Karriere im Auswärtigen Dienst
Morgen hier, übermorgen dort

Nach zwölf Jahren Karriere auf dem internationalen Parkett kann Gabriele von Halem spannende Geschichten erzählen: Da gab es einen Häuptling in Kamerun, der ihr einen Heiratsantrag machte, in Japan kraxelte sie an den Hängen des Fuji, ein paar Jahre später hat sie in den USA mitgeholfen, die Fußball-Weltmeisterschaft vorzubereiten. So spannend ein Job als Referent, Konsul oder Botschafter auch sein mag, der Job bringt auch weniger angenehme Tätigkeiten mit sich. Beamte im Auswärtigen Dienst quälen sich nächtelang durch Verhandlungen, ackern Stapel von Akten durch und verfassen Berichte für die Zentrale in Berlin.

Heute hier, übermorgen dort - niemals für lange Zeit. So wirbt das Auswärtige Amt um neue Leute, die sie als Vertreter Deutschlands ins Ausland schicken kann. Der Slogan zieht, immerhin bewerben sich pro Jahr rund 1000 Anwärter. Das Auswahlverfahren ist hart, am Ende bleiben nur 40 Kandidaten übrig, die den Höheren Auswärtigen Dienst antreten dürfen.

Zu Beginn der Ausbildung müssen die frisch gebackenen Attachés ihre uneingeschränkte Versetzungsbereitschaft erklären. Voraussetzung für einen Job, in dem man regelmäßig die Zelte abbricht, um einen Posten in einem anderen Land anzutreten. In der Regel bleiben die Beamten nur drei Jahre an einem Einsatzort, dann dreht sich das Karussell aufs Neue und man findet sich auf einem anderen Kontinent wieder. Von Washington nach Lagos. Von Lagos nach Genf. Von dort dann nach Jakarta. So geht das weiter - bis zur Pensionierung.

Doch der regelmäßige Wechsel der Kontinente verlangt den Beamten im Auswärtigen Dienst nicht nur eine gehörige Portion Flexibilität ab, sondern fordert auch eine Einschränkung im Privatleben. Nicht immer herrscht in den Einsatzorten eitel Sonnenschein. In Krisengebieten ist die persönliche Freiheit eingeschränkt, Ehepartner können ihren Beruf nicht ausüben, für die Kinder steht vielleicht keine Schule zur Verfügung.

Von Washington nach Karthum

Da bekommt der ein oder andere Beamte kalte Füße und will den neuen Posten nicht antreten. Was dann? Angelika Viets, Ausbildungsleiterin für den Höheren Dienst, betont: "Unter Zwang wird niemand irgendwohin geschickt, wer aber zum zweiten Mal eine Versetzung ablehnt, sollte sich warm anziehen." Denn die Beamten würden dann vor die Wahl gestellt: Entweder sie gehen oder aus der Beförderung wird nichts.

Ein neuer Posten bedeutet in vielen Fällen auch die Konfrontation mit einem neuen Aufgabengebiet. Als Referent bezog Martin Huth 1995 seinen Auslandsposten in Teheran, leitete einen Stab von 25 Mitarbeitern und kümmerte sich um Rechts- und Konsularangelegenheiten. Der nächste Auslandsposten verschlug ihn nach Genf, wo er bei den Vereinten Nationen für die Stärkung der Menschenrechte zuständig war und Verhandlungen bis in die frühen Morgenstunden führte. Nicht umsonst betont die Ausbildungsleiterin Viets: "Wir suchen offene, breit angelegte Menschen, die sich gut auf neue Situationen einstellen können."

Wer den Sprung in den Höheren Auswärtigen Dienst geschafft hat, wird in Bonn ein Jahr lang auf die späteren Aufgaben vorbereitet. In den folgenden zehn Jahren lernen die Beamten möglichst viele Regionen und Aufgabengebiete kennen. Wirtschaftsreferenten zum Beispiel beobachten die ökonomische Entwicklung des Gastlandes, stellen Kontakte zwischen einheimischen und deutschen Firmen her oder betreuen Delegationen. Erst in der zweiten Karrierephase folgt die Konzentration auf ein bestimmtes Fachgebiet wie Politik, Konsularbereich oder Kultur. Viele Beamte wählen zudem eine Schwerpunktregion, in der sie vornehmlich eingesetzt werden möchten. Wer es bis ganz nach oben schafft, bekleidet irgendwann eine Führungsposition in der Zentrale oder steigt in den Auslandsvertretungen zum Konsul, Generalkonsul oder Botschafter auf.

Hartes Auswahlverfahren

Die Bewerbungsfrist für die nächste Kandidaten-Auslese endet am 31. August 2002. Helmut Lörsch, Organisator des Auswahlverfahrens, lässt nur Bewerber zwischen 18 und 31 Jahren mit abgeschlossenen Studium zum schriftlichen Auswahlverfahren zu. Der Test, bei dem Allgemeinbildung und Sprachen, Kenntnisse in Neuerer Geschichte, Politik, Staats- und Völkerrecht sowie Volkswirtschaft abgefragt werden, findet im Oktober in Berlin, Bonn, Frankfurt am Main, Hamburg und München statt. Die Fragen sind nicht ohne. Ein Beispiel: "Nennen Sie drei Ausschüsse des Bundestages, die nach dem Grundgesetz eingerichtet werden müssen!" Knifflige Aufgabe, denn laut Verfassung muss der Bundestag nicht drei, sondern vier Ausschüsse bilden: den Ausschuss für Verteidigung, einen Auswärtigen Ausschuss, einen Ausschuss für Angelegenheiten der Europäischen Union und einen Petitionsausschuss.

Wer den schriftlichen Test besteht, darf zum mündlichen Auswahlverfahren nach Bonn reisen. Zwei lange Tage wird den 120 Anwärtern mit Sprachtests, Gruppenaufgaben, psychologischen Übungen und anderen Mitteln auf den Zahn gefühlt. 40 Glückliche bleiben am Ende übrig und werden als Attachés in den Staatsdienst berufen.

Weitere Informationen, Bewerbungsunterlagen und Hinweise zur Vorbereitung auf die Auswahlverfahren gibt es unter www.auswaertiges-amt.de/www/de/aamt/job/jobs_aa/hd_html

oder schriftlich unter:

Auswärtiges Amt
Aus- und Fortbildungsstätte, 1-AF-0
Gudenauer Weg 134-136
53127 Bonn

Tel.: 01888 - 17 1145 oder 01888 - 17 1139
E_Mail: 1-AF-00@auswaertiges-amt.de
Fax: 01888 - 17 1126

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%