Karl Heinz Siepe ist Chef der Siepe AG Consulting Partners
Siepe: Durchstarter mit Bodenhaftung

Der frühere Industriemanager hat wieder bei null angefangen und innerhalb von dreizehn Jahren eine Firmengruppe mit 1 000 Mitarbeitern geschaffen.

MÜLHEIM/RUHR. Karl Heinz Siepe leidet. Am Abend zuvor, auf der Tribüne im Dortmunder Westfalenstadion, hat es kräftig gezogen. Nun ist seine Nase verstopft, der Hals schmerzt. Trotzdem hat er sich wie jeden Morgen ins Auto gesetzt und ist die 40 Kilometer von seinem Haus im Dortmunder Süden in die Zentrale der Siepe AG Consulting Partners nach Mülheim gefahren. Gewiss, ein Fußballabend vor dem Fernseher wäre besser für die Gesundheit. Gleichwohl will Dauerkarteninhaber Siepe auch in der nächsten Saison bei jedem Heimspiel der Borussia im Stadion sein.

So schnell kann den Mann nichts umhauen. Auch nach dem abrupten Ende seiner Karriere als Industriemanager hat er sich wieder aufgerappelt. Die von ihm vor 13 Jahren gegründete Unternehmensgruppe erzielt heute mit gut 1 000 Mitarbeitern einen Umsatz von 90 Millionen Euro. Insgesamt acht Jahre war Siepe Vorstandschef der O & K Orenstein und Koppel AG in Dortmund. Doch dann kosteten ihn Differenzen über die künftige Ausrichtung des kriselnden Baumaschinenherstellers im Mai 1989 den Job. Mit 50 wagt er den Sprung in die Selbstständigkeit.

Siepe gründet ein Unternehmen, dessen Zielsetzung zunächst im Handel von Unternehmensbeteiligungen besteht. "Klassisches Venture-Capital", beschreibt er die ursprüngliche Zielsetzung der Firma - und dabei ist die westfälische Sprachfärbung des gebürtigen Dortmunders nicht zu überhören.

Drang ins Beratungs- und Dienstleistungsgeschäft

Eher zufällig erwirbt er in den ersten Jahren kleinere Unternehmen aus den Bereichen Ingenieurdienstleistungen und Beratung. Doch dann erkennt er, dass sich aus dem Geschäft mehr machen lässt als der bloße An- und Verkauf. Der Handel mit Beteiligungen rückt in den Hintergrund, Siepe drängt ins operative Beratungs- und Dienstleistungsgeschäft. "Dieser Schwerpunkt entwickelte sich nach und nach", erzählt er heute im Rückblick.

Mitarbeiter beschreiben Karl Heinz Siepe als "bodenständig und umgänglich". Als einen Mann, der seine Herkunft aus einfachen Verhältnissen nie vergessen hat; sein Vater war einst Dreher in einem Dortmunder Hüttenwerk. Aber der Sohn wollte schon immer mehr. Die Lehre zum Industriekaufmann reicht ihm nicht, anschließend hängt er noch ein Physik-Studium dran.

Gut 20 Firmen zählt die Siepe-Gruppe inzwischen. Mit 85 Prozent der Anteile ist der Gründer unangefochten die Nummer eins im Unternehmen, den Rest teilen sich Kollegen aus dem Management. Auch nach dem Strategiewechsel vom Beteiligungshandel zum Beratungsgeschäft entwickelt Siepe einen unbändigen Vorwärtsdrang und lässt kaum eine Kaufgelegenheit aus. Zu einem wichtigen Standbein haben sich Dienstleistungen rund um Immobilien entwickelt.

Siepes Beratertruppe baut ganze Fabriken auf der grünen Wiese und koordiniert dann den Umzug der Produktion. Oder sie plant Bauten und kümmert sich um die technische Gebäudeausrüstung. Für prominente Kunden wie Porsche hat Siepe das neue Werk in Leipzig geplant, von BMW kam der Auftrag für den Bau des Rolls-Royce-Werks im englischen Goodwood.

Schlechte Konjunktur zwingt zum Sparen

Wegen der schlechten Wirtschaftslage muss auch die Siepe AG sparen, im vorigen Jahr hat die Gruppe soeben noch schwarze Zahlen geschrieben. "Die Automobilindustrie hält sich mit Investitionen zurück", beschreibt der Chef die aktuelle Situation. In diesem Jahr wird die Siepe AG keine großen Wachstumssprünge machen, Konsolidierung ist angesagt.

Weit mehr beschäftigt Siepe allerdings die Frage, wie es auf lange Sicht mit seinem kleinen Firmenimperium weitergeht. Verkaufsabsichten hegt er zwar nicht. Doch für den heute 62-Jährigen steht fest, dass er sich in drei Jahren aus der Firmenleitung zurückziehen wird. Er kann sich gut vorstellen, dann den Vorsitz im Aufsichtsrat zu übernehmen. Die Suche nach einem Nachfolger läuft. "Man versucht, die Dinge beizeiten zu ordnen", sagt Siepe. Von seinen vier Kindern hat keines Ambitionen, in die Fußstapfen des Vaters zu treten. Für ihn ist das kein Problem, "ich dränge meine Kinder nicht".

So oder so wird er aber wohl noch häufiger zu Borussia Dortmund gehen können, zumal zwei seiner Kinder begeisterte Fußball-Anhänger sind. In einem allerdings hat der Vater auf seine Zöglinge abgefärbt. "Alle meine Kinder spielen Golf", erzählt er. Das Spiel mit den kleinen Bällen ist seine große Leidenschaft, die er in den nächsten Jahren mit Sicherheit noch intensiver pflegen wird.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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