"Karlsruher Abkommen" lässt DTB träumen
Was Haas zum Topstar fehlt

Nach dem Pflichtsieg gegen das drittklassige Venezuela und dem "Karlsruher Abkommen" wird im Deutschen Tennis Bund (DTB) schon wieder von Höhenflügen geträumt.

HB/dpa KARLSRUHE. Doch der mit halber Kraft geschaffte Klassenverbleib in der Daviscup-Weltgruppe hat die sich so fremde Tennis-Familie nur scheinbar geeint. Über den Funktionären um Präsident Georg von Waldenfels kreist trotz aller schönen Worte weiter der Pleitegeier. Und die Spitzenspieler Thomas Haas und Nicolas Kiefer sind sich fremd und suspekt wie eh und je.

Alles wird gut? Was Absichtserklärungen im deutschen Tennis wert sind, zeigte sich nach dem von Haas vorgetragenem Versprechen der Nationalspieler, im kommenden Jahr ohne Wenn und Aber für Deutschland im Daviscup zu spielen, weil man den Pokal endlich gewinnen will. Nur 20 Stunden später verwies der Hamburger auf seine über Nacht wieder "ernst gewordene Armverletzung" und ließ sich im Einzel von Nicolas Kiefer vertreten.

Der Holzmindener schwieg auch dazu und ließ sich von den Taten des momentan besten deutschen Tennis-Profis, die er durchaus auch als Nadelstiche hätte auffassen können, nicht aus der Reserve locken. Schon tags zuvor hatte ihn Haas mit der Ankündigung gepiekt, es bestehe eine winzige Chance, doch im Doppel zu spielen. Dafür aber waren David Prinosil und eben Kiefer vorgesehen. "Warum also sollte ich etwas sagen? Ich wusste doch, dass Patrik uns spielen lässt."

Auch Haas-Manager Stefan Füg ließ keine Gelegenheit ungenutzt, den Zweiten der Weltrangliste im Rampenlicht zu positionieren. Dass sein Schützling und Rainer Schüttler die Daviscup-Erklärung ohne Kiefer abgegeben sollten, konnte er gleichwohl nicht unter dem Mantel der Verschwiegenheit verborgen halten. Auch der Versuch zu retten, was zu retten war, missglückte. So wie der Auftritt im ZDF-Sportstudio, der das schlechte Haas'sche Image nur noch verstärkte. "Es ist eben schwer, weil Tommy so selbstbewusst ist", erklärte Füg.

Wie wenig Sympathie der Achte im Champions Race genießt, zeigten die Zuschauer in der Europahalle, die tatsächlich zu den treuesten Fans des deutschen Tennis zählen. Ein Haas-Autogramm? Kaum Bedarf. Jubel um die deutsche Nummer eins? Eher verhalten. Auch die Absage des Sonntags-Einzel schockte nicht wirklich. Dabei ist Haas nach Becker und Michael Stich der erfolgreichste deutsche Tennisprofi. Trotzdem wird er nicht als Topstar anerkannt? Haas ist kein «Leitwolf» - auch im Daviscup-Team nicht. Und Triumphe wie die Wimbledonsieger und Daviscup-Gewinner kann er auch nicht vorweisen.

"Aber ich habe zwei Mal im Halbfinale der Australian Open gestanden", sagt Haas. Selbstkritik ist seine Sache nicht. Stattdessen verweigerte er sich vor der Erstrunden-Partie gegen Kroatien, weil er vom DTB die ultimativ geforderten 100 000 Euro für seinen Physiotherapeuten und die Freiflüge für seinen Vater nicht bekommen hatte. Das haben auch die treuesten Fans nicht vergessen. Das Fernsehen scheut sich deshalb beharrlich, den auslaufenden Vertrag zu verlängern. Ob ein "Karlsruher Abkommen" da reicht?

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