Kapitalanleger sollten genau auf die Qualität der Fondsangebote achten, um keinen Totalverlust zu erleiden
Bei vielen Medienfonds wird es kein Happy End geben

Geschlossene Medienfonds, die ihr Geld in internationale Filmproduktionen investieren, haben derzeit Konjunktur: So sammelten deutsche Kapitalanlagegesellschaften in diesem Jahr bereits mehr als sieben Mrd. DM Eigenkapital von Anlegern ein. Dies sind 70 % mehr als noch ein Jahr zuvor.

lip HAMBURG. Doch der derzeitige Boom bei den geschlossenen Medienfonds hat auch seine Schattenseiten: Denn den Kapitalanlegern sollte bewusst sein, dass es sich bei den geschlossenen Medienfonds um Produkte des "grauen Kapitalmarkts" handelt. Sie unterliegen anders als bei den Investmentsfonds keiner staatlichen Aufsicht.

Und nicht jeder Fonds wird überleben. So erwartet Frank Moysich, Bankdirektor der Hanseatischen i-Bank AG, dass von den knapp 30 in diesem Jahr aufgelegten Medienfonds neun bis zwölf Fonds pleite gehen werden. "Angesichts der Fülle der Projekte kommt es darauf an, ob der Film beim Publikum ankommt, in den die Fondsgesellschaft investiert hat", erklärt Moysich. Die Fondsinitiatoren zielen deshalb vor allem auf Hollywood-Produktionen, die eine bestimmte Zuschauerauslastung quasi garantieren.

Bei den Medienfonds muss man allerdings zwischen "Produzentenfonds" und "leasingähnlichen Fonds" unterscheiden: Beim ersten Typ verwertet der Fonds die Filmrechte auf eigene Rechnung. Dem Anleger locken hier zwar höhere Renditen, aber auch höhere Risiken, wenn der Film floppt. Bei den "leasingähnlichen Fonds" tritt der Initiator die Rechte an dem Film gegen ein festgelegtes Entgelt langfristig an einen Partner ab. Fällt der Partner nicht aus, sind die Rückflüsse garantiert.

Doch der Kapitalanleger sollte auf mehrere Merkmale achten, wenn sein meist sieben bis zwanzigjähriges Fondsengagement in einem Happy End münden soll. Nach Angaben von Rolf Engelhardt, Vorstandsmitglied der Düsseldorfer Mediastream AG, sind vor allem die weichen Kosten für die Qualität eines Medienfonds eine entscheidende Größe. Dazu gehören die Vertriebskosten der Fonds beispielsweise über Banken oder andere Finanzdienstleister. Sie sollten nicht die Größenordung von 25 bis 30 Prozent erreichen. Engelhardt nennt als Zielmarke 14 bis 15 Prozent.

Damit die Anleger mit ihrer Finanzbeteiligung keinen Filmriss erleiden, sind vor allem Fonds vorzuziehen, deren Management bereits über langjährige Erfahrungen auf diesem Sektor verfügt. Denn die Verwertung der Filmrechte ist entscheidend, um die im Prospekt anvisierte Rendite zu erzielen. Dies schließt sowohl den weltweiten Videovertrieb sowie den Verkauf der Ausstrahlungsrechte an Fernseh-Sender ein.

Trotz aller Vorsicht müssen die Anleger nach Ansicht von Moysich "im schlimmsten Fall" mit einem Totalverlust ihres eingesetzten Kapitals rechnen. So kann sich der Fonds beispielsweise nicht gegen außergewöhnliche Risiken versichern, die von der Fertigstellungsgarantie (Completion-Bond) ausgenommen sind. Dazu zählen höhere Gewalt, Krisen, Aufstände oder radioaktive Verseuchung der Filmkulisse. So hätten beispielsweise Fondsanleger vermutlich einen Totalverlust ihres Engagements erlitten, wenn sie in einen Action-Film investiert hätten, in dessen Mittelpunkt das New Yorker World Trade Center gestanden hätte.

In der Fülle der aufgelegten Fonds haben es Anleger zudem schwer, keinem Betrüger in die Hände zu fallen, der nur auf eine schnelle Mark schielt. Anleger sollten es deshalb vermeiden, auf neugegründete Fondsgesellschaften mit hohen Renditeversprechungen zu setzen, hinter denen nicht größere Banken, namhafte Finanzdienstleister oder Versicherungen stehen.

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