Kapitalquellen für die „Neuen“ trocknen aus
Skandinavische Hochtechnologie zeigt globale Stärke

STOCKHOLM. In nur einem Jahr haben die Börsen Skandinaviens in ihrer Erwartungshaltung bezüglich der "new economy" einen vollen Zyklus durchschritten. Die technologische Revolution bewirkte in vielerlei Hinsicht ein globales Massen-Schulungsprogramm über neue Technologien. Das Bemühen von Unternehmen und Anlegern, an der Spitze einer solchen Bewegung zu stehen, löste eine "außerirdische" Euphorie und Massen-Psychose aus. In der Aktien-Hausse sahen viele den Beweis für die Richtigkeit ihrer Thesen.

Doch es kam anders. Der Weckruf kam von den institutionellen Besitzern der Internet-Firma Boo.com, die müde wurden, immer mehr Geld in ein Geschäft zu stecken, dass sich als "schwarzes Loch" erwies. Nach Monaten unbefriedigender geschäftlicher Entwicklung und alarmierend geringer Resonanz potentieller Kunden stellten die Anteilseigner von Boo.com ihr Geschäftsmodell in Frage.

Die Märkte zogen Parallelen zu anderen Internet-Geschäftsen, so dass schon bald die erste Fundamentalanalyse über die "new economy" als erstellt galt. Als die Aktienkurse dann auf Talfahrt gingen, schlug die Stimmung ins andere Extrem um: Die schier unbegrenzt erscheinenden Kapitalquellen trockneten aus. Was die "new economy" erlebte, ist wohl die schlimmste Verschärfung monetärer Bedingungen innerhalb des vergangenen Jahrhunderts.

Wo aber geht die Reise hin? Lohnen sich Aktien der neuen Ökonomie? Aus unserer Sicht ist die Zeit gekommen, Aktien dieses Bereichs positiv zu sehen. Drei Argumente rechtfertigen diesen positiven Blick. Zunächst sehen wir den Boden des Erwartungshorizonts im laufenden Zyklus. Zahlreiche Aktien sind um 80 bis 90 % gefallen. Eine beachtliche Zahl der "Neuen" ist bereits in Konkurs gegangen. Doch selbst nach 90%igem Kursrutsch besteht bei einigen Unternehmen weiter ein Risiko von 100 %. Heute sind die Märkte in einer "Warren-Buffet-Situation". Wenn mehr als 90 % der Investoren eine Aktie nicht mögen, könnte sie interessant sein. Der zweite Grund für Optimismus: Zahlreiche Technologie-Unternehmen haben ihren Geschäfsstil geändert. Die Kapitalverknappung führt dazu, dass die Firmen sorgfältiger mit dem zur Verfügung stehenden Geld umgehen. Wenn Profitabilität zum Motor des Wachstums wird, führt dies nicht nur zu gesunden geschäftlichen Entscheidungen, sondern legt auch die Basis für kontrolliertes und nachhaltiges Wachstum.

Als dritter Grund ist anzuführen, dass das Leben für die verbliebenen und bereits etablierten Unternehmen in Zukunft vergleichsweise wenig wettbewerbsintensiv werden dürfte. In welche skandinavischen Aktien kann der Anleger investieren? Unter den Internet-Beratungsfirmen favorisieren wir Adcore und Cybercom. Obwohl Icon Medialab nicht in der Lage ist, das gleiche Ertragsniveau zu zeigen, finden wir diese Gesellschaft interessant, da sie über da sie über die beste globale Präsenz verfügt.

Im Bereich Telekommunikations-Beratung erachten wir AU-System und HiQ als interessante Investments. Wenngleich Satama Interactive nicht über die gleiche Profitabilität verfügt, glauben wir, dass dieses Unternehmen im Bereich Mobilfunk-Integration gut positioniert ist. Unter den Produzenten von Technologie-Anwendungen favorisieren wir Axis Communication und Micronic Lasersystems. Wenngleich Switchcore heute eher eine Entwicklungsgesellschaft ohne größere Aktivitäten ist, bieten neu entwickelte Switch-Produkte (Vermittlung und Umschaltung) in der Datenkommunikation interessante Wachstumschancen. Zudem erachten wir Stonesoft als interessant. Der globale Marktführer im Bereich "Internet Traffic Management" weist Wachstumsraten von 70 bis 100 % auf. Unter den Standardwerten behalten wir unsere langfristige positive Einstellung zu Nokia und Ericsson aufrecht. Als Übernahmeziel gilt Sonera.

Hans-Olov Bornemann, ist Leiter "Nordic Equities", Deutsche Bank in Stockholm

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