Kapitalmarktreform zeigt Erfolge
Moody's erwartet Fondsboom in Tschechien

Lange wurde Tschechiens Kapitalmarkt wegen Finanzskandalen und Intransparenz gemieden. Doch nach Reformerfolgen sieht Moody's tschechische Fonds im Kommen. Die Schattenseite für Prag: Falls internationales Portfolio-Kapital auf den Markt drängt, könnte der Krone eine unerwünschte Aufwertung drohen.

jow PRAG. Die Ratingagentur Moody's erwartet in den nächsten fünf Jahren in Tschechien einen Boom von Investment und Renten-Fonds. In ihrem "Global Funds Update" hat Moody's den vormals verrufenen tschechischen Finanzmarkt nahezu rehabilitiert. Prag war wegen Finanzskandalen bei der Massen-Privatisierung sowie wegen Banken-Klüngelei und Börsen-Intransparenz jahrelang von Kapitalanlegern gemieden worden.

Moody's prognostiziert nun, Tschechien werde "in den nächsten fünf Jahren ein bedeutendes Wachstumszentrum für Vermögensmanagement". Das Land schaffe nach "fast einem Jahrzehnt finanzieller Fehlentwicklungen und schwacher Regulierung" eine Kehrtwende.

Ob das zutrifft, ist jedoch strittig. Lokale Experten sehen noch großen Reformbedarf. Sie nennen die Wertpapierkommission als Beispiel, der immer noch die gesetzliche Handhabe fehlt, um gegen Insidergeschäfte vorzugehen. Noch immer gibt es Anlage-Skandale, die der Kommission den Vorwurf eintragen, sie schreite zu spät ein.

Immerhin hat die Wertpapierkommission die Regeln für kollektive Investment-Instrumente wie Fonds verschärft, so dass die dortigen Anlagen besser als früher vor Betrug und Veruntreuung geschützt werden. Inländische Vermögensverwalter bekommen zudem Konkurrenz aus dem Ausland, da seit Januar 2001 auch ausländische Fonds eine Zulassung für den tschechischen Kapitalmarkt beantragen können. Auch sie unterliegen der tschechischen Regulierung.

Volumen der offenen Vermögensfonds versiebenfacht

Wegen des verbesserten Regelwerks hat Moody's zufolge das verwaltete Vermögen in Tschechien seit 1998 um 300 % zugenommen. Dabei versiebenfachte sich allein das Volumen der offenen Vermögensfonds auf 78,5 Mrd. Kronen (rund 2,3 Mrd. Euro). Das entspricht 5 % der Haushaltsersparnisse.

Alle Anlagefonds sollen bis Ende 2002 geöffnet werden, wonach Moody's weitere Impulse erwartet. Die Umwandlung zog bereits jetzt eine Welle von rund 40 Fusionen nach sich. Die Zahl der Investmentfirmen verringerte sich von 117 in 1997 auf 66 in diesem Jahr. Die Zahl der Fonds nahm von 117 auf 77 ab. Die Konzentration nimmt zu: Der größte Fonds managt 40 %, die drei größten über 80 % des verwalteten Vermögensvolumens.

Petr Zapletal, Chef der tschechischen Union der Investment-Gesellschaften (Unis) sieht eine weitere Konsolidierungswelle kommen: Von den 66 Investmentfirmen befänden sich 40 in Liquidierung, so Zapletal gegenüber dem Handelsblatt. Dasselbe gelte für 51 Vermögensfonds. Anderseits gebe es 90 Fonds auf Gegenseitigkeit sowie 84 offene Fonds - und genau zu letzteren gehe der Trend.

Einen Wachstumsschub erwarten Moody's und Unis bei Rentenfonds, die nur "embrionische" Ausmaße erreichten. Rund 2,4 der 10 Millionen Tschechen sorgen Moody's zufolge privat fürs Alter vor. Das Finanzvolumen der Rentenfonds lag Unis-Chef Zapletal zufolge Ende 2000 bei 41,5 Mrd. Kronen. Ähnlich wie Moody's erwartet Zapletal ein starkes Wachstum. Das bisherige System der Staatsrente müsse reformiert werden. Ein Regierungsentwurf sieht betriebliche und private Zusatzrenten vor. Der Staat will dies mit einem Bonus für Anlagen sowie Steuerabzügen fördern, so Moody's-Analyst Enrico Bucalossi. Wie er so kommentiert auch Zapletal: "Das Renten-Marktvolumen wird sehr attraktiv für Vermögensmanager. Und zwar in absehbarer Zukunft."

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