Karl Matthäus Schmidt sollte den Weg für einen Verkauf des Direktbrokers frei machen
Kommentar: Zweite Pokerrunde um Consors beginnt

Paul Wieandt hat eine Herkulesaufgabe übernommen. Der 65-jährige, mit allen Wassern gewaschene Banker muss nicht nur Ordnung in das Chaos bringen, das der Fast-Zusammenbruch der fränkischen Schmidt-Bank hinterlassen hat.

Er muss auch den Discount- Broker Consors, eine Tochtergesellschaft der Schmidt-Bank, zu einem möglichst guten Preis und möglichst schnell an den Mann bringen. Denn den Erlös braucht Wieandt dringend für die teure Sanierung der schwer angeschlagenen Mutter-Bank.

Doch Wieandt hätte sich keinen ungünstigeren Zeitpunkt für den Notverkauf von Consors aussuchen können. Denn das Geschäft der deutschen Direktbanken liegt angesichts der Börsenflaute am Boden. Consors schreibt wie alle Institute der Branche tiefrote Zahlen und kann zudem nicht wie die Konkurrenten Comdirect oder DAB Bank auf die Hilfe einer mächtigen Mutterbank bauen. Dazu kommt: Die Beinahe-Pleite der Schmidt-Bank hat bei Consors für weitere schwere Erschütterungen gesorgt. Die anderen Discount-Broker reiben sich bereits seit Wochen genüsslich die Hände und versuchen massiv, Consors-Kunden abzuwerben.

Die ehemals strahlende Braut Consors sieht inzwischen ziemlich gerupft aus. Schon seit Monaten wird Consors wie Sauerbier zum Verkauf angeboten. Doch bisher hat niemand zugegriffen. Zu hoch waren offenbar die Preis-Forderungen von Privatbankier und Mehrheitsaktionär Karl Gerhard Schmidt. Zudem hat ihn seine eigene Verkaufstaktik zum Stolpern gebracht. Denn Vater Schmidt und sein Sohn Karl Matthäus haben, wie sich jetzt herausstellte, gleich drei Investment-Banken gleichzeitig mit dem lukrativen Deal beauftragt und gehofft, so potenzielle Käufer gegeneinander ausspielen zu können. Das riskante Kalkül ging aber nicht auf.

Wieandt, der in der Branche einen guten Ruf als fairer Sanierer genießt, hat in dieser scheinbar ausweglosen Situation jetzt das einzig Richtige getan. Er zieht einen Schluss-Strich unter alle bisherigen Verhandlungen. Gleichzeitig schreibt er den Consors-Verkauf völlig neu aus und hat die Frankfurter Privatbank Metzler exklusiv mit neuen Verhandlungen beauftragt. Damit soll ein faires und schnelles Verfahren gewährleistet werden. Bis Ende März soll dann, so zumindest die Planung, der Consors-Verkauf über die Bühne gehen.

Doch gerade Consors-Chef Karl Matthäus Schmidt torpediert derzeit alle Bemühungen, doch noch ein Happy End für die strauchelnde Bank zu finden. Er zettelte nicht nur einen Führungsstreit mit seinem Mit-Chef Reto Francioni an, indem er seinen Kollegen mit Indiskretionen in der Öffentlichkeit bloßstellte und von seinem Ausscheiden sprach. Der einst so erfolgreiche Jungbanker ist als ehemals persönlich haftender Mitgesellschafter auch der Schmidt-Bank einer der Hauptverantwortlichen für das Desaster der ganzen Schmidt-Bank-Gruppe. Zudem hat er mit seinen gescheiterten Verkaufsversuchen viele Consors-Interessenten nachhaltig verärgert. Zu Recht ist Wieandt, wie kolportiert wird, nicht gerade erfreut über das Verhalten von Schmidt.

Schmidt junior hat die Zeichen der Zeit aber offensichtlich immer noch nicht erkannt. Nur so ist zu erklären, dass er weiter den Eindruck erwecken will, er könne noch über das Schicksal von Consors bestimmen. Dabei ist er inzwischen nach der Fast-Pleite nicht mehr Eigentümer, sondern nur noch Angestellter. Die Entscheidung über Consors und die Schmidt-Bank liegt jetzt bei Wieandt. Würde Schmidt etwas an der Zukunft der von ihm gegründeten Direktbank liegen, dann würde er seinen Posten bald räumen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%