Kapitalmangel und Insolvenzwelle setzen der Bank zu
Hypo-Vereinsbank schwimmt

Die Ratingagenturen haben derzeit ein besonders wachsames Auge auf die Hypo-Vereinsbank (HVB). Weitere Rückschläge hätten höchstwahrscheinlich negative Auswirkungen auf das Rating der HVB, warnte am Donnerstag ausdrücklich Standard & Poor?s. Und auch die Kollegen von Fitch meinen, die am Mittwoch verkündeten hohen Verluste hätten die Kapitalbasis des Münchener Konzerns weiter verschlechtert. Jetzt sei die Kapitalausstattung schwach, lautet das Fazit. Auch Fitch mahnt Verbesserungen an.

cbu MÜNCHEN. Immerhin: Noch halten die Ratingagenturen still. Die HVB hat noch immer ihr A-Rating, was einer guten Bonität entspricht. Aber das braucht der Konzern nach Ansicht von Experten, um Erträge erzielen zu können. Ein Abrutschen um eine Stufe auf ein B-Rating würde die Refinanzierung vieler Geschäfte zu teuer machen. Schon jetzt, nach den Herabstufungen im vergangenen Jahr, lohnen sich nach Angaben der HVB einige Kapitalmarktgeschäfte nicht mehr.

Aber: Der Druck nimmt zu. Am Mittwoch hatte der neue HVB-Chef Dieter Rampl für das letzte Quartal 2002 einen Verlust von 1,1 Mrd. Euro verkündet. Für 2003 werden wieder schwarze Zahlen erwartet. Doch Analysten zweifeln, ob Rampl aus den Verlusten kommen wird. Rote Zahlen auch im laufenden Jahr kann sich die Bank aber kaum leisten, zumal die Kapitaldecke bereits arg kurz. Die Kernkapitalquote lag Ende 2002 bei nur noch 5,6 %.

Aus Sorge um die schlechte Kapitalbasis der HVB stuften die Analysten von ABN Amro die Aktie gestern auf "reduzieren". Rampl hatte Analysten Ende Januar versprochen, dass die Kernkapitalquote bis Ende 2003 wieder bei erträglichen 7 % liegen soll. Doch wie das erreicht werden soll, ist noch immer unklar. Nach Analysten-Berechnungen braucht die HVB frisches Kapital von bis zu 1,5 Mrd. Euro. Aus den relativ schwachen operativen Erträgen ist das voraussichtlich kaum zu erwirtschaften. Eine Kapitalerhöhung schloss Rampl zuletzt aber kategorisch aus.

Deshalb hat der neue Chef alles auf den Prüfstand gestellt. "Es gibt keine heiligen Kühe mehr", verkündete der HVB-Chef Ende Januar - und sorgte damit für Unruhe. Denn offenbar sollen jetzt profitable Tochterfirmen wie die Norisbank oder auch bisher strategisch wichtige Institute wie die Vereins und Westbank - verkauft werden. Ob damit genügend Kapital herein kommt, bleibt jedoch offen. Analysten machen sich inzwischen Sorgen, dass durch Verkäufe von bisher strategisch wichtigen Bereichen die künftige Ertragskraft nachhaltig geschädigt wird.

Die Lage verschärft sich noch durch die schwierige Lage im Kreditgeschäft. Die HVB hat ein Kreditportfolio von 440 Mrd. Euro - das größte in Europa. Die Insolvenzwelle schlägt hier voll durch. Für 2002 musste Rampl die Risikovorsorge auf 3,8 Mrd. Euro erhöhen. Für 2003 werden 3 Mrd. Euro angepeilt. Unklar ist bisher, wie viel der Vorsorge dabei auf die geplante Abspaltung der gewerblichen Immobilienfinanzierung zurückzuführen sind.

Quelle: Handelsblatt

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