Kanzlerkandidat hofft auf erfolgreiche Kommunalwahl
Stoibers Stimmungstest im eigenen Land

Edmund Stoiber beweist Realitätssinn. "Das Ergebnis wird mir angelastet - egal ob positiv oder negativ", sagt der CSU-Vorsitzende und meint die bayerische Kommunalwahl am kommenden Sonntag (3. März).

MÜNCHEN. Allerdings hat der Kanzlerkandidat der Union durchaus Grund zur Hoffnung, dass er den ersten großen Stimmungstest vor der Bundestagswahl im September erfolgreich bestehen kann.

Denn an der CSU-Basis hat Stoibers Kür zum Schröder-Herausforderer einen Motivationsschub ausgelöst. Hörten sich die braven Parteisoldaten bis in den Januar hinein in Fußgängerzonen und Vereinslokalen genervt die K-Fragen der Bürger an, lässt sich inzwischen wieder mit der Bevölkerung über die Sachthemen vor Ort diskutieren. Da aber fühlt sich die in den Gemeinden tief verwurzelte CSU seit anno dazumal ihrem neuen Parteimotto verpflichtet: Näher am Menschen.

Von "50 Prozent plus x" ist schon lange nicht mehr die Rede

So fällt es auch nicht wirklich ins Gewicht, das Marathonmann Stoiber seiner neuen Aufgabe wegen einige geplante Auftritte absagen musste. 30 Einsätze presste der Bayern-Premier aus seinem prall gefüllten Terminkalender am Ende doch heraus. Erleichtert wird Stoiber der Wahlkampf an der Heimatfront dadurch, dass die Messlatte bei weitem nicht so hoch liegt wie bei anderen Urnengängen. Von "50 Prozent plus x", wie sie die CSU vor allem bei Landtagswahlen anpeilt, ist bei Kommunalwahlen schon lange nicht mehr die Rede.

Landesweit 43,7 Prozent ergatterten die Christsozialen beim letzten Mal 1996, kaum mehr als sechs Jahre zuvor. Dies liegt vor allem daran, dass es die Freien Wähler regelmäßig auf zweistellige Prozentzahlen bringen: Zuletzt räumte die häufig mit CSU-Parteigängern gespickte Konkurrenz aus dem bürgerlichen Lager annähernd 16 Prozent der Stimmen ab.

Stoiber gibt sich bescheiden

Vorsichtshalber hat Stoiber den Mund deshalb lieber nicht zu voll genommen. "Wir wollen unser Ergebnis vom letzten Mal halten", gab sich der ehrgeizige Landesfürst ungewohnt bescheiden, "ein halbes oder ein Prozent mehr wäre schön." Alles andere wäre eine Enttäuschung. Dann, sinnierte der Alpen-Regent vor Parteifreunden in seiner - von einem SPD-Oberbürgermeister regierten - Heimatgemeinde Wolfratshausen, "bin ich in den Schlagzeilen mit einer schweren Schlappe für den Kanzlerkandidaten der Union."

"Deutschland schaut auf Bayern"

Also hämmert Stoibers Vize Günther Beckstein der eigenen Anhängerschaft auf Kundgebungen immer wieder ein: "Deutschland schaut auf Bayern". Dies hat sich auch bis zu den Sozialdemokraten herumgesprochen, die es 1996 gerade einmal auf 25,7 Prozent brachten. Mehrmals hat deshalb auch der Bundeskanzler den Weißwurstäquator überquert, um den Genossen Schützenhilfe zu leisten. Zuletzt tritt Gerhard Schröder am Donnerstag in München auf, wohin zuvor schon Grünen-Außenminister Joschka Fischer, FDP-Chef Guido Westerwelle und sogar Altkanzler Helmut Kohl den Weg gefunden hatten.

Denn der Wahlausgang in der Bayern-Kapitale dürfte bundesweit besondere Beachtung finden. Dass der überaus populäre SPD-Oberbürgermeister Christian Ude (Spitzname: Bürger-King) im ersten Wahlgang wieder gewählt werden wird, steht nach menschlichem Ermessen außer Zweifel.

Spannend ist indes die Frage, ob die von Skandalen gebeutelte Landeshauptstadt-CSU nach zwölf Jahren die rot-grüne Rathausmehrheit brechen kann. Die Chancen stehen nicht schlecht. Umfragen verhießen der CSU, zu deren Wahlkampfmanagerin Stoiber kurzerhand seine Partei-Stellvertreterin, Strauß-Tochter Monika Hohlmeier bestimmte, etwa 41 Prozent. Käme es im roten München tatsächlich zu einer großen Koalition unter schwarzer Führung, könnte Stoiber dies als persönlichen Erfolg reklamieren.

Zur echten Testwahl lässt sich der Urnengang, zu dem bayernweit 8,9 Millionen Wahlberechtigte in 2056 Gemeinden aufgerufen sind, indes nicht hochstilisieren. "Das wäre wahnsinnig gewagt", heißt es in der CSU-Parteizentrale. Und Stoiber weiß auch: "Kommunalwahlen sind in erster Linie Persönlichkeitswahlen."

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