Karnevalshochburg
„Mainz bleibt Mainz“ ist schon lange überholt

Eigentlich dürfte der Wirtschaftsstandort Mainz gar nicht sonderlich erfolgreich sein. Doch das Bild trügt. Trotz der leeren öffentlichen Kassen, trotz der provinziellen Beschaulichkeit gehört die 200 000-Einwohner-Stadt wirtschaftlich zu den dynamischsten Regionen in Deutschland.

MAINZ. Die Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz, mit 400 Millionen Euro verschuldet, steckt in einer veritablen Finanzkrise - hohe Zinsverpflichtungen schränken den Spielraum für öffentliche Investitionen massiv ein. Kein einziger deutscher Großkonzern hat seinen Hauptsitz in der 2000 Jahre alten ehemaligen Römersiedlung. Und das mittelständische Unternehmertum am Rande des Rheingaus erscheint als unscheinbarer Mischmasch.

Doch das Bild trügt. Trotz der leeren öffentlichen Kassen, trotz der provinziellen Beschaulichkeit gehört die 200 000-Einwohner-Stadt wirtschaftlich zu den dynamischsten Regionen in Deutschland. Dies ist das Ergebnis des Zukunftsatlas 2004, des umfassenden Standorttests von Prognos und Handelsblatt. Mainz kommt in der Gesamtwertung auf Platz 13 von 439 - nur knapp hinter Frankfurt (Platz 11) und vor Düsseldorf (Rang 18), Hamburg (20) und Köln (41).

"Mainz hat sich gerade in den vergangenen Jahren zu einem sehr dynamischen Standort entwickelt - nicht nur im Vergleich mit dem restlichen Rhein-Main-Gebiet, sondern bundesweit", sagt Peter Kaiser, Regional-Experte bei Prognos. Bereits 80 Prozent der Mainzer Arbeitnehmer arbeiten im Dienstleistungssektor, in Deutschland insgesamt sind es nur 64 Prozent. Die Arbeitslosenquote war im Jahresmittel 2003 mit 8,3 Prozent ein Viertel niedriger als im Bundesdurchschnitt.

Die Gründe für diese Erfolgsgeschichte sind vielschichtig, und sie sind nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Denn Mainz ist kein Wolfsburg, wo die Autoindustrie als Herz schlägt; Mainz ist kein München, das mit seiner überragenden Potenz längst zum Selbstläufer geworden ist; und Mainz ist auch kein Dortmund oder Jena, die öffentliche Subventionen in Millionenhöhe bekommen. "Es sind im Wesentlichen drei Kompetenzfelder, die Mainz stark machen: Medien, Informationstechnologie und Gesundheit", sagt Peter Vieregge, der für öffentliche Auftraggeber Wirtschaftsstrategien entwickelt.

Für zwei der drei Stärken hat Vater Staat einst den Grundstein gelegt. Ohne das ZDF, 1961 auf Betreiben von Konrad Adenauer gegründet, wäre Mainz kaum zu einem bedeutenden Medienstandort aufgestiegen. Und ohne die staatlichen Hochschulen, vor allem ohne die angesehene Uni-Klinik, wäre aus Mainz kein renommiertes Gesundheitszentrum geworden.

Im Dunstkreis der beiden öffentlich-rechtlichen Wirtschaftskerne ZDF und Universität ist ein Kranz privatwirtschaftlicher Unternehmen entstanden, die längst eine wirtschaftliche Eigendynamik entwickelt haben. So konzentrieren sich im Windschatten der Uni viele Unternehmen aus Forschung und Entwicklung. Flaggschiffe sind das Forschungszentrum des Spezialglasherstellers Schott und die Max-Planck- Institute für Chemie und Polymere. Hinzu kommen

700 Medienfirmen mit 17 000 Beschäftigten. Zum Vergleich: Das ZDF hat - weltweit - 3 600 feste Mitarbeiter.

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