Kapitalmarkt würde Trennung von ertragsschwacher Sparte sehr begrüßen
Depfa vor Rückzug aus dem Immobiliengeschäft

Der Börsengang der IT-Tochter Depfa IT Services AG werde in diesem Jahr aufgrund des schlechten Börsenumfeldes nicht mehr stattfinden.

nw FRANKFURT/M. Die Depfa-Gruppe strebt offenbar die Ausgliederung und später eine mögliche Trennung von der renditeschwachen Immobilienfinanzierung im Inland an, wie das Handelsblatt aus unternehmensnahen Kreisen erfuhr. Der Aufsichtsrat der Bank tagt am 27. November, zwei Tage später sind Presse- und Analystenkonferenzen geplant, um die "zukünftige strategische Neuausrichtung der Depfa-Gruppe" vorzustellen. Die Bank hatte Mitte Oktober die Präsentation der 9-Monats-Zahlen verschoben, um ihre Strategie zu überarbeiten. Die Bank wollte gestern zur Ausgliederung des Immobiliengeschäfts nicht Stellung nehmen.

Im Markt würde eine Trennung sehr begrüßt, sagen Analysten und Investoren. "Die beste Lösung für die Bank wäre die Konzentration auf das Staatsfinanzierungsgeschäft", sagt etwa John D. Leonard, Analyst bei Schroder Salomon Smith Barney. Der Bereich Immobilienfinanzierungen hingegen ist ertragsschwach: Die Eigenkapitalrendite vor Steuern lag mit 12,2 % im ersten Halbjahr deutlich unter dem Konzernwert von 20,2 % - dabei sind über 50 % des Eigenkapitals in diesem Bereich gebunden. Mit Staatsfinanzierungen wurde eine Eigenkapitalrendite von 35,4 % erzielt. "Eine Trennung von der Immobilienfinanzierung im Inland hätte große Vorteile: Das hohe Kapital, das dort gebunden ist, könnte in rentablere Bereiche investiert werden", sagt Thomas Körfgen, Senior Fondsmanager der DWS Invest.

Die Depfa-Aktie, die mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp zehn sehr niedrig bewertet sei, könnte im Fall einer Spaltung deutlich zulegen. Private und gewerbliche Immobilienfinanzierungen im Inland sind für die meisten Hypothekenbanken zurzeit ein schwieriges Geschäftsumfeld. Die schwachen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen drücken das Neugeschäft und der intensive Wettbewerb reduziert die Margen. Starker Wachstumsträger sind allein gewerbliche Immobilienfinanzierungen im Ausland, die auch eine höhere Rendite abwerfen.

Rating wird durch Immobiliengeschäft gedrückt

Branchenbeobachter sehen die Immobilienfinanzierungssparte der Depfa bei anderen Banken besser aufgehoben: "Andere Häuser haben bessere Möglichkeiten, die Risiken in einem großen Portfolio zu streuen", sagt etwa der Analyst einer großen Investment Bank. Es gebe daher eine Reihe von Banken, die als Käufer in Fragen kommen.

Der erzielbare Preis im Fall eines Verkaufs wird stark davon abhängen, wie hoch der Wertberichtigungsbedarf für das Immobiliengeschäft in Deutschland noch ist. Im 2. Quartal hatte die Bank die Risikovorsorge um 80 % auf 45 Mill. Euro erhöht aufgrund der Entwicklung im Immobiliengeschäft in Deutschland. Das Rating der Depfa (AA, Aa3) wird durch das inländische Immobiliengeschäft gedrückt.

Im Gespräch ist auch die Akquisition eines Kreditversicherers in den USA. Die Depfa hatte schon seit längerem von ihrem Ziel gesprochen, in den USA zu expandieren. Der Depfa-Konkurrent, die französisch-belgische Dexia-Gruppe, hat im Frühjahr den US Financial Security Assurance Holding, -Kreditversicherer New York, übernommen. Dexia gilt in der Branche als Vorbild für einen rentablen, international gut aufgestellten Staatsfinanzierer.

Der Börsengang der IT Depfa IT Services AG-Tochter werde in diesem Jahr aufgrund des schlechten Börsenumfeldes nicht mehr stattfinden, hat die Bank heute mitgeteilt.

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