolitischen Kanzlerberaters schnell wieder besetzen. "Ich denke, dass das schon kurzfristig entschieden wird", sagte Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye am Mittwoch in Berlin. Der Nachfolger Steiners, der nach Kritik wegen seiner Beleidigungen von Bundeswehr-Soldaten am Dienstag zurückgetreten war, werde voraussichtlich ein Diplomat aus dem Auswärtigen Dienst sein.

Reuters BERLIN. Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung ist für den Posten der deutsche US-Botschafter Wolfgang Ischinger im Gespräch. Auch der Politische Direktor im Auswärtigen Amt, Klaus Scharioth, habe Chancen auf das Amt, hieß es unter Berufung auf SPD-Kreise.

Heye nannte keine Namen von möglichen Nachfolgern Steiners. Der 51-jährige Diplomat hatte nach Kritik wegen Beschimpfungen von Bundeswehr-Soldaten ein Rücktrittsgesuch bei Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) eingereicht. In der Regierung hatte es dagegen geheißen, Steiner sei vom Kanzler de facto entlassen worden. Verschiedene Medien hatten in den vergangenen Tagen übereinstimmend berichtet, Steiner sei wegen Verzögerungen auf der Rückreise von einem Asienaufenthalt Anfang November verärgert gewesen und habe bei einem Zwischenstopp auf dem Moskauer Flughafen an Bord eines Luftwaffenjets verlangt, dass ihm Kaviar serviert wird. Ein Oberfeldwebel habe ihm den Wunsch abgeschlagen, woraufhin Steiner die Soldaten beleidigt habe. Bereits im Sommer war Steiner in die Schlagzeilen geraten, nachdem Äußerungen von ihm über ein Treffen mit Libyens Staatschef Muammar Gaddafi bekannt geworden waren.

Regierungssprecher Heye sagte, Steiner werde in Zukunft wieder dem Auswärtigen Amt zur Verfügung stehen. Steiner hatte vor 20 Jahren seine Karriere als Diplomat begonnen und wurde 1998 von Schröder als außenpolitischer Berater ins Kanzleramt berufen. Zwischen Steiner und Außenminister Joschka Fischer (Grüne) war es mehrmals zu Reibereien gekommen. Heye sagte, über die Dienstaufsichtsbeschwerde der Bundeswehrsoldaten gegen Steiner würden Beamte des Außenamts entscheiden. "Wir gehen davon aus, dass Herr Steiner in unseren Geschäftsbereich zurückgeht", sagte die Sprecherin des Auswärtigen Amtes, Sabine Sparwasser.

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