Kanzlerkandidat der Union in London
Stoiber und Blair zeigten Harmonie

Nach einem Vorstellungsbesuch in London hat Unions-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber (CSU) eine positive Bilanz seiner Gespräche mit britischen Politikern gezogen. Dem britischen Premierminister Tony Blair stellte sich der bayerische Ministerpräsident als dessen möglicher neuer Gesprächspartner nach den Bundestagswahlen vor.

dpa LONDON. "Ich bin nicht hochmütig, aber ich habe ihm gesagt, es sei gut möglich, dass er ab dem 22. September einen neuen Gesprächspartner haben wird. Und ich halte es für gut, wenn man sich vorher kennen lernt", sagte Stoiber nach dem Gespräch mit Blair.

Er habe mit Blair und mit Finanzminister Gordon Brown "sehr freundschaftliche Gespräche in sehr guter Atmosphäre geführt": "Ich fahre mit einem guten Eindruck wieder nach München." Blair, dessen Freundschaft zu Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) bekannt sei, habe betont, es liege im Interesse Großbritanniens, mit jeder deutschen Regierung gut zusammen zu arbeiten, sagte Stoiber. "Parteipolitische Neigungen ändern ja auch nichts daran, dass jede deutsche Regierung an einer guten Zusammenarbeit mit Downing Street 10 interessiert ist."

Blair hat Stoiber nach dessen Angaben versichert, die besonderen Beziehungen Londons zu Washington bedeuteten keineswegs, dass nicht auch Europa die transatlantischen Beziehungen ausbauen solle. Zuvor schon hatte Stoiber gesagt: "Natürlich hat Großbritannien eine besondere Beziehung zu den USA. Das ist zu achten, das ist eine Tatsache. Aber ich bin überzeugt, dass die Zukunft Großbritanniens in einer stärkeren europäischen Integration liegt."

Stoiber sagte Blair, "dass ich es begrüßen würde, wenn Großbritannien zur Vollendung des Binnenmarktes eine Jahrhundertentscheidung treffen und dem Euro beitreten würde." Blair habe gesagt, er werde diese weitgehende Entscheidung "in absehbarer Zeit angehen". Stoiber hatte beim eintägigen London-Besuch zunächst mit dem britischen Außenminister Jack Straw gesprochen. Er traf außer mit Blair und Brown auch mit Oppositionsführer Iain Duncan Smith zusammen.

Der Kanzlerkandidat sprach von "einem großen Konsens der britischen europäischen Position und der deutschen europäischen Position". Dieser bestehe darin, "dass wir wissen, dass Europa auf Dauer nur akzeptiert werden wird, wenn die Entscheidungen transparenter werden und wenn die Leute differenzieren können, wer welche Entscheidungen trifft". Er zeigte sich überzeugt, dass Großbritannien dem Euro beitreten wird.

Stoiber sagte, Deutschland habe ein schwaches Wachstum, große Haushaltsprobleme und Schwierigkeiten bei der Schaffung neuer Arbeitsplätze. Deswegen seien "große Reformschritte" nötig. "Wir müssen die sozialen Sicherungssysteme reformieren und unseren Arbeitsmarkt flexibler machen." Stoiber: "Es ist nicht nur für uns ein Problem, sondern auch für alle anderen Länder, wenn das Wachstum in der EU in diesem Jahr durchschnittlich 1,5 Prozent beträgt, in Deutschland aber nur 0,8 Prozent."

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