Kaplan-Vertrauter Aydin: "Kein Kontakt zu bin Laden"
Kalifatsstaat nennt Vorwürfe der Behörden "leer und haltlos"

Der islamistische Kaplan-Verband in Köln hat sich erstmals in die Debatte über ein Verbot der Gruppierung eingeschaltet und jegliche Sympathien für Terroristen abgestritten. Entsprechende Beschuldigungen von Politikern und Medien seien "leer und haltlos" sagte der Sprecher des Kaplan-Verbandes, Ismael Binyasar, am Mittwoch vor Journalisten in der Kölner Moschee des so genannten "Kalifatsstaats".

afp KÖLN. Zugleich wies der Vertraute des inhaftierten Islamisten-Führers Metin Kaplan, Harun Aydin, Vermutungen zurück, der Verband pflege Beziehungen zum Netzwerk El Kaida des mutmaßlichen Terroristenführers Osama bin Laden. "Wir haben keinen Kontakt zu Osma bin Laden", betonte Aydin, der kürzlich auf dem Flughafen von Frankfurt am Main unter Terrorverdacht vorübergehend festgenommen worden war.

Aydin bekräftigte, die Moslems seien "gegen jede Art von Terror, denn der Islam verbietet ihnen eine solche Tat". Falls Kaplans "Kalifatsstaat" nach Inkrafttreten der geplanten Verschärfung des Vereinsgesetzes veboten werden sollte, werde der Verband dagegen "alle rechtlichen Mittel" ausschöpfen. Der 28-Jährige fügte hinzu, eine Abschiebung des als selbst ernannter "Kalif von Köln" bekannt gewordenen Kaplans sei mit dem Rechtssstaat "nicht zu vereinbaren". Kaplan sei in der Türkei bereits in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden; bei einer Abschiebung drohten ihm "Folter und Todesstrafe". Der Anführer der bundesweit rund 1100 Mitglieder des Kalifatsstaates verbüßt derzeit in Deutschland eine vierjährige Haftstrafe wegen Aufrufs zum Mord an einem Berliner Rivalen.

Mit Blick auf Bin Laden räumte Aydin ein, eine Delegation des Kaplan-Verbandes habe den mutmaßlichen Top-Terroristen 1996 bei einem Besuch in Afghanistan "zufällig" getroffen. Bei dem Gespräch sei es jedoch nicht um Fragen der "militärischen Zusammenarbeit" gegangen. Auch habe es keine Gegenbesuche von Bin-Laden-Vertrauten beim Kalifatsstaat in Deutschland gegeben.

Der Kaplan-Verband mit Hauptsitz in Köln gilt nach dem geplanten Wegfall des schützenden Religionsprivilegs im Vereinsgesetz als erster Kandidat für ein Verbot durch die deutschen Behörden. Laut Verfassungsschutz strebt die islamistische Organsiation einen revolutionären Umsturz in der Türkei an mit dem Ziel, dort einen islamischen Gottesstaat zu errichten. Das Oberlandesgericht Düsseldorf hatte dem Verband in dem Verfahren gegen Kaplan unter anderem vorgeworfen, in der Bundesrepublik einen Staat im Staate" gegründet zu haben. Der in dem Prozess ebenfalls angeklagte Aydin war von dem Staatsschutzsenat im November 2000 freigesprochen worden.

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