Kapitalanlagegesellschaften machen die Administration zum Hauptgeschäftsfeld – Neugründung von BHW Invest
Die Fondsfirma der Zukunft bietet Rundumservice

In der Investmentbranche wird künftig nicht mehr jeder alles machen. Bereits heute ist absehbar: Manche Fondsgesellschaften konzentrieren sich auf das Asset-Management, andere spezialisieren sich auf Verwaltungsdienstleistungen. Auch die institutionellen Anleger profitieren von dieser Entwicklung.

FRANKFURT/M. Die "Master-KAG": Kaum ein Schlagwort bewegt die deutsche Investmentbranche derzeit so stark wie dieser Kunstbegriff. Hinter der Kurzform verbirgt sich ein Zukunftsmodell der deutschen Kapitalanlagegesellschaften (KAG), das auch mit Service-KAG umschrieben werden kann. Diese Fondsfirmen erbringen Verwaltungs-Dienstleistungen, konzentrieren sich insbesondere auf Fondsbuchhaltung und das Berichtswesen - und verzichten ganz oder größtenteils auf eigenes Asset Management.

Universal Investment sieht sich hier als Marktführer und treibt seine Pläne weiter voran. "Wir sind in engen Gesprächen mit sieben deutschen Investmentgesellschaften zur Übernahme von Administrations-Dienstleistungen aus deren Fondsgeschäft", sagt Universal-Geschäftsführer Bernd Wagner. Mit BHW Invest ging allerdings die erste KAG, die voll auf dieses Geschäftsmodell ausgerichtet ist, vor wenigen Tagen an den Start. Spezialfondsanlegern soll der "Service aus einer Hand" angeboten werden. Nach Meinung der Georg Seil Consulting GSC, Wiesbaden, erfüllen bisher nur wenige Firmen die Anforderungen an eine Master-KAG, darunter Activest, Metzler Invest, Deutsche Asset Management und Helaba Invest.

Die Investmentgesellschaften lockt die Kostenersparnis, die sie sich durch die Auslagerung der Administrationssparte an eine Service-KAG erhoffen. Zudem wünschen Spezialfondsanleger einen einheitlichen Berichtsstandard. Der ist zurzeit nicht gegeben, da in der Regel die Dienste verschiedener Asset-Manager genutzt werden.

Viele deutsche Consultingfirmen arbeiten derzeit an Projekten zur Service-KAG. Die Unternehmerberatung Droege & Comp. erstellt in Kooperation mit dem Fondsverband BVI eine vergleichende Studie über die Abwicklungsleistungen der hiesigen Investmentgesellschaften. "Wir sind am Monatsbeginn gestartet. Über ein Dutzend der großen Investmentgesellschaften nehmen jetzt schon teil", sagt Droege-Principal Jan Christiansen.

"In zehn Jahren werden vielleicht zehn Gesellschaften in diesem Geschäft aktiv sein", schätzt GSC-Vorstandsvorsitzender Georg Seil. Das betriebswirtschaftliche notwendige Volumen liege bei 50 Mrd. an betreutem Vermögen. "Im Moment schreiben sich das viele auf die Fahnen, aber langfristig werden sich vielleicht zehn Namen etablieren", glaubt Christian Schlenger, Geschäftsführer von Alpha Portfolio Advisors, Bad Soden. Seiner Meinung nach dürften einige Namen wieder vom Markt verschwinden.

Wagner von Universal glaubt ebenfalls an eine Auslese: "Eine derartige Spezialisierung des Geschäftsfeldes macht massive Investitionen in Informationstechnologie nötig, die nicht jeder leisten kann." Hans-Jürgen Dannheisig erwartet einen noch härteren Konkurrenzkampf im neuen Geschäftsfeld. "Es ist kaum wahrscheinlich, dass in fünf Jahren mehr als fünf bis sechs Adressen in diesem Markt agieren", sagt der Geschäftsführer von BHW Invest, einem Joint Venture der BHW-Gruppe, der BGAG und der BHF-Bank.

Die von mehreren Privatbanken getragene Universal hat im Gegensatz zu BHW Invest eine Tradition als Administrationsplattform für Spezialfonds. Beide Häuser berichten über extremes Interesse an ihren Angeboten. BHW Invest meldet sechs institutionelle Anleger. Universal betreut knapp 28 Mrd. in Spezialfonds. Für etwas mehr als die Hälfte dieser Gelder hat die Gesellschaft Service-Dienstleistungen im Rahmen eines Multi-Berater-Konzeptes übernommen. Das Multi-Berater-Konzept ist eng mit dem Gedanken der Service-KAG verwoben: die Teilanlagesegmente eines Spezialfonds werden von unterschiedlichen Investmentgesellschaften mit Beraterfunktion betreut. Die Koordination und das Controlling liegen bei der Service-KAG.

Treibende Kräfte des Trends zur Master-KAG sind der zunehmende Wettbewerb unter den Fondsgesellschaften, der zu Kosten senkenden Spezialisierungen animiert. Dazu kommt die Liberalisierung im regulatorischen Umfeld. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) erleichtert die Umorientierung mit der seit Ende vergangenen Jahres erlaubten Auslagerung von Fondsbuchhaltung und-management aus einer Kapitalanlagegesellschaft an eine andere KAG.

Außerdem üben institutionelle Kunden und Consultants Druck aus. Sie verlangen mehr Transparenz bei den Dienstleistungen. Ein einfaches Beispiel für die unübersichtliche Situation in der Gegenwart: Ein institutioneller Anleger hat zehn verschiedene Spezialfonds bei ebenso vielen Kapitalanlagegesellschaften angesiedelt. Berichtet jeder Fonds monatlich, muss sich der Anleger im Jahr durch 120 Reports quälen. Diese Berichte sind allein schon auf Grund unterschiedlicher optischer Gestaltung kaum vergleichbar. Auch inhaltlich können die Performancedaten und andere Erfolgskennziffern auf Grund unterschiedlicher Berechnungsarten nicht gegenübergestellt werden.

Es gibt noch weitere Vorteile für den institutionellen Spezialfondsanleger. Dazu zählt die leichte Austauschbarkeit von Beratern, während beim Wechsel eines Spezialfondsmanagers Kündigungsfristen eingehalten werden müssen. Außerdem kann die Schließung eines Spezialfonds negative bilanzielle und steuerliche Konsequenzen haben. "Darüber hinaus könnten für den Anleger am Ende auch Gebührenvorteile herausspringen", schätzt Seil von GSC.

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