Kapazitäten anpassen
Führender Dosenproduzent erwägt Produktionsstilllegungen

Deutschlands führender Getränkedosen-Hersteller Ball schließt nach einem drastischen Absatzrückgang bei Einwegverpackungen infolge des Pflichtpfands Produktionsstilllegungen nicht mehr aus.

HB/dpa RATINGEN. "Man muss unter Umständen die Kapazitäten anpassen. Seit Anfang des Jahres haben wir uns mit dem Notnagel Kurzarbeit über die Runden geholfen", sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung von Ball Packaging Europe, Hanno C. Fiedler, am Mittwoch in einem dpa-Gespräch. Der Ratinger Verpackungshersteller, der bisher unter seinem Traditionsnamen Schmalbach-Lubeca auftrat, wolle bis zum Ende des dritten Quartals 2003 eine Entscheidung über Kapazitätsanpassungen treffen.

Das seit dem 1. Januar 2003 in Deutschland geltende Zwangspfand auf Dosen und andere Getränke-Einwegverpackungen habe zu einem drastischen Absatzrückgang geführt. Infolge dessen sei die Auslastung der deutschen Ball-Getränkedosenwerke auf derzeit 35 bis 45 Prozent eingebrochen. "Viele Handelsunternehmen wollen das Pfandchaos umgehen, in dem sie gar kein Einweg mehr listen", erklärte Fiedler. Gegenwärtig wechselten sich die vier Werke in Haßloch, Weißenthurm (beide Rheinland-Pfalz), Braunschweig (Niedersachsen) und Hermsdorf (Sachsen-Anhalt) im Mehr-Wochen-Rhythmus ab. Während ein Werk Dosen produziere, stehe ein anderes still, schilderte er.

Ob letztlich ein komplettes Dosen-Werk geschlossen werden müsse, sei noch nicht absehbar. Sollte sich die Situation nicht verbessern, ginge es zunächst um ein Abschalten von einer oder zwei der insgesamt sechs Dosen-Produktionslinien von Ball in Deutschland. "Ich hoffe zwar, dass wir zusätzliche Aufträge aus dem Ausland hereinholen können, doch auch die können den Absatzeinbruch bei weitem nicht ausgleichen", betonte Fiedler. Rund 1000 Mitarbeiter in Deutschland arbeiteten schon seit Monaten kurz.

In der deutschen Verpackungs- und Getränkeindustrie sind nach Fiedlers Schätzung bis zu 10 000 Arbeitsplätze durch das Zwangspfand gefährdet. Bei Getränkedosen sei das Marktvolumen im ersten Halbjahr 2003 um mehr als 50 Prozent gesunken. Pro Jahr wurden bisher rund 7 Milliarden Dosen in Deutschland produziert. Jede zweite stammte von Schmalbach-Lubeca. Im europäischen Ausland stellen die Ratinger rund 10 Milliarden Dosen im Jahr her.

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