Karriere-Faktor Small Talk
Reden ist doch Gold

Viel reden, aber so wenig wie möglich sagen. So macht man Karriere. Das alte Klischee haben jetzt auch Experten bestätigt.

Small Talk, zu deutsch "unverbindliche soziale Konversation", ist - wie böse Zungen behaupten und das Oxford Dictionary bestätigt - im Grunde nur leeres "Geschwätz".

Doch was immer man auch persönlich davon halten mag: Das berühmte "Reden ist Silber, Schweigen ist Gold" können Sie getrost vergessen. "Bei gleicher Qualifikation erhält in der Regel der bessere Small Talker den Job", erklärt Kommunikationsexpertin Cornelia Topf. Eine Studie des amerikanischen "Center for Workforce Development" erklärt warum: 70 Prozent des Wissens über ihren Job und ihre Firma erwerben Mitarbeiter durch Schwätzchen mit Kollegen.

Was also tun, wenn man seinem Chef in der Kantine gegenübersitzt und schwerer Themennebel die Gedanken umwölkt? Peinliches Schweigen als Karriere-Killer? Das muss nicht sein.

"Jeder kann ein gewandter Small Talker werden. Auch Sie!", verspricht Topf in ihrem Buch zum Thema Small Talk. Und erklärt gleich die wichtigsten Gründe für die Sprachlosigkeit im falschen Moment: Die Angst, sich zu blamieren und mangelndes Interesse am Gegenüber.

Training ist alles

Abhilfe kann ihrer Meinung nach nur regelmäßiges Training schaffen. Denn unbefangene Gespräche sollte man am besten in unbefangenen Moment üben: Im Bus, über den Gartenzaun hinweg, in der Warteschlange. Nach einiger Zeit sollten dann auch Gespräche gelingen, die über das "Schönes Wetter heute, oder?" hinausgehen.

Heikler wird es natürlich, wenn Small Talk mit Vorgesetzten ansteht und von entspannter Atmosphäre keine Rede mehr sein kann. Doch gerade beim Training für solche Gesprächssituationen haben Anfänger in der Service-Wüste Deutschland laut Topf einen unschätzbaren Standortvorteil: "Reden Sie mit Verkäuferinnen, Krankenhauspersonal und Callcenter-Agenten - danach wird das Gespräch mit Ihrem schlimmstmöglichen Gesprächspartner eine wahre Freude sein."

Bleibt zu hoffen, dass Vorgesetzten, Geschäftskunden und anderen wehrlosen Opfern des Small Talk diese Trainingsmöglichkeit verborgen bleibt. Womöglich stellen sie sich sonst bei entspannten Unterhaltungen laufend die Frage: Spreche ich mit einem Menschen, der sich wirklich für mich interessiert - oder mit jemanden, der wochenlang eine unbescholtene Metzgereifachverkäuferin bequatscht hat?

Mehr zum Thema: Cornelia Topf, "Small Talk", Haufe Verlag, ? 6,60

E-Mail an die Autorin: s.herr@vhb.de

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