Kapitalerhöhung
Erste Bank holt sich frische Mittel

Der Höchstpreis für die im Rahmen der Kapitalerhöhung der Erste Bank der österreichischen Sparkassen AG begebenen jungen Aktien werde bei 90 Euro liegen. Es sei bei Kapitalerhöhungen üblich, den bisherigen gehandelten Höchstpreis einer Aktie (88,45 Euro intraday am 2. Mai 2002) auch als Höchstpreis festzusetzen, sagte Erste Bank-Vorstand Franz Hochstrasser.

Reuters WIEN. Der tatsächliche Preis werde im Rahmen der Bookbuildingphase zwischen 25. Juni und 10. Juli 2002 ermittelt. Der endgültige Preise werde am 11. Juli 2002 fixiert. Erste Bank notierten heute gegen 1125 MESZ bei 72,20 (72,49) Euro. Damit haben die Aktien seit Jahresbeginn 20,9 Prozent an Wert gewonnen, während der ATX seitdem 8,4 Prozent zugelegt hat.

Die Erste Bank-Mutter Anteilsverwaltungssparkasse (AVS) werde bei der Kapitalerhöhung nur bis zu 25 Prozent ihrer Bezugsrechte nutzen, sagte Erste Bank-Generaldirektor Andreas Treichl. Das werde deren Anteil an der Erste Bank auf unter 40 Prozent (derzeit 40,8) Prozent drücken, so Treichl. Die AVS könnte noch zusätzlich 800 000 Stück aus ihrem Besitz im Rahmen einer Mehrzuteilungsoption (green shoe) verkaufen.

Insgesamt gehe es darum, den Streubesitz der Erste Bank zu erhöhen, um mehr Liquidität zu schaffen. Der Streubesitz von 52,6 Prozent umfasst auch Beteiligungen unter fünf Prozent, also jene der strategischen Aktionäre Swedbank (4,0 Prozent), Artesia (2,1 Prozent) und Commerzbank (2,0 Prozent) sowie jene der Sparkassen. Hier ist die Kärntner Sparkasse mit 1,2 Prozent der größte Aktionär. Weitere Anteile halten Uniqa Versicherungen AG mit 6,6 Prozent und Generali Holding Vienna AG mit 4,3 Prozent. Mit beiden sei nicht über ein Mitziehen bei der Kapitalerhöhung gesprochen worden, sagte Treichl.

Hingegen sei ihm bekannt, dass die Commerzbank sich von einigen Bankbeteiligungen zurückziehen wolle, so Treichl. Mit ihr stehe die Erste Bank auch in Gesprächen über die Abgabe ihrer Anteile. Das Ergebnis sei offen.

Die Sparkassen sollen dagegen eingeladen werden, bei der Kapitalerhöhung mehr als die Bezugsrechte zu zeichnen, sagte Treichl. Dies solle die Rolle der Sparkassen als österreichische Aktionäre der Erste Bank weiter stärken. Ziel sei es, dass AVS und Sparkassen gemeinsam auf rund 50 Prozent der Anteile an der Erste Bank kommen, sagte Treichl.

Bis zu 9,21 Millionen Stück Aktien bietet die Erste Bank der von heute bis zum 10. Juli 2002 zur Zeichnung an. Die Erste Bank holt sich damit nach gegenwärtigem Kurs rund 660 Millionen Euro von der Börse, die in erster Linie zur Finanzierung der restlichen Aktien der Ceska sporitelna verwendet werden sollen.

Ein Teil der Mittel soll aber auch in die Rekapitalisierung der erst jüngst gekauften Rijecka banka fließen, teilte die Erste Bank am Dienstag mit. Die Kapitalerhöhung um 9,21 Millionen Stück auf bis zu 59,825.114 Stück entspricht einer Kapitalerhöhung von rund 18 Prozent. Das Bezugsverhältnis beträgt elf zu zwei. Bislang hatte die Erste Bank das Volumen mit mindestens acht Millionen Stück beziffert.

Mit dem Geld aus der Kapitalerhöhung sollen die Anteile der Erste Bank-Mutter Anteilsverwaltungssparkasse (AVS) an der Ceska sporitelna von derzeit rund 40 Prozent in den Konzern der Erste Bank geholt werden, sagte Treichl. "Wir wollen die Erträge der Ceska sporitelna in der Bilanz der Erste Bank haben", so Treichl. Bislang wurden diese Erträge zwar in das Betriebsergebnis einbezogen, für den Jahresüberschuss fielen sie aber als Minderheitsanteile wieder aus der Erfolgsrechnung heraus.

"Der Jahresüberschuss bringt aber die Eigenkapitalverzinsung", so Treichl und die sei für die Investoren wichtig. Die Übernahme der AVS-Anteile an der Ceska sporitelna ist frühestens ab August 2002 möglich und solle dann sofort verwirklicht werden, sagte Hochstrasser. Dann sei auch noch eine Konsolidierung in der Konzernbilanz für "vier, fünf Monate möglich", so Hochstrasser.

Die Bank behält indes ihren Wachstumskurs in Osteuropa bei. Treichl nannte für das laufende Jahr als Ziel für die Eigenkapitalverzinsung (RoE) "überall einen zweistelligen Betrag". Im Geschäftsjahr 2001 lagen insbesondere Ceska sporitelna mit 7,6 Prozent und Erste Bank Hungary mit 8,4 Prozent RoE noch deutlich unter diesem Ziel.

Auch das Börsengewicht der Bank solle weiter zunehmen, so Treichl. "Die Erste Bank wird 2005 eine Marktkapitalisierung von 10 Milliarden Euro haben", sagte Treichl. Der Weg bis dahin ist noch weit. Zum gestrigen Schlusskurs von 72,49 Euro weist die Bank eine Marktkapitalisierung von 1,94 Milliarden Euro auf. Im Austrian Traded Index hat die Erste Bank derzeit ein Gewicht von knapp 20 Prozent. Am Allzeithoch von knapp 90 Euro war das Gewicht bei einem Viertel gewesen.

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