Kapitalerhöhung
Generali verdoppelt Engagement bei der Commerzbank

Die Commerzbank baut sich einen Schutzwall gegen feindliche Übernahmeversuche. Das Kapital soll um mehr als 2 Mrd. DM erhöht werden.

dpa/rtr FRANKFURT/MAIN. Reuters FRANKFURT. Die Commerzbank vertieft die Zusammenarbeit mit ihren südeuropäischen Partnern und plant dafür eine Kapitalerhöhung im Volumen von mehr als zwei Mrd. Euro. Der Anteil des italienischen Versicherers Generali solle von derzeit rund fünf Prozent auf knapp zehn Prozent steigen, teilte die Commerzbank am Freitagabend in einer Pflichtveröffentlichung mit. Die Commerzbank wolle vor allem die Vertriebskooperation mit der Generali-Tochter Aachener Münchener Beteilungs-AG intensivieren. Analysten beurteilten die Kapitalerhöhung skeptisch als eine defensive Maßnahme gegen den ungeliebten Großaktionär Cobra, der 17 % an der Commerzbank hält. Die Aktien der Commerzbank verloren am Freitag gegen den Trend mehr als drei Prozent.

"Die Kapitalerhöhung unterstreicht die neue Qualität unserer europäischen Partnerschaften", sagte Commerzbank-Chef Martin Kohlhaussen. Oberste Priorität habe der weitere Ausbau der grenzüberschreitenden Geschäftsverbindungen, insbesondere in den Ländern der Euro-Zone, sagte Kohlhaussen weiter. Mit der spanischen Bankengruppe BSCH befinde sich die Commerzbank in fortgeschrittenen Verhandlungen über eine weitere Tranche der Kapitalerhöhung. BSCH hält derzeit 5,1 % an der Commerzbank.

Auch die italienische Investmentbank Mediobanca werde weitere Aktien von der Commerzbank übernehmen und ihren Anteil auf zwei Prozent erhöhen. Bislang hält Mediobanca 1,2 % an der Commerzbank.

Zur stärkeren Kooperation mit der AM-Gruppe heißt es in der Mitteilung, im Verlauf der nächsten drei Jahre sollten zunächst an bis zu 500 Standorten der Commerzbank rund 650 Berater der AM-Gruppe etabliert werden. Umgekehrt entstünden auf der Versicherungsseite "Banking Center" an 250 Standorten der AM-Gruppe. Insbesondere im Lebensversicherungsgeschäft werde innerhalb der nächsten fünf Jahre mit einem Zuwachs des Neugeschäfts auf drei Mrd. DM Beitragssumme von zurzeit einer Milliarde DM gerechnet, teilte die AM-Gruppe in einer Pflichtveröffentlichung mit. Im Bausparsektor erwartet die Gruppe im gleichen Zeitraum einen Zuwachs auf vier Mrd. DM von zurzeit einer Milliarde DM. An der geplanten Kapitalerhöhung der Commerzbank wird sich die AM-Gruppe mit rund 600 Mill. Euro beteiligen.

Die Kapitalerhöhung erfolge aus bereits genehmigtem Kapital unter Ausschluss von Bezugsrechten, sagte ein Commerzbank-Sprecher. Durch die Transaktion steigt den Angaben zufolge das Eigenkapital der Bank auf rund 14 Mrd. Euro von derzeit 11,8 Mrd. Euro. Künftig ist damit gut ein Fünftel des Commerzbank-Kapitals in den Händen befreundeter ausländische Finanzpartner.

Im ersten Schritt werde Generali zu einem eng am Börsenkurs orientierten Preis rund 17 Mill. Aktien gegen Barzahlung erwerben. Weitere rund neun Mill. Aktien werde Generali gegen Übertragung von 30 Mill. Aktien der spanischen BSCH als Sacheinlage übernehmen. Die Beteiligung der Commerzbank an BSCH erhöhe sich dadurch auf 2,3 % von bislang 1,6 %. Die Commerzbank bestätigte außerdem, dass sie den Kauf der deutschen BSCH-Tochter CC-Bank in Mönchengladbach übernehmen wolle. Die CC-Bank habe rund eine Million Kunden und sei im Konsumentenkreditgeschäft mit Schwerpunkt Autofinanzierungen tätig.

Analysten und Fondsmanager bezweifelten, dass eine höhere Kapitalverflechtung mit Generali oder BSCH der Commerzbank strategisch nutzen werde. Sie sehen darin fast ausschließlich eine Abwehrmaßnahme gegen den ungeliebten Großaktionär Cobra und befürchten ein Verwässerung des Aktienkurses. Analysten äußerten sich in ersten Reaktionen skeptisch: "Mit einer Fusion wären die Aktionäre besser bedient gewesen. Ein Zusammengehen mit der Dresdner Bank hätte zu einem Mehrwert geführt," sagte John Leonard, Analyst bei Schroder Salomon Smith Barney in London.

Cobra-Geschäftsführer Hansgeorg Hofmann hatte am Freitag die von seiner Gesellschaft vertretene Investorengruppe aufgefordert, zu den gegenwärtig niedrigen Kursen weitere Commerzbank-Aktien zu kaufen. In einem Telefon-Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters hatte er zudem Spekulationen zurückgewiesen, wonach Cobra Teile ihres 17-Prozent-Pakets an der Commerzbank verkauft habe. Cobra sucht seit Monaten vergeblich einen Käufer für ihr Commerzbank-Paket.

Im Vorfeld der von den meisten Beobachtern erwarteten Bekanntgabe der Kapitalerhöhung war der Commerzbank-Kurs am Freitag unter Druck geraten und hatte zeitweise mehr als sechs Prozent verloren. Bis zum Börsenschluss erholten sich die Aktien wieder etwas und schlossen mit 3,22 % im Minus bei 35,20 Euro.

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