Karl Heinz Däke, 60, ist der Präsident des Bundes der Steuerzahler in Wiesbaden
Wie fühlt man sich eigentlich, Herr Däke ...

... wenn man jedes Jahr die Steuerverschwender anprangert, aber die Fälle immer mehr statt weniger werden?

Oft habe ich richtige Wut im Bauch - aber ich fühle mich nicht ohnmächtig. Ich weiß ja, dass unser jährliches "Schwarzbuch", in dem wir Fälle mit Ross und Reiter veröffentlichen, etwas bewirkt.

Der Kampf gegen das Verschwenden von Steuergeldern ist meine Lebensaufgabe. Die Hinweise kommen oft sogar aus den Behörden - von Beamten, die Angst vor ihren Chefs haben. Und von Bürgern , weil die Menschen immer stärker sensibilisiert sind für diese Missstände, seit die öffentlichen Kassen so leer sind. Ohne uns wäre das Ausmaß der Verschwendung noch größer und wir konnten auch schon unsinnige Projekte stoppen.

In diesem Jahr war dies der skurrilste Fall: Das Verkehrsministerium von Sachsen-Anhalt hatte eine Bahnlinie zwischen Bitterfeld und Stummsdorf stillgelegt. Sie war längst verwaist und man transportierte auf ihr nur ab und zu eine Fuhre Zuckerrüben. Trotzdem beauftragte dasselbe Ministerium zwei Monate vor der endgültigen Stilllegung eine Firma mit dem Bau einer Brücke für diese Linie - für eine Million Euro.

Viele Fälle sind zum Lachen, aber mir ist nie zum Lachen zu Mute. Mein Traum ist, dass Schwarzbücher, die Steuerverschwendungen anprangern, nicht mehr nötig sind. Ein Don Quichotte bin ich nicht: Aber wenn ich seit Jahrzehnten fordere, dass es keine Subventionen geben darf und plötzlich kommt Bundesfinanzminister Eichel mit der Idee daher - dann weiß ich, dass Beharrlichkeit siegt.

Die Frage stellte Claudia Tödtmann

*Der Bund der Steuerzahler schätzt, dass aktuell fünf Prozent der Ausgaben der öffentlichen Haushalte verschwendet werden.

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