Kanzlerkandidat der Union stellt sich in den USA vor
Stoibers Pflichtlauf auf internationalem Parkett

Mit seinem ersten Besuch bei US-Präsident George W. Bush hat sich Kanzlerkandidat Edmund Stoiber am Freitag einem Schaulaufen vor großem Publikum unterzogen. Schon in New York sagte der Sprecher des Generalkonsuls, noch nie habe ein so großer Tross von Journalisten einen deutschen Politiker begleitet.

ap WASHINGTON. In Washington freute sich Botschafter Wolfgang Ischinger, wie viele neugierige Politiker, Diplomaten und Generäle der Auftritt des Kandidaten in seine Residenz lockte.

Stoiber las seine Rede vor den Mitgliedern des US European Forum auf Deutsch vom Blatt, wägte seine Worte in der anschließenden Fragerunde sorgsam und vermied jeden Ausrutscher auf dem ungewohnten Parkett. "Er war sehr vorsichtig", sagte ein US-Botschafter. "Sein Job war zu zeigen, dass er ein verantwortlicher Staatsmann ist."

Der CSU-Vorsitzende unterstützte die Forderung der Amerikaner, Europa müsse militärisch stärker werden und in der Nato mehr Lasten übernehmen. Er machte Jassir Arafat für das Scheitern des Nahost-Friedensprozesses verantwortlich. Und trotz einiger Spitzen gegen die Wirtschaftspolitik der rot-grünen Bundesregierung lobte Stoiber, "dass der Schröder-Putin-Gipfel in Weimar beachtliche Ergebnisse gezeitigt hat" - womit er ebenfalls ganz auf der Linie der Amerikaner lag.

Schon mit seinem Gang zu der immensen Brachfläche des zerstörten World Trade Centers hatte der bayerische Ministerpräsident gezeigt, dass er die dominierende Gefühlslage der Vereinigten Staaten versteht. Generalkonsul Edler von Planitz sagte, auch sieben Monate nach dem Terroranschlag vom 11. September zähle für die verwundeten Seelen der New Yorker jeder Besuch doppelt. Nach einem Besuch der nahen Börse äußerte sich Stoiber beeindruckt, mit welchem Zukunftsvertrauen die New Yorker den Schrecken zu bewältigen und den Neuanfang zu gestalten versuchten: "Ich gehe voller Ermutigung nach Washington."

Auf Schröders Spuren

Dass Bundeskanzler Gerhard Schröder als Kandidat vor genau vier Jahren ebenfalls nach Washington gekommen war, nahm der bayerische Ministerpräsident als gutes Omen. Die jüngsten Umfrageergebnisse aus Deutschland hoben die Stimmung des Kandidaten zusätzlich. Die Bundestagswahl sei offen, sagte er den Mitgliedern des US European Forum.

Das Gespräch mit Präsident Bush im Oval Office dauerte eine Stunde. Wegen einer technischen Panne bei den Sicherheitskontrollen gab es allerdings keine Fernsehbilder von der Begegnung Stoibers mit Bush, an der zeitweise auch Vizepräsident Dick Cheney teilnahm. Die Delegation Stoibers wertete das Treffen als Erfolg. Stoiber habe Bush persönlich kennen gelernt und den Wählern zuhause gezeigt, dass er sich auf internationalem Parkett zu bewegen weiß. "Dem Präsidenten ist bewusst, aus welcher Tradition der bayerische Ministerpräsident und Kanzlerkandidat der Union kommt", sagte Stoiber.

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