Karl Matthäus Schmidt hält Verkaufspreis für angemessen
Die neue Consors setzt auf Fonds

Der Nürnberger Discount-Broker Consors will mit dem neuen Partner Cortal verstärkt auf das Fondsgeschäft setzen.

cbu/pot NÜRNBERG. "Wir werden Teams für Fondsberatung und-vertrieb aufbauen", sagte Consors-Chef Karl Matthäus Schmidt dem Handelsblatt. Die französische Großbank BNP Paribas hatte Anfang Mai die Mehrheit an Consors übernommen und will den Direktbroker jetzt mit der eigenen Tochter Cortal zusammen führen. Consors werde die große Erfahrung von Cortal im Fondsgeschäft nutzen, kündigte Schmidt an.

Das Fondsgeschäft soll die fallenden Erträge aus dem Aktienhandel kompensieren. Ebenso wie die übrigen Online-Broker war Consors wegen der Börsenflaute tief in die roten Zahlen gerutscht. Consors war in den vergangenen Monaten wegen der Verhandlungen zum Verkauf des Brokers jedoch zu "strategischem Stillstand" verdammt. Die marode Mutter Schmidt-Bank war zum Consors-Verkauf gezwungen.

Neue Konzepte sind dringend nötig. Denn nach Einschätzung Schmidts wird sich an der "katastrophalen Lage" am Aktienmarkt vorerst wenig ändern. Schmidt verweist zudem darauf, dass Consors und Cortal zusammen passen: "Wir ergänzen uns sehr gut." Im Gegensatz zu Consors, die bisher vor allem im Aktienhandel aktiv waren, ist Cortal in Frankreich schon jetzt stark auf Fonds konzentriert; diese machen bereits zwei Drittel des Einlagevolumens aus. Durch die Consors-Übernahme wird Cortal zu einem der größten Online-Finanzdienstleister Europas mit 1,2 Millionen Kunden.

Die Integration wird von einem Group Executive Comittee gesteuert, das von Cortal-Chef Oliver Le Grand geleitet wird. Schmidt ist Vizechef in diesem Komitee. Gemeinsam mit Le Grand wird er weiter für das Deutschland-Geschäft verantwortlich sein. Umgesetzt wird die Integration in Arbeitsgruppen, die im Juli ihre Arbeit aufnehmen.

Auf der Kostenseite erwartet Schmidt bis 2005 Synergien von rund 53 Mill. Euro. Dies entspreche rund 10 % der Gesamtkosten beider Unternehmen. Sparpotenzial bestehe vor allem bei den zentralen Konzernfunktionen. Auch im Ausland sieht Schmidt "Handlungsbedarf". Bisher haben sowohl Cortal als auch Consors Töchter in Spanien und Italien, die nun zusammengelegt werden sollen. Wann und wie das Frankreich-Geschäft von Consors mit 30 000 Kunden in Cortal integriert wird, ist noch offen. Consors France ist börsennotiert.

Schmidt wehrte sich gegen Kritik, Consors sei zu billig verkauft worden. BNP hatte Anfang Mai für den 66-%-Anteil der Schmidt-Bank 287 Mill. Euro gezahlt. Schmidt und sein Vater Karl Gerhard Schmidt hatten allerdings schon im vergangenen Jahr mit einer Vielzahl von Interessenten über einen Consors-Verkauf verhandelt. Nach dem Fast-Zusammenbruch der Schmidt-Bank startete Sanierer Paul Wieandt den Verkaufsprozess neu. Mutmaßungen, dass die Bank bei einem früheren Verkauf einen besseren Preis erzielt hätte, wies Schmidt zurück: "Es hat nie ein konkretes Angebot zu einem höheren Preis gegeben".

In den kommenden Tagen wird BNP den freien Consors-Aktionären ein Angebot für ihre Aktien machen. Laut früheren Angaben wird die Bank 12,40 Euro je Aktie bieten. Schmidt geht aufgrund von Analysten-Meinungen derzeit davon aus, dass institutionelle Investoren die Offerte annehmen. Das Verhalten privater Anleger sei schwer abzuschätzen.

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