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Karneval am Rhein: Mainz schlägt Bremen in letzter Minute

Der Siegtorschütze konnte das späte Glück kaum fassen. Während die Fans auf den Rängen Karneval feierten und der Trainer vor Freude die Seitenlinie entlang tanzte, schlug Benjamin Auer nach seinem Treffer in der 90.

dpa MAINZ. Der Siegtorschütze konnte das späte Glück kaum fassen. Während die Fans auf den Rängen Karneval feierten und der Trainer vor Freude die Seitenlinie entlang tanzte, schlug Benjamin Auer nach seinem Treffer in der 90. Minute zum 2:1 (0:0) gegen den SV Werder Bremen immer wieder die Hände vor das Gesicht und schüttelte ungläubig den Kopf.

"Das ist einfach überragend, was heute passiert ist. Ich glaube, wir können alle ein wenig stolz sein", sagte der Stürmer des FSV Mainz 05. Dank des kaum noch für möglich gehaltenen Erfolges stürmte der Aufsteiger auf den dritten Tabellenplatz vor und verdarb dem deutschen Meister und Pokalsieger gründlich die Generalprobe für das Champions-League-Spiel beim RSC Anderlecht.

Nach Auers Last-Minute-Treffer, seinem zweiten in dieser Saison, verwandelte sich das mit 20 300 Fans ausverkaufte Bruchweg-Stadion in ein Tollhaus. "Das ist unfassbar und kaum noch zu toppen", jubelte FSV-Trainer Jürgen Klopp über die Fortsetzung des märchenhaft anmutenden Höhenfluges. Anders als der Meister überzeugte seine Elf bis zur letzten Sekunde durch Engagement und Kampfgeist. "Zehn Minuten vor Schluss hat doch keiner im Stadion mehr an unseren Sieg geglaubt. Aber dank der tollen Fans reiten wir auf einer Euphoriewelle", sagte Auer, der schon für das deutsche Team 2006 in letzter Minute getroffen hatte.

"Es ist unglaublich, was die Jungs geleistet haben. Sie waren bereit, erst um den Punkt und dann um den Sieg zu kämpfen. Wir haben über 90 Minuten ein sensationell gutes Spiel geboten", lobte Klopp sein Team, das mit heißem Herzen und kühlem Kopf agierte. Auch nach dem 0:1 durch Angelos Charisteas (56.) verloren die Gastgeber nicht ihre Linie. "Die Mannschaft hat weiter Fußball gespielt, das war das Großartigste", meinte Klopp, der mit der Einwechslung von Niclas Weiland und Ranisav Jovanovic ein glückliches Händchen bewies. Denn Weiland erzielte den Ausgleich (83.) und Jovanovic bereitete beide Mainzer Tore vor. "Es ist ein wunderschönes Gefühl, das Spiel noch gedreht zu haben", jubelte Weiland.

Werder-Coach Thomas Schaaf ging mit seinen Spielern dagegen hart ins Gericht. "Ich bin nicht zufrieden, wie wir in der zweiten Halbzeit insgesamt agiert haben. In allen Zweikämpfen war das zu wenig, die Mannschaft hat sich nicht richtig gewehrt", übte er Kritik an der laschen Einstellung. Bezeichnend war die Situation vor dem 1:2, als der über weite Strecken spielfreudig agierende Johan Micoud den Ball in der eigenen Hälfte vertändelte und den Lauf der Dinge dann untätig verfolgte. "Wir haben den Gegner durchlaufen lassen, statt ihn zu stellen", monierte Schaaf.

Dabei hatte sein Team, dem kurz vor der Pause ein Charisteas-Tor wegen einer angeblichen Abseitsstellung nicht anerkannt wurde, eine Stunde lang überzeugt. Die Bremer hatten den Hausherren durch knallhartes Pressing kaum Entfaltungsmöglichkeiten gewährt und nach der Führung alle Trümpfe in der Hand gehalten. "Danach haben wir einfach zu wenig getan, dem Gegner in die Karten gespielt und das Spiel aus der Hand gegeben", stellte Schaaf enttäuscht fest.

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