Karosserie-Spezialist aus Osnabrück feiert sein 100-jähriges Bestehen
Ein eigenes Karmann-Modell kommt nie wieder

100 Jahre Karmann sind eine bewegte Automobil-Geschichte. Der Cabriospezialist steht für Qualität und Fertigungs- Know-how. Zum Jubiläum präsentierte das Unternehmen eine neue, offene Studie.

OSNABRÜCK. Deutschlands renommiertester Karossier residiert in der Provinz. Die Osnabrücker Wilhelm Karmann GmbH begeht in diesen Tagen ihr 100-jähriges Firmenjubiläum. Das Unternehmen schaut nicht nur auf eine bewegte Vergangenheit zurück, sondern geht auch mit gut gefüllten Auftragsbüchern in die nächsten Jahre.

Zur Jubiläumsfeier mit 400 geladenen Gästen, darunter Mercedes-Chef Jürgen Hubbert, dem Ford-Vorstandsvorsitzenden Rolf Zimmermann, Audi-Entwicklungschef Werner Mischke sowie zahlreichen Vertretern aus den unterschiedlichsten Bereichen der Automobilindustrie, enthüllte Karmann Ende vergangener Woche sein neues Highlight für die Frankfurter Automesse IAA. Dabei handelt es sich um ein Konzeptfahrzeug namens Transformer. Gleichzeitig Geländewagen und Cabriolet folgt diese Studie dem aktuellen Trend der so genannten "Crossover"-Bewegung. Damit sind Autos gemeint, die mehrere Fahrzeug-Konzepte miteinander kreuzen.

In seiner äußeren Anmutung ähnelt der Transformer ein wenig der Audi-Studie Steppenwolf vom Pariser Automobilsalon des vergangenen Jahres, jenem Offroad-tauglichen Coupé auf Audi-TT-Basis, das als "Allroad"-Variante des nächsten Audi A3 denkbar wäre. Die sehr markanten Radausschnitte des Transformer, der Plakettengrill, in dem nun das Karmann-Emblem positioniert ist, und nicht zuletzt der flache Dachverlauf deuten auf die Nähe zum Audi-Design hin. Zufall oder Absicht? Karmann-Chefdesigner Jörg Steuernagel lag es fern, formale Assoziationen zu irgendeinem Hersteller aufkommen zu lassen: "Der Transformer ist eine Studie mit reiner Karmann-Identität", versucht er alle Zweifel zu zerstreuen. Dennoch widerspricht er nicht, wenn das Konzeptfahrzeug in Reichweite einer möglichen Cabrioversion des BMW 3er-Compact, Mercedes C-Klasse-Sportcoupé oder eben auch eines Audi A3 gerückt wird. Und wenn eines Tages schließlich ein Ford Focus Cabrio daraus wird, dürfte man sich auch nicht wundern.

Immerhin kann Karmann auf eine Reihe von Fahrzeugen zurückblicken, die in die Geschichte eingegangen sind. Darunter waren sowohl eigene, wie das Karmann Ghia Coupé und Cabrio von 1955, als auch im Auftrag großer Marken gebaute Modelle wie etwa Alfa Romeo Giulia Sprint GT, Porsche 356 B Hardtop, die BMW Coupés C und CS, die sportlichen VW Scirocco und Corrado. Käfer Cabrio, Golf Cabrio und Ford Escort Cabrio nicht zu vergessen, die mit ihren hohen Stückzahlen den Namen Karmann um die Welt trugen.

Die heutigen Highlights aus Osnabrücker Fertigung tragen nicht minder klangvolle Markennamen: Mercedes SLK und CLK, Jaguar XK8, Audi Cabrio, Renault Mégane Cabrio. Das verpflichtet zu Qualität und verlangt Fertigungs-Know-how. Karmann hat sich auf diesem Gebiet hohes Ansehen erworben. Bernd Gottschalk, Präsident des deutschen Automobilherstellerverbandes VDA, sagte anlässlich der Jubiläumsfeier: "Wer im Topsegment tätig sein will, muss selber top sein." Und auch Jürgen Hubbert ist überzeugt: "Karmann hat das Know-how, Mercedes-Qualität zu produzieren."

Doch der große Traum von Karmann-Chef Rainer Thieme, wieder ein eigenes Modell zu bauen, wird wohl ein unerfüllter Traum bleiben. Sowohl die Studie Idea von 1991 als auch das Karmann Coupé mit versenkbarem Metalldach von 1999 fanden lediglich Nachahmer.

Mit der auf der diesjährigen IAA gezeigten Studie dürfte es kaum anders sein. Unter dem Namen Transformer wird sie wohl nicht mehr als ein schönes, viel bestauntes Schaustück bleiben. Aber vielleicht geht es mit ihr so wie mit anderen Osnabrücker Studien. Sie regten die Phantasie der Designer bei Automobilherstellern zu neuen Modellen an. Einige wurden schließlich - mangels Platz und Know-how - in den Montagehallen von Karmann gefertigt. Wenn es wieder so kommt, hätte der Transformer letztendlich seinen Zweck erfüllt.

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