Kapitalspritze für die fünftgrößte Bankengruppe des Landes
Japanische Regierung rettet Großbank

Die japanische Regierung rettet die fünftgrößte Bankengruppe des Landes, Resona, mit einer Kapitalspritze vor dem Zusammenbruch. In einer Krisensitzung, die Ministerpräsident Junichiro Koizumi am Samstag einberufen hatte, genehmigte die Regierung die Kapitalhilfe. So soll verhindert werden, dass die Krise des Instituts das gesamte Finanzsystem erschüttert. Nach Berichten der japanischen Wirtschaftszeitung Nikkei hatte Resona um rund zwei Billionen Yen (fast 15 Mrd. Euro) gebeten.

TOKIO. Es ist die erste Rettungsaktion seit 1998 und 1999. Damals hatte die Regierung in Tokio den großen Banken mehr als 9 Billionen Yen (67 Mrd. Euro) zur Verfügung gestellt, um eine Finanzkrise zu verhindern. Die Rettungsaktion für Resona bedeutet nun eine Quasi-Verstaatlichung der Bank. Weder Regierung noch Resona Holdings nannten den genauen Betrag der Kapitalhilfe. Koizumi sagte, die Kernkapitalquote solle wieder auf über zehn Prozent gehoben werden. Die Kernkapitalquote stellt das Verhältnis von Kernkapital (Eigenkapital plus Vorzugsaktien) zu den Risikoaktiva dar. Zum Ende des Geschäftsjahres am 31. März ist die Kernkapitalquote der Resona Bankengruppe auf 3,78 % zusammengeschmolzen. Damit liegt sie unter der für im Inlandsgeschäft tätige Banken vorgeschriebenen Mindestquote von 4 % und weit unter der bisherigen Prognose von 6 %. Dabei hatte Resona noch im März eine private Kapitalerhöhung von 120 Mrd. Yen platziert. Resona-Präsident Yasuhisa Katsuta und vier andere Top-Manager wollen zurücktreten. Zur Resona-Bankengruppe sind die Daiwa Bank, Asahi Bank und zwei Regionalbanken fusioniert.

Staatschef Koizumi versuchte, die Wogen zu glätten. "Wir haben Vorsorge getroffen, dass eine Krise im Finanzsektor nicht aufkommen wird." Die Tagesgeschäfte würden wie gewohnt weiterlaufen. Auch Finanzminister Masajuro Shiokawa, der wegen der Resona-Krise früher vom G8-Treffen in Frankreich abgereist war, und Zentralbankchef Toshihiko Fukui betonten, es bestehe keine Gefahr, dass die Krise auf andere Finanzinstitute übergreife. Der geldpolitische Rat der Bank von Japan (BOJ) hat auf einer außerordentlichen Sitzung beschlossen, die Liquidität von Resona notfalls über Kredite zu sichern und den Finanzmarkt über geldpolitische Schritte stabil zu halten. Dennoch erwarten Analysten für Montag heftige Reaktionen an der Börse. Und über die Notwendigkeit eines Nachtragshaushalts muss nun erst gar nicht weiter diskutiert werden.

Resona mit Sitz in Osaka kündigte am Samstag an, dass der Nettoverlust für das Ende März abgelaufene Geschäftsjahr 838 Mrd. Yen betrage, fast dreimal so viel wie zuvor prognostiziert. Ein Grund sind höhere Verluste auf Aktienbestände. Ein anderer sind schärfere Bilanzierungsrichtlinien. Der Wirtschaftsprüfer der Resona Bank, Shin Nihon &Co., weigerte sich, die von Resona mit 273 Mrd. Yen bezifferten erwarteten Steuergutschriften voll als Kernkapital anzuerkennen. Um sie zu realisieren, muss Resona im kommenden Jahr Gewinn machen. Resona macht aber seit drei Jahren Verluste. Die erwarteten Steuergutschriften machen auch bei anderen japanischen Banken einen Großteil des Kernkapitals aus. Obwohl die Kernkapitalquoten der anderen Großbanken offiziell nach Kapitalerhöhungen im Frühjahr über 8 % liegen, werden sich die Institute bei der Bilanzvorlage am 26. Mai wachsender Skepsis gegenüber sehen.

Die Entscheidung über Höhe und Gegenleistung der Kapitalhilfe soll fallen, nachdem Resona bis Ende Mai die Hilfen offiziell beantragt habe, sagte der für die Bankenaufsicht zuständige Minister HeizoTakenaka. Zentral wird sein, ob die Regierung die Bank offiziell verstaatlicht. Ende der 90er-Jahre hatten auch die Resona-Vorgänger-Banken staatliche Kapitalhilfen erhalten. Würden die Vorzugsaktien daraus in stimmberechtigte Aktien umgewandelt, hielte der Staat 40 %. Hinzu käme die jüngste Hilfe. Takenaka betonte zwar: "Das ist keine Verstaatlichung, sondern öffentliche Unterstützung." Zuvor hatte er aber mit Zwangsverstaatlichung gedroht. BOJ-Gouverneur Fukui plädiert für eine möglichst geringe Einmischung des Staates. Der neue Resona-Chef Kenji Kawata soll nun mit einer Sondergruppe der Finanzaufsicht einen Sanierungsplan erarbeiten. Fest steht, dass die Gehälter ab Oktober um 30 % sinken werden.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%