Karen König vor OLG erfolgreich
NOK droht Klageflut durch DDR-Dopingopfer

Auf das Nationale Olympische Komitee (NOK) rollt möglicherweise bald eine Prozesswelle durch Dopingopfer des DDR-Sports zu. Am Dienstag gab das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt/Main einem Antrag der ehemaligen Schwimmerin Karen König auf Prozesskostenhilfe statt. In der Begründung hieß es, dass "das NOK für Deutschland verpflichtet sei, der Antragstellerin jeden durch Einnahme von Dopingmitteln entstandenen materiellen und immateriellen Schaden zu ersetzen".

HB/dpa FRANKFURT/MAIN/BERLIN. Das NOK hafte zwar nicht als Rechtsnachfolger des NOK der DDR. Jedoch sei der zivilrechtliche Schadensersatzanspruch der Antragstellerin gegen das NOK der DDR durch die Vermögensübernahme auf das NOK für Deutschland übergeleitet worden, hieß es in einer Pressermitteilung des Gerichts.

NOK-Präsident Klaus Steinbach wollte am Dienstag noch keine Erklärung zu dem juristischen Grundsatz-Entscheid abgeben. Er verwies aber am Rande der Welt-Anti-Doping-Konferenz in Kopenhagen darauf, dass die aus dem Vermögen des früheren NOK der DDR übernommen 5,4 Mill. DM "ausschließlich und zweckgebunden" zur Förderung des Sports in die neuen Bundesländer geflossen sind. "Dies können wir belegen", erklärte Steinbach.

Karen König, die zu den Nebenklägerinnen im Prozess gegen den inzwischen verstorbenen DDR-Sportchef Manfred Ewald gehörte, will nun das NOK für ihre in der DDR erlittenen Doping-Schäden in die Pflicht nehmen. Einer Klage steht nun nichts mehr im Wege. Nach der Einnahme von Doping-Präparaten waren bei ihr hormonelle Störungen aufgetreten. Sie beklagt, dass sie von Verbandsfunktionären nie aufgeklärt worden sei. "Das ist eine erfreuliche Nachricht. Mir ist allerdings daran gelegen, dass es zu einer grundsätzlichen Aufklärung der Machenschaften des NOK kommt", erklärte Karen König in einer ersten Reaktion der "Netzeitung".

Ihr Anwalt Jens Steinigen hatte in seinem Antrag auf Prozesskostenhilfe das Klagebegehren unter anderem damit begründet, dass das NOK bei der Wiedervereinigung in den Besitz des Vermögens vom NOK der DDR in Höhe von 5,4 Mill. DM gekommen war. Das OLG hatte in seiner Entscheidung einer Beschwerde der Berlinerin gegen einen erstinstanzlichen Beschluss der 31. Zivilkammer des Landgerichts Frankfurt/Main vom 28. Februar 2002 stattgegeben.

"Ich werde jetzt zunächst einmal versuchen, mit dem NOK eine außergerichtliche Einigung zu erzielen", sagte Steinigen. Sollte es zu keiner außergerichtlichen Einigung mit dem NOK kommen, werde es zur Verhandlung vor dem Landgericht kommen. Laut dem OLG-Beschluss gehe König von einer Schmerzensgeldforderung von mindestens 10 000 ? aus. Wahrscheinlich ist im Falle eines Erfolges von Karen König auch, dass viele der Dopingopfer aus DDR-Zeiten den selben Weg einschlagen.

Mit Verweis auf diese juristische Auseinandersetzung hatte sich das NOK bisher geweigert, sich an Entschädigungsleistungen für DDR- Dopingopfer zu beteiligen. Knapp vier Wochen vor Auslaufen der Antragfrist am 31. März haben 44 DDR-Dopingopfer ihren Antrag auf Entschädigung beim Bundesverwaltungsamt in Köln eingereicht. Für die Entschädigung hatte die Bundesregierung zwei Mill. ? bereitgestellt. Im Gegensatz zum NOK hat sich der Deutsche Sportbund mit 45 000 ? an der Doping-Opfer-Beratungsstelle in Berlin beteiligt.

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