Kapitalerhöhung möglich
Schwere Verluste bei Clariant

Der hoch verschuldete Spezialchemiekonzern Clariant strafft nach einem erneuten Verlustausweis für das Jahr 2002 sein Geschäft weiter und steht möglicherweise vor einer Kapitalerhöhung. Vor allem die im Jahr 2000 übernommene britische Chemiefirma BTP erweist sich für Clariant immer mehr als Klotz am Bein.

Reuters BASEL. Clariant will laut Angaben vom Dienstag zur Verbesserung der finanziellen und operativen Situation Geschäfte veräussern und über 1000 Stellen abbauen. Der Konzern schliesst auch eine Kapitalerhöhung in Höhe von rund 600 Millionen nicht aus. Bis Ende Jahr soll zudem die Nettoverschuldung um rund eine Milliarde Franken auf unter 2,5 Milliarden Franken abgebaut werden.

2002 verzeichnete Clariant einen Nettoverlust von 648 Millionen Franken nach 1,24 Milliarden Franken Fehlbetrag im Vorjahr. Der Konzern schrieb den gesamten noch vorhandenen BTP-Goodwill in Höhe von 790 Millionen Franken ab und nahm Wertberichtigungen auf Anlagen in Höhe von 100 Millionen Franken vor. Der Umsatz sank um 3,3 Prozent auf 9,33 Milliarden Franken. Auf die Ausschüttung einer Dividende verzichtet Clariant.

Clariant-Konzernchef Reinhard Handte sagte bei der Bilanzmedienkonferenz, eine Kapitalerhöhung mache Sinn. Deren Höhe sei noch offen. Aus derzeitiger Sicht dürfte eine Kapitalaufnahme die Summe von 600 Millionen Franken nicht übersteigen. Details zu einer allfälligen Kapitalerhöhung würden mit der Publikation der Traktandenliste der Generalversammlung veröffentlicht, sagte Handte.

Zunächst hatte Clariant erklärt, eine Kapitalerhöhung sei gegenwärtig nicht geplant. Vor allem die Ungewissheit über eine Kapitalmassnahme, über die in den Medien zuletzt bereits heftig spekuliert wurde, schickte die Clariant-Aktien auf eine Achterbahnfahrt; gegen 13.40 Uhr notierten sie um 4,4 Prozent tiefer bei 12,95 Franken, nachdem sie anfänglich noch bis auf 14,20 Franken gestiegen waren. Der Gesamtmarkt lag 1,9 Prozent im Minus und der DJ Stoxx-Chemical-Index tendierte 1,9 Prozent tiefer. Clariant haben in diesem Jahr bereits knapp 40 Prozent an Wert eingebüsst.

Medien hatten zuletzt über eine Kapitalerhöhung von bis zu 1,2 Milliarden Franken und einen Stellenabbau von über zehn Prozent der Belegschaft spekuliert.

Die Zürcher Kantonalbank stufte die Clariant-Aktien trotz der jüngsten Abgaben auf "marktgewichten" von "übergewichten" zurück. Angesichts der bestehenden Unsicherheiten bezüglich Zeitplan und Erfolg der Restrukturierungen sei nicht damit zu rechnen, dass die Aktie sich besser entwickeln werde als der Markt, hiess es in der "Daily Market Opinion" der ZKB vom Dienstag. Beat Alpiger von der Bank Julius Bär sagte, die Eigenkapitalbasis sei auf ein "unannehmbar" tiefes Niveau gefallen.

Clariant will den Angaben zufolge Nicht-Kerngeschäfte im Umfang von rund sieben Prozent des Konzernumsatzes veräussern. Darüber hinaus sollen vier bis sechs Prozent der Beschäftigten abgebaut werden. Weitere Massnahmen enthalten eine Senkung der Distributions-, Logistik- und Verwaltungskosten vor allem in Europa um zehn Prozent, die deutliche Reduktion der Geschäftseinheiten Pharma und Custom Synthesis der Division Life Science & Elektronikmaterialien sowie Wechsel in der Konzernleitung.

Die Geschäftseinheiten Pharma, Custom Synthesis und Elektronikmaterialien sowie die Division Masterbatches sollen überdies rechtlich eigenständige Einheiten werden. Eine Veräusserung des gesamten Life Science-Geschäftes sei trotz der Probleme in dem Bereich indes gegenwärtig nicht geplant, erklärte Handte. Clariant halte sich jedoch alle Optionen offen.

Der schleppende Verlauf des Life Science-Geschäftes im letzten Jahr hatte die Abschreibung bei BTP nötig gemacht. Bereits 2001 hatte die milliardenschwere Akquisition zu einer grossen Sonderabschreibung und einem Konzernverlust geführt.

Im laufenden Jahr stünden neben der Umsetzung der Massnahmen vor allem das Cash-Flow-Management und der weitere Schuldenabbau im Vordergrund. Clariant will 2003 ein inneres Wachstum über dem Marktwachstum erreichen. Darüber hinaus habe Clariant laut Konzernchef Handte "eine gute Chance", für 2003 wieder eine Dividende zu zahlen.

Finanzchef Francois Note sagte, Clariant habe die mit Krediten verbundenen Verpflichtungen gegenüber den Banken bisher nicht verletzt. Dies sollte auch in naher Zukunft nicht passieren. Clariant verhandle mit den rund 25 Banken über mehr Spielraum für die rund 2,1 Milliarden Franken Darlehen, führte Note aus. Eine Einigung dürfte im zweiten Quartal erreicht werden. Note sagte auch, eine Kapitalerhöhung wegen der Liquidität sei nicht nötig. Eine allfällige Kapitalerhöhung wäre jedoch sinnvoll, um die Risiken zu minimieren.

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