Karriere, Arbeiten und Leben in Lettland
„Die Aufbruchstimmung hat sich gelegt“

Es sollte nicht lange dauern: Zehn Wochen in Lettland aushelfen. Nicola Wittwer nahm das Angebot ihres Arbeitgebers Nienhaus & Lotz gerne an. Das Tochterunternehmen des Bochumer Steilmann-Konzerns errichtete in Lettland einen Betrieb. "Unsere Ingenieurin brauchte Hilfe. Das war vor zehn Jahren", erinnert sich Nicola Wittwer.

RIGA. Die Bekleidungstechnikerin aus Gelsenkirchen ist in dem baltischen Land geblieben - trotz stressiger Arbeit und geringer Freizeit. "Lettland war damals ein Abenteuerland", schwärmt sie. Tatsächlich wirkte die Freiheit fernab der Zentrale motivierend und Karriere fördernd. Nicola Wittwer stieg zur Betriebsleiterin in Gulbene nahe der russischen Grenze auf. Ihre 350 lettischen Mitarbeiterinnen nähen Oberbekleidung.

"Die Goldgräberstimmung ist in Lettland nun vorbei", sagt sie am deutschen Stammtisch. An ihm versammeln sich im Hotel Konventa Seta in der Rigaer Altstadt mittwochs abends gut zwei Dutzend Deutsche. "Die Märkte in Lettland sind verteilt, allenfalls gibt es noch Nischen", bestätigt Frank Gruber.

Der Verkaufsleiter für freiverkäufliche Pharmazeutika vertritt die Firma Sirowa aus dem hessischen Selters-Eisenbach. Wie Nicola Wittwer gehört er zu den etwa 200 Deutschen, die in Lettland arbeiten. Die meisten sind als Führungskräfte deutscher Unternehmen oder als Selbstständige tätig. "Nur sehr wenige Deutsche haben bisher bei lettischen Arbeitgebern eine Stelle gefunden. Das wird sich aber mit dem Beitritt Lettlands zur Europäischen Union ändern", prophezeit Roberts Stafeckis von der Delegation der Deutschen Wirtschaft in Lettland.

Als Selbstständige haben Deutsche in Lettland die besten Erfolgsaussichten. Darin sind sich die meisten Beobachter einig. Gute Karten haben darüber hinaus juristische Berater, die sich mit Gesetzen und Vorschriften der EU auskennen. In Lettland ist dieses Wissen noch Mangelware - eine Marktnische, die der deutsche Rechtsanwalt Theis Klauberg als Erster entdeckt hat. Der 33-Jährige studierte in Hamburg und Berlin und fing bereits im ersten Semester an, die lettische Sprache zu lernen. Vor drei Jahren trat er in eine finnischen Anwaltsfirma ein, wurde ins Baltikum geschickt. Im März 2003 hat Theis Klauberg in Riga mit seinem lettischen Partner Arturs Krauklis eine eigene Rechtsanwaltskanzlei eröffnet.

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