Kapazitätsauslastung in der US-Industrie erneut gestiegen
Volkswirte: US-Daten sind besser als sie scheinen

Die Börsianer reagierten geschockt, die Volkswirte gaben sich gelassen - bereits den zweiten Tag in Folge haben US-Konjunktur-Daten über den privaten Konsum am Freitag die Beobachter entzweit.

ost DÜSSELDORF. Nach den schwachen Einzelhandelsumsätzen waren es die neuen Zahlen zum Verbrauchervertrauen: Der viel beachtete Stimmungsindex der Universität Michigan fiel im Juni um 6,1 Punkte auf 90,8 Zähler - der stärkste Einbruch seit dem drastischen Minus nach dem 11. September.

"Katastrophal", kommentierten Händler an der Frankfurter Börse gegenüber der Nachrichtenagentur VWD. "Nur eine vorübergehende Stimmungseintrübung", beschwichtigen dagegen die Volkswirte der Commerzbank. Und ihre Kollegen von HSBC kommentieren gar ein wenig besserwisserisch: "Nach den vielen Terror-Warnungen der letzten Tage und dem neuen Kurseinbruch an den Börsen war es erstaunlich, dass sich die Anleger nicht auf schlechtere Ergebnisse beim Verbrauchervertrauen eingestellt hatten."

Die zahlreichen Terror-Meldungen hätten die Amerikaner verunsichert und ihnen Angst vor neuen Attentaten eingejagt - so lautet die gängige Erklärung für die schlechte Stimmung der Verbraucher. Die Börsenschwäche allein taugt kaum als Argument - hat doch die Baisse bereits vor über zwei Jahren begonnen.

Auch sonst gibt es kaum handfestere Argumente für die miese Laune, im Gegenteil: Die Lage am Arbeitsmarkt ist überraschend entspannt, in der vergangenen Woche fiel die Quote unerwartet von 6,0 % auf 5,8 %. Und wer Arbeit hat, der hat auch mehr Geld in der Tasche - die Stundenlöhne waren im ersten Quartal 2002 2,6 % höher als ein Jahr zuvor.

Auf die schlechten Stimmungsdaten reagieren die Anleger aber dennoch überaus sensibel. Denn der private Verbrauch war in den vergangenen Quartalen die wichtigste Stütze der US-Konjunktur. Mit einer regelrechten Konsumwut haben die Amerikaner ihre Wirtschaft vor einem weit schlimmeren Abschwung bewahrt.

Nicht nur die US-Konsumenten, sondern auch die Industrie-Unternehmen enttäuschten am Freitag die Volkswirte - die Produktion im Mai wuchs deutlich langsamer, als die Ökonomen erwartet hatten. Der Industrie-Output war gerade einmal 0,2 % höher als im April. Volkswirte hatten ein doppelt so großes Plus erwartet. Im April fiel das Produktionsplus mit 0,3 % etwas geringer aus als zunächst gemeldet.

"Die Industrie erholt sich - langsam, aber sicher", kommentieren die Volkswirte von HSCB. Hoffnung macht ihnen vor allem, dass der Lagerabbau in den Unternehmen im April weiter ging. Die Vorräte waren zum 15. Mal in Folge geringer als im Vormonat, diesmal lag das Minus bei 0,2 %. "Das Verhältnis zwischen dem Lagerbestand und den Verkäufen ist so niedrig wie nie", schreibt HSBC. Das sollte die Produktion in den kommenden Monaten beflügeln: Wenn die Lager leer sind, müssen die Firmen ihre Produktion hoch fahren, um die Nachfrage zu bedienen und die Vorratsbestände wieder aufzufüllen.

Positiv kommentieren Volkswirte zudem die Daten zu Kapazitätsauslastung. Im Mai stieg sie den fünften Monat in Folge und liegt nun bei 75,5 % - immerhin 1,1 Punkte höher als noch im Dezember. "Besonders erfreulich ist die anhaltende Erholung dieser Quote", sagt Rudolf Besch von der DGZ Bank. -Deka Dies spreche dafür, dass die Unternehmen ab dem dritten Quartal ihre Investitionen wieder hoch fahren - und damit den Weg freimachen für einen wirklich dauerhaften Aufschwung.

Quelle: Handelsblatt

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