Kapitalflucht aus den Aktienmärkten
Europäische Zinsfutures auf Höchststand

Nach der deutlichen Warnung der US-Notenbank vor einem Abschwung der amerikanischen Wirtschaft und der Kursrally am US-Rentenmarkt haben die europäischen Zinsfutures am Mittwoch neue Höchststände markiert.

Reuters FRANKFURT. Die Federal Reserve Bank (Fed) hatte am Dienstagabend, so wie es die meisten Volkswirte und Rentenhändler erwartet hatten, den Leitzins mit 1,75 % unverändert auf dem tiefsten Stand seit 40 Jahren gelassen. In ihrer Begründung wiesen die Währungshüter aber auf wachsende Gefahren einer wirtschaftlichen Abschwächung hin und gaben nach Einschätzung von Analysten damit deutlich zu erkennen, dass sie zu einer Zinssenkung später im Jahr bereit sind. Bisher hatte sich die Notenbank optimistisch zu den Wachstumsaussichten geäußert.

Die Kurse an den US-Aktienmärkten fielen um mehr als 2 %, weil viele Anleger offenbar eine Zinssenkung erhofft hatten, obwohl diese Spekulation sich in den vergangenen Tagen beruhigt hatte. Der Kurs der richtungweisenden zehnjährige Staatsanleihe schnellte um mehr als einen Punkt nach oben, beflügelt von den Aussichten auf niedrigere Leitzinsen und der Kapitalflucht aus den Aktienmärkten. In Fernost erreichte die Rendite mit 4,06 % den tiefsten Stand seit vier Jahren. Die europäischen Aktienmärkte schlossen sich dem Abwärtstrend an.

Am Euro-Rentenmarkt erreichten die Terminkontrakte auf die zehnjährige Bundesanleihe und fünfjährige Bundesobligationen neue Kontrakthochs. Der Bund-Future notierte gegen 09.00 Uhr 45 Ticks höcher mit 111,68 nach einem Höchststand von 111,79 Punkten. Die Rendite der Bundesanleihe ging um fünf Basispunkte auf 4,44 % zurück. Der Bobl-Future lag noch 28 Ticks im Plus bei 108,92 Punkten, und am kurzen Marktende verteuerte sich der Schatz-Future um zwölf auf 104,56 Punkte.

Wegen der wachsenden Sorgen über ein erneutes Abgleiten der US-Wirtschaft in eine Rezession und der Aussicht auf Zinssenkungen erwarteten Analysten, dass die Kurse der Treasuries trotz ihres schon hohen Niveaus auch am Mittwoch weitersteigen. Trotz der starken geldpolitischen Lockerung um 4,75 Prozentpunkte im vergangenen Jahr hat sich die US-Konjunktur nach einer Erholung Anfang des Jahres wieder abgeschwächt. Nun gab auch die Fed zu erkennen, dass der drastische Kursverfall an den Aktienmärkten nach ihrer Einschätzung ein Bremsklotz für das Wachstum ist. Auch am europäischen Rentenmarkt wird es nach Einschätzung von Experten weiter aufwärts gehen. "Die Rentenmärkte dürften weiter von der sich eintrübenden Konjunkturaussicht profitieren. Der Bund-Future sollte die Marke bei 111,95 ins Visier nehmen", erklärten die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt.

"Wenn es weiter schwache Wirtschaftsdaten gibt, könnte es im September eine Zinssenkung geben", sagte Mary Ann Hurley von D.A. Davidson in New York. Die meisten von Reuters nach dem Fed-Entscheid befragten Primärhändler von US-Staatsanleihen gehen dagegen weiter von unveränderten Zinsen bis Ende 2002 aus. Richard Bodkin von Banc One Capital Markets in Chicago sagte indes, viele Anleger setzten jetzt auf eine Zinssenkung in den USA um 50 Basispunkte auf einen Leitzins von 1,25 %. "Das könnte die Rendite der zweijährigen Anleihe auf 1,75 % sinken lassen." Händler halten es für möglich, dass die Rendite der zinssensitiven zweijährigen US-Staatsanleihe noch am Mittwoch sich ihrem Allzeittief von 1,90 % nähern könnte, das sie am Montag erreicht hatte.

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