Kapitalschnitt geplant
Intershop-Aktie auf Rekordtief

Mit Verlusten von zeitweise 45 Prozent haben am Donnerstag die Aktien des Softwareanbieters Intershop auf die angekündigten Kapitalmaßnahmen reagiert. Durch außerplanmäßige Abschreibungen auf eine Softwareentwicklungsfirma und US-Aktivitäten werde das Eigenkapital von Intershop die Hälfte des Grundkapitals unterschreiten, sagte Finanzchef Jürgen Schöttler der Nachrichtenagentur Reuters.

rtr FRANKFURT. Der einzuberufenden außerordentlichen Hauptversammlung solle eine Kapitalherabsetzung durch Aktienzusammenlegung im Verhältnis fünf zu eins vorgeschlagen werden. Dieser so genannte Reverse Aktiensplitt sei die Basis, um dann frisches Kapital aufzunehmen. Analysten bezeichneten die Kapitalmaßnahmen in der gegenwärtigen Situation als schlüssig und nachvollziehbar, um durch eine Verbesserung der Eigenkapitalbasis und der liquiden Mittel die Position von Intershop gegenüber Kunden zu stärken.

An dem Ziel, aus eigener Kraft im vierten Quartal des laufenden Geschäftsjahres ein ausgeglichenes operatives Ergebnis zu erzielen, hielt Intershop fest. "Es gibt keinerlei Korrekturen an dieser Stelle", sagte Schöttler.

Finanzierungsrunde noch in diesem Jahr geplant


Die Höhe der Abschreibungen im Anlagevermögen wollte Schöttler nicht beziffern. Bereits beim Jahresabschluss habe ein Bestätigungsvermerk vorgelegen, dass die Werthaltigkeit der genannten Aktivitäten geprüft werden solle. "Ich bin konservativ rangegangen und habe die Abschreibung vorgenommen", sagte Schöttler.

Mit weiteren Wertkorrekturen im Rahmen der Restrukturierung sei nicht mehr zu rechnen. "Wir haben eine Eigenkapitalquote vor den Transaktionen von 79 Prozent gehabt", erläuterte Schöttler. Nach dem Aktiensplitt werde sie in jedem Fall noch über 50 Prozent liegen. Ziel der Kapitalerhöhung sei es, die Quote wieder auf ihren Ausgangswert zu bringen.

Die Finanzierungsrunde solle noch in diesem Jahr über die Bühne gehen. Die Investmentbank ING Barings werde Intershop bei der Suche nach potenziellen Investoren unterstützen. "Das Interesse der Investoren ist groß", sagte Schöttler. Der Reverse Aktiensplitt sei die Basis für die Kapitalerhöhung. "Der Kurs steigt dann (optisch) um das Fünffache. Damit sind wir auf der sicheren Seite, um eine Kapitalerhöhung durchzuführen", sagte Schöttler. Bei dem aktuellen Kursniveau sei dies nicht möglich.

Am Tag einer Aktienzusammenlegung würde der Kurs optisch um das Fünffache steigen, während die Zahl der am Markt gehandelten Papiere um den gleichen Faktor sinken und somit die Marktkapitalisierung gleich bleiben werde. Auch am Nennwert der Aktie würde sich durch den Kapitalschnitt nichts ändern, erläuterte Helmut Bartsch, Analyst der BW-Bank. Das Grundkapital würde sich im gleichen Verhältnis wie die Zahl der Aktien reduzieren. Bartsch rechnet mit einer anschließenden Kapitalerhöhung zwischen zehn und 20 Mill. Euro. Zum Halbjahr belief sich das Grundkapital auf 96,5 Mill. Euro.

Intershop hält an Ergebnisziel fest


Am Nachmittag lag der Aktienkurs der im Auswahlindex Nemax50 gelisteten Intershop noch 26 Prozent im Minus bei 0,59 Euro, nachdem er im frühen Handel auf ein Rekordtief von 0,44 Euro gefallen war. Analysten erklärten den Kursverlust mit Ängsten am Markt vor Liquiditätsproblemen. Die liquiden Mitteln sollten aber zum Überleben ausreichen, teilten die Analysten von SES Research mit. Die Maßnahmen sollten die Cash-Position verbessern, um potenzielle Kunden nicht abzuschrecken, fügten sie hinzu.

Zum Halbjahr verfügte der Anbieter von Software für den elektronischen Handel (E-Commerce) noch über liquide Mittel von 26 Mill. Euro. Intershop wolle ein Gefühl der Sicherheit vermitteln, dass es die Firma auch in einigen Jahren noch am Markt gebe, sagte Bartsch. Kurzfristige Liquiditätsprobleme sehe er nicht. Grundsätzlich seien Ängste hinsichtlich der Existenz im derzeitig schwachen Marktumfeld aber nicht unbegründet.

Schöttler bekräftigte, dass Intershop auch aus eigener Kraft im vierten Quartal 2002 ein ausgeglichenes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) erzielen werde. "Ich habe bei der Hauptversammlung gesagt, und dazu stehe ich, vom rein operativen Geschäft müssten wir kein neues Geld aufnehmen."

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