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Kanzler will trotz Raketenangriff nach Kabul

Einen Tag vor der ersten freien Präsidentenwahl in Afghanistan ist eine Rakete unmittelbar neben der deutschen Botschaft in Kabul eingeschlagen. Bundeskanzler Gerhard Schröder betonte bei einem Aufenthalt in Hanoi, er werde trotz des Angriffs an seinem Kabul-Besuch am Montag festhalten.

dpa KABUL. Einen Tag vor der ersten freien Präsidentenwahl in Afghanistan ist eine Rakete unmittelbar neben der deutschen Botschaft in Kabul eingeschlagen. Bundeskanzler Gerhard Schröder betonte bei einem Aufenthalt in Hanoi, er werde trotz des Angriffs an seinem Kabul-Besuch am Montag festhalten.

"Das, denke ich, bin ich denen schuldig, die für uns da tätig sind, sowohl den Soldaten wie den zivilen Aufbauhelfern", sagte Schröder. Niemand sei bei der Explosion am Freitag verletzt oder getötet worden, sagte ein Sprecher der Internationalen Schutztruppe Isaf. Zwei weitere Raketen seien über das vor allem von deutschen Soldaten genutzte Camp Warehouse im Osten der afghanischen Hauptstadt geflogen. Sie seien in der Nähe eines anderen Isaf-Lagers eingeschlagen, ohne zu detonieren. Die radikalislamischen Taliban bekannten sich zu den Anschlägen und kündigten weitere Angriffe an.

In der ostafghanischen Stadt Dschalalabad wurden nach Angaben der US-Streitkräfte zwei Kinder verletzt, als vier Raketen nahe eines Wiederaufbauteams der US-Armee einschlugen. Auch in der zentralafghanischen Provinz Logar soll es zu Raketenangriffen gekommen sein. Ein Taliban-Sprecher sagte der in Pakistan ansässigen Nachrichtenagentur AIP: "Wir werden diese Angriffe während der Wahl mit allen Mitteln fortsetzen."

Afghanische Sicherheitskräfte vereitelten am Tag vor der Wahl mehrere Terroranschläge. In der ostafghanischen Stadt Dschalalabad habe die Polizei verhindert, dass sich zwei Selbstmordattentäter in die Luft sprengten, sagte ein Sprecher des afghanischen Verteidigungsministeriums. In der südafghanischen Provinz Kandahar seien drei Pakistaner festgenommen worden, die in einem mit einem Sprengsatz bestückten Tanklastwagen unterwegs gewesen seien.

Ein Isaf-Sprecher sagte, eine 122-Millimeter-Rakete sei gegen 01.20 Uhr (Ortszeit) rund 30 Meter neben dem Areal der deutschen Botschaft eingeschlagen. Sie traf den Parkplatz des Geländes, wo sich Medienvertreter für die Wahl akkreditieren können. In unmittelbarer Nähe des Einschlagortes liegt auch das Hauptquartier der US- Streitkräfte in Afghanistan. Im Umkreis von wenigen hundert Metern befinden sich zudem der Präsidentenpalast, das Isaf-Hauptquartier, die Mission der Vereinten Nationen in Afghanistan und die deutsche Amani-Oberschule, die während der Wahl als Medienzentrum dient.

Drei Jahre nach dem Sturz der Taliban stehen an diesem Samstag 18 Kandidaten für das Amt des Präsidenten zur Wahl, darunter eine Frau. Zwei der Bewerber riefen aber dazu auf, für den derzeitigen Übergangspräsidenten Hamid Karsai zu stimmen. Der besonders von den USA gestützte Karsai gilt als klarer Favorit. Der Leiter der afghanischen Wahlbehörde, Faruk Wardak, sagte am Freitag, man hoffe, am 30. Oktober einen Gewinner verkünden zu können.

10,5 Mill. Wahlausweise wurden vor der Wahl ausgegeben, allerdings sollen sich zahlreiche Afghanen mehrfach registriert haben. Die Wahl findet unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen statt. Die Taliban haben Kandidaten und Wähler mit dem Tode bedroht.

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